Sichere Lagerung von Gefahrstoffen in Gebäuden

(Foto: zVg)
gaerner AG /

In öffentlichen Gebäuden, Wohnanlagen und Betrieben stellen gelagerte Chemikalien und andere gefährliche Stoffe eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Mögliche Folgen falscher Lagerung sind Gesundheitsschäden, Sach- und Umweltschäden bis hin zu Explosionen und Bränden.

Die entscheidende Frage, wo und wie Gefahrstoffe in Gebäuden sicher gelagert werden können, lässt sich nicht mit einem Satz beantworten. In Abhängigkeit vom konkreten Stoff sind sowohl bezüglich Einrichtung als auch Nutzung des Lagers zahlreiche Vorschriften aus unterschiedlichen Verordnungen und Gesetzen zu berücksichtigen. Der folgende Beitrag stellt die grundlegenden Anforderungen an die Lagerung von Gefahrstoffen in Gebäuden vor.

Definition Gefahrstoffe

Als Gefahrstoffe werden Stoffe oder Stoffmischungen deklariert, die:

  • toxisch,
  • brandfördernd,
  • leicht entzündlich,
  • explosionsgefährlich,
  • reizend,
  • ätzend,
  • allgemein umweltgefährdend und/oder
  • allgemein gesundheitsschädlich sind.

Gefahrstoffe können in beinahe allen Lebensbereichen vorkommen: In Gewerbebetrieben, in der Industrie, in Kliniken, in Schulen, Schwimmbädern, Wohnstätten und Laboratoren werden gefährliche Stoffe, wie Farben, Lösungsmittel, Gase, Reinigungsmittel oder Pflanzenschutzmittel gelagert. Bereits ein sogenannter «Giftschrank» im Gartenfachmarkt ist per Definition ein Gefahrstofflager.

Bewilligungspflicht

Die Einrichtung eines Raumteils oder eines ganzen Raumes zur Lagerung von Gefahrstoffen ist grundsätzlich bewilligungspflichtig. Für den Erhalt der Baubewilligung muss der verantwortliche Bauherr ein Baugesuch bei der zuständigen Baubehörde stellen. Erfüllt das Vorhaben die eidgenössischen, kantonalen sowie die kommunalen Gesetze und Bauvorschriften, wird die Bewilligung erteilt.

Klassifizierung gefährlicher Stoffe

In den meisten Fällen gibt das Etikett Auskunft über die genaue Zusammensetzung und die Gefährlichkeit des Stoffes. Darüber enthalten die beiliegenden Datenblätter alle relevanten Informationen. Sollte dies nicht der Fall sein, helfen Datenbanken und Nachschlagewerke, in denen die gefährlichen Eigenschaften von Stoffen dargestellt und mittels Symbolen sowie Klassifizierungssystemen bewertet werden. Anhand des ermittelten Klassifizierungssystems lässt sich die entsprechende Lagervorschrift ermitteln.

Die wichtigsten Klassifizierungssysteme für Gefahrstoffe in der Schweiz sind die folgenden:

  • Klassifizierung nach CEA/VKF-System
  • Klassifizierung nach schweizerischem Chemikalienrecht
  • Klassifizierung gemäss Transportvorschriften
  • Klassierung nach GHS/CLP

Lagermengen und Zusammenlagerung

Die geplante Lagermenge ist ein wichtiger Indikator für die konkreten Anforderungen, die das Gefahrstofflager erfüllen muss. Selbst Stoffe, von denen in kleineren Mengen keine Gefahr ausgeht, können in grossen Mengen (z. B. Salz oder Öl) ein Risiko darstellen. Dieser Fakt wird ebenfalls im Rahmen der Baubewilligung geprüft. Sollen mehrere Gefahrstoffe zusammengelagert werden, muss das Lager grundsätzlich für das gefährlichste Produkt ausgelegt sein.

Manche Stoffe reagieren gefährlich, sobald sie miteinander in Berührung kommen. In derartigen Fällen sind besondere Schutzmassnahmen, wie Sicherheitsabstände, Auffangwannen, Sicherheitsschränke und/oder Trennwände erforderlich.

Zertifizierte Sicherheit

Es gibt eine Reihe gesetzeskonform zertifizierter Produkte, die für das fachgerechte Lagern von Gefahrstoffen zugelassen sind. In geschlossenen Räumen kommen im Wesentlichen folgende Erzeugnisse zum Einsatz:

  • Auffangwannen
  • Flächenschutzsysteme zum Schutz grosser Bodenflächen
  • Mobile, voll ausgestattete Gefahrstofflagermodule
  • speziell ausgerüstete Regale zur Gefahrstofflagerung
  • Gefahrstoffschränke
  • Gasflaschenschränke

Die Auswahl des geeigneten Systems erfolgt in aller Regel anhand der Sicherheitsdatenblätter, der Verpackung sowie der Lagermengen, wobei die gelagerten Gefahrstoffmengen grundsätzlich so gering wie möglich sein sollten.