Haustech 3/2019

Licht zum 
Sehen, Hinsehen 
und Ansehen

Alle Lampentypen haben ihre Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass sie richtig eingesetzt werden – auch im Büro. (Foto: zVg)
Erik Brühlmann /

Die Beleuchtung wird beim Einrichten oft stiefmütterlich behandelt oder geht schlichtweg vergessen. Dabei eröffnet sie einen grossen Gestaltungsspielraum.

Fiat lux – aber wie? Die Fachgeschäfte sind voll mit Pendel-, Steh-, Tisch- und Wandleuchten jeder Preisklasse. Wer mag, kann die Lichtquellen auch gleich in Decke und Boden versenkt montieren lassen. Im Internet und in Spezialgeschäften locken Designerleuchten zu teilweise horrenden Preisen, und welches der diversen Leuchtmittel am Markt das richtige ist, weiss man in der Regel auch nicht so genau.

Aus dem Verkehr gezogen

Die gute alte Glühbirne, die ihr Licht durch Erhitzen eines kleinen Drahts erzeugte, darf in der Schweiz seit 2012 nicht mehr verkauft werden. Sie sei zu ineffizient. Besser seien Energiesparlampen, die erst noch in die alten Gewinde passen. Diese haben allerdings ebenfalls Nachteile: Sie enthalten Quecksilber und dürfen deshalb nicht einfach in den Kehrichtsack geworfen werden. «Es muss für die Zukunft sichergestellt werden, dass ausgediente Energiesparlampen richtig entsorgt und verwertet werden», heisst es deshalb seitens des Bundesamts für Umwelt (Bafu). Soll heissen: Gibt die Energiesparlampe ihren Geist auf, muss sie zum Händler zurückgebracht werden, der sie wiederum fachgerecht entsorgen soll.

Seit dem 1. September 2018 geht es faktisch auch den meisten Halogenlampen an den Kragen, denn seit diesem Zeitpunkt sind alle Leuchtmittel mit einer geringeren Energieeffizienzklasse als B verboten. Halogenlampen haben in der Regel die Energieeffizienzklasse C oder D. Vom Verkaufsverbot ausgenommen bleiben immerhin Halogenlampen mit R7s- und G9-Fassungen, 
die mindestens Energieklasse C haben – weil es dafür noch keinen Ersatz gibt.  «Im Privatbereich kann man bei der Wahl der Leuchtmittel bereits jetzt gänzlich auf Halogenlampen verzichten», sagt die unabhängige Luzerner Lichtgestalterin Liz Hurni. Es sei absehbar, dass es immer schwieriger werde, für kaputte Halogen-Stiftlampen Ersatz zu finden.

Vor- und Nachteile von Leuchtmitteln

In der Praxis bleiben also LED-, Energiespar- und Fluoreszenzlampen, umgangssprachlich auch oft Neonröhren genannt. Alle Leuchtmittel haben ihre Vor- und Nachteile – und, richtig eingesetzt, auch ihre Berechtigung. Energiesparlampen haben eine lange Lebensdauer und sind energieeffizient, brauchen jedoch eine Weile, bis sie aufstarten. Für Treppenbereiche eignen sie sich deshalb nicht optimal.

Fluoreszenzlampen verfügen ebenfalls über eine lange Lebensdauer, sind energieeffizient und auch kostengünstig, jedoch aufgrund ihrer Länge unhandlich und vor allem nicht schön anzusehen. In Räumen wie im Keller, wo es primär nur hell sein muss, werden sie aber immer noch gern eingesetzt. LED-Lampen werden heute überall für ihre sehr hohe Energieeffizienz und sehr lange Lebensdauer angepriesen. Im Vergleich zu anderen Leuchtmitteln sind sie jedoch nach wie vor hochpreisig. «Natürlich rechnet sich die Investition durch die lange Lebensdauer mit der Zeit», sagt Liz Hurni, «allerdings muss man die Leuchtmittel ja dann bezahlen, wenn man sie kauft, und das kann schon ins Geld gehen.»

Zeit ist Licht

Noch viel grösser ist die Auswahl – und die Preisspanne – bei den Leuchten selbst. Hier empfiehlt die Expertin vor allem, sich Zeit zu lassen. Denn es nütze ja nichts, wenn die teure Designerleuchte zwar perfekt zur Einrichtung passe, jedoch nicht so leuchte, wie man es sich wünschte. Doch wie soll überhaupt eine Leuchte «richtig» leuchten? «Zunächst einmal ist die sogenannt richtige Beleuchtung eine Frage des Geschmacks», sagt Liz Hurni. «Grundsätzlich kann man sich im Privatbereich an der Dreiteilung orientieren, die Richard Kelly, der Pionier der Lichtplanung, vor über einem halben Jahrhundert etablierte: Licht zum Sehen, Licht zum Hinsehen und Licht zum Ansehen.»

Drei Arten von Licht

Die Basis für jede Raumbeleuchtung bildet das Licht zum Sehen. «Hier geht es darum, das Licht so auszuwählen, dass es die gewünschten Aufgaben übernimmt», erklärt die Expertin: «Den Arbeitsplatz oder die Leseecke ausreichend hell ausleuchten, den Esstisch so beleuchten, dass er einerseits zu gemütlichen Abenden einlädt und man andererseits daran auch seine Zeitung lesen kann und so weiter.» Mit Licht zum Hinsehen will man Highlights setzen. Hurni: «Schöne Bilder oder Skulpturen können zum Beispiel mit Spots ins rechte Licht gesetzt werden.»

Beim Licht zum Ansehen geht es einerseits um gezielte und einzigartige Lichteffekte, andererseits aber auch um das Erscheinungsbild der Leuchte, die je nach Stil perfekt auf das Interieur abgestimmt werden kann. Unter diesen Gesichtspunkten gilt es dann zu entscheiden, ob eine Pendelleuchte, ein Spot oder eine Stehleuchte den Zweck am besten erfüllt; ob das Licht eher gestreut oder gebündelt abgegeben werden soll; und ob die Lichtfarbe eher warm oder kühl sein soll. «Abraten würde ich von bunten Leuchtmitteln», sagt Liz Hurni. Der Effekt sei am Anfang vielleicht sehr spannend, nutze sich jedoch schnell ab und könne mit der Zeit sogar als störend empfunden werden. Die Lichtplanung sollte sinnvollerweise zusammen mit der Inneneinrichtung vorgenommen werden. Nachträglich kann man immer noch etwas ändern und anpassen.

Smartes Licht

Smart-Home-Anwendungen haben auch im Beleuchtungsbereich längst Einzug gehalten. Diverse Systeme wie zum Beispiel Philips Hue können sogar ohne Hilfe von Fachpersonen von allen selbst installiert werden. «Hier ist der Nachteil allerdings, dass alle Elemente des Netzwerks mit demselben System kompatibel sein müssen und man nur mit dem jeweiligen Produktpaket arbeiten kann», so Hurni. Dafür hat man anschliessend die Möglichkeit, die gesamte Hausbeleuchtung per Smartphone-App zu steuern – und das Smartphone ist ja in der Regel sowieso immer in Reichweite. Eleganter ist es natürlich, wenn die smarte Beleuchtung gleich beim Bau oder Ausbau in die Gebäudeautomation integriert werden kann. Das erweitert die Anwendungs- und Speichermöglichkeiten und hat den Vorteil, dass man die Beleuchtung über ein zentrales Panel auch noch steuern kann, wenn man das Handy im Büro vergessen hat.

Fast alles ist möglich

Beleuchtung ist ein sehr subjektives Thema. Lichtexpertin Liz Hurni empfiehlt aber generell: Weniger ist mehr. «Im Kinderzimmer muss zum Beispiel keine Designerleuchte verbaut werden – denn die Kleinen werden dies kaum schätzen», sagt sie. «Kinder haben definitiv mehr Freude an Leuchten mit Feuerwehrmännern oder Feen drauf, die man mittlerweile vielerorts günstig kaufen kann. Wenn sie älter werden, finden die Kinder dann für kurze Zeit plötzlich etwas ganz anderes cool, und das muss dann vermutlich auch nicht sündhaft teuer sein.»

Für Arbeitstische, sei es im Home Office oder im Kinderzimmer, eignen sich Tischleuchten, die bei Bedarf durch das indirekte Licht einer Stehleuchte ergänzt werden können. Ein Schlafzimmer ist mit einer Deckenleuchte und Nachttischlampen bereits gut ausgeleuchtet. «Effekte setzen, zum Beispiel mit einer dimmbaren Stehleuchte, die in einer Ecke als Eyecatcher dient und gleichzeitig ein Bild inszenieren kann, ist natürlich immer möglich.» Dezent verschiedene Stimmungen innerhalb eines Raums zu schaffen, wertet nicht nur das Wohnzimmer auf, sondern eben auch funktionale Räume wie ein Büro oder ein Schlafzimmer.

Der Leuchtkreativität freien Lauf lassen kann man in den heute so beliebten offen gestalteten Wohn-Essbereichen. Hurni: «Zum Beispiel könnte man mit einer dimmbaren Pendelleuchte den hübsch dekorierten Esstisch dezent inszenieren, während man mit seinen Gästen im ausgeleuchteten Wohnzimmer den Apéro geniesst.» Zum Essen dreht man dann den Effekt um, leuchtet den Esstisch stimmungsvoll und gut aus, während das Wohnzimmer nur noch in punktuellem oder gedimmtem Licht bleibt.

Kleine Technik, grosse Wirkung

«Licht soll Freude bereiten», sagt Liz Hurni. «Deshalb sollte man sich bei der Lichtgestaltung und beim Leuchtenkauf Zeit lassen.» Lieber begnügt man sich zu Beginn mit einer günstigen Basisvariante, bis man sich eingelebt hat und weiss, wo man welche Effekte und Stimmungen haben möchte. «Es geht nicht um möglichst viel Licht, sondern um Atmosphäre!»

Und das geht, so die Lichtgestalterin, auch mit einfachen Mitteln und wenig technischen Möglichkeiten. «In einer alten Wohnung, wo es im Wohnzimmer vielleicht nur zwei geschaltete Steckdosen und einen Deckenanschluss gibt, kann man genauso schöne Stimmungen erzeugen», sagt sie. «Es gibt tolle Deckenaufbauleuchten, die Licht-Schatten-Spiele an die Decke zaubern. Dazu könnte eine Stehleuchte mit indirektem Licht die Decke diffus aufhellen, und an der anderen Steckdose könnte eine Leseleuchte für gutes Leselicht sorgen. Mit einem einfachen LED-Streifen, der unsichtbar auf den Schrank gelegt wird, erzeugt man dann einen kleinen Zusatzeffekt.» Bei solch einfachen technischen Gegebenheiten müsse man zwar mit Kabeln am Boden leben. Doch immer-
hin kann man so mit Licht spielen, ohne gleich überall neue Kabel verlegen lassen zu müssen.