Haustech 3/2019

«Die Gesamtlösung muss im Vordergrund stehen»

Bernhard Inniger. (Foto: Peter Frommenwiler)
Simon Eberhard /

Seit zwei Jahren leitet Bernhard Inniger die Geschicke von Sauter Building Control Schweiz AG. Haustech unterhielt sich mit ihm über Trends in der Gebäudeautomation, das Marktumfeld und seine eigene Verbundenheit mit dem Unternehmen.

Herr Inniger, letzten Monat hat die Weltleitmesse ISH stattgefunden, bei der Sauter ebenfalls vertreten war. Was sind Ihre Eindrücke?

Unser Stand war sehr gut besucht, und ich habe seitens der Besucher ein grosses Interesse an unseren Produkten und Lösungen gespürt. Das Highlight war dabei sicherlich das System Modulo 6, das wir in Frankfurt als Weltpremiere präsentieren durften und Anfang nächstes Jahr im Schweizer Markt einführen werden. Es verbindet die klassische Gebäudeautomationswelt mit Cloud-Lösungen und IoT. Wir haben sehr positive Reaktionen erhalten, von Kunden, aber auch von Mitbewerbern.

Mit 190 000 Besuchern und über 2500 Ausstellern war die ISH auch dieses Jahr wieder 
gut besucht. In der Schweiz musste hingegen die Ineltec abgesagt werden. Setzt ihr Unternehmen auch in Zukunft auf Messen?

Ja, aber nur punktuell. Die Ineltec, wo wir 2017 mit einem kleinen Stand vertreten waren, stand für uns nicht im Fokus. Hingegen werden wir sicherlich wieder an der Swissbau präsent sein. Natürlich geht es an einer Messe heute nicht mehr nur darum, Produkte zu präsentieren, denn dies ist auch auf andere Arten möglich. Hingegen spielt das Networking nach wie vor eine wichtige Rolle. Ich bin überzeugt, dass eine Fachmesse zumindest im B2B-Bereich nach wie vor eine Bedeutung haben wird. Den Schritt, die gesamte Gebäudetechnik und die Gebäudesicherheit in die Swissbau zu integrieren, erachte ich als sehr sinnvoll, da durch die Digitalisierung die unterschiedlichen Gewerke immer mehr zusammenwachsen.

Sie sprechen die zunehmende Vernetzung 
der Systeme an. Was bedeutet dies für die Gebäudeautomationsbranche?

Dadurch, dass sich Cloud-Lösungen immer stärker durchsetzen, verschmilzt die klassische Netzwerkinfrastruktur der Gebäudeautomation immer mehr mit der IT. In diesem Zusammenhang gewinnt auch das Thema Sicherheit zunehmend an Bedeutung, also die Frage, wie man sich am besten vor Cyberangriffen schützt. Im Netzwerkprotokoll BACnet ist so beispielsweise der Standard BACnet SC in Vorbereitung.  Dieser führt die in der IT-Welt schon längst etablierten Sicherheitsstandards ein. Die Kommunikation unter den Automationsstationen wird verschlüsselt abgewickelt, und ein sogenannter BACnet SC Hub sorgt für die Authentifizierung der Netzteilnehmer mittels Zertifikaten.

Ihr Unternehmen setzt seit Jahren auf BACnet. Weshalb?

Als international tätiges Unternehmen sind wir daran interessiert, einen internationalen Standard einzusetzen. BACnet hat sich heute auch in der Schweiz sehr gut etabliert. War anfänglich noch eine gewisse Skepsis vorhanden, ist es heute ein anerkannter Standard für öffentliche Gebäude und wird sogar in den KBOB-Richtlinien empfohlen. Ein weiterer Vorteil besteht durch die zahlreichen Integrationsmöglichkeiten. Es vereinfacht uns also auch in der Systemintegration das Leben. Natürlich werden daneben auch andere Protokolle wie OPC UA oder MQTT immer wichtiger, und wir müssen diese in unserem System integrieren. In Modulo 6 beispielsweise haben wir alle diese Trends berücksichtigt.

Gerade im Bereich Gebäudeautomation und Smart Building drängen vermehrt auch branchenfremde Player wie Google oder Amazon in den Markt. Sehen Sie diese nun 
als Chance oder als Gefahr?

Eher als Chance. Ein Beispiel: Wir haben kürzlich einen IoT-Controller im Bereich Raumautomation auf den Markt gebracht, der mit Sprachbefehlen – in diesem Fall Alexa von Amazon – kommuniziert und das Prinzip für die Gebäudeautomation nutzt. Ich glaube nicht, dass sich Google und Amazon so tief in die Technologie begeben und irgendwann selbst Automationssysteme bauen werden. Ich bin überzeugt, dass es trotz allem noch spezifische Produkte brauchen wird, genauso wie das Know-how, das gerade bei komplexen Bauten nötig ist, um Gebäudeautomationsprojekte umzusetzen.

Apropos Know-how: Inwiefern spüren Sie 
als Unternehmen den derzeitigen Fachkräftemangel?

Sehr stark. Wir haben Schwierigkeiten, genügend Fachpersonal zu rekrutieren, gerade in der Gebäudeautomation, wo man das Personal nicht auf der -Strasse findet. Hier müssen wir meistens Elektriker, Automatiker oder Gebäudetechniker entsprechend schulen. Das Problem dürfte in Zukunft wohl noch an Dringlichkeit gewinnen, es dürfte schwierig werden, alle unsere altersbedingten Abgänge zu kompensieren. Wir versuchen dem entgegenzutreten, indem wir einerseits selber Lernende als Gebäude-
automatiker ausbilden. Zudem engagieren wir uns im Rahmen der Fachverbände für gute Ausbildungen im Bereich Gebäudeautomation.

Sie selbst sind ein «Urgestein». Abgesehen 
von einer vierjährigen Pause in einem anderen Unternehmen arbeiten Sie seit 1992 in verschiedenen Funktionen für Sauter. Was macht das Unternehmen für Sie zu etwas Besonderem?

Ich schätze insbesondere die kurzen Wege innerhalb des Unternehmens. Das war bereits so, als ich 1992 als Projektleiter hier begonnen habe. Wenn ich ein Anliegen hatte, konnte ich mich schon damals direkt an den Schweizer Geschäftsführer wenden und wurde angehört. Das Unternehmen hat mir zudem Perspektiven und Chancen geboten, die ich habe nutzen können. Dadurch entstand eine Verbundenheit mit dem Namen Sauter. Er steht für mich für ein Traditionsunternehmen, das auf Qualität und Lang-
lebigkeit setzt, aber auch immer wieder mit neuen Innovationen Trends setzen kann.

Wie haben sich das Unternehmen und das Umfeld in diesem Vierteljahrhundert verändert?

Sauter war damals ein Familienunternehmen und ist es heute immer noch. Damals waren die Aktionäre teilweise noch im operativen Bereich tätig, was heute nicht mehr der Fall ist. Die Inhaber haben gerade im letzten Jahr zum wiederholten Mal das Ziel bekräftigt, dass Sauter auch in Zukunft ein Schweizer Unternehmen bleiben soll. In den vergangenen 25 Jahren hat ein grosser technologischer Wandel stattgefunden, denken wir nur an die IT oder das Internet. Die neuen Technologien hatten auch unmittelbare Auswirkungen auf die GA-Branche, was auch unsere Produkte und Systeme grundlegend verändert hat. Und natürlich war da noch die Eurokrise, die dazu geführt hat, dass wir einen Teil der  Produktions-
stätten in den Euroraum verlagert haben. Dies waren sehr schmerzhafte Anpassungen, die für die betroffenen Personen sehr  schwierig waren – aber rückblickend betrachtet war dies für das langfristige Überleben des Unternehmens ein unerlässlicher Schritt.

Mitten in dieser bewegten Zeit, Anfang 2017, haben Sie die Führung von Sauter Building Control Schweiz AG übernommen. Wie haben Sie die ersten zwei Jahre im Amt erlebt?

Grundsätzlich sehr gut, auch wenn der Start recht anspruchsvoll war. Die Sauter Building Control Schweiz AG war nicht direkt von den angesprochenen Veränderungen betroffen, trotzdem mussten wir die Organisation dem veränderten Marktumfeld anpassen. Heute befinden wir uns aber in einer guten Position und können zuversichtlich in die Zukunft schauen. Eines der Highlights meiner bisherigen Amtszeit ist der Roche-Bau 2, den wir letztes Jahr haben gewinnen können und der uns zumindest für die nächsten paar Jahre in den Auftragsbüchern eine gewisse Grundlast geben wird. Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Marktposition weiter festigen können. Wir legen dabei aber den Fokus auf den Ertrag und nicht auf das Volumen. Wir wollen nicht Umsatz bolzen um jeden Preis.

Was ist Ihre Vision für die nächsten Jahre, welche Trends sehen Sie auf das Unternehmen zukommen?

Wir verfolgen das Ziel, ein Lösungsanbieter zu sein, der unsere Kunden über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes begleitet. Unsere Produkte und Systeme sind dabei Teil einer Gesamtlösung, die für den Kunden einen Mehrwert generieren sollen. Diese müssen sich zukünftig nahtlos in das Internet of Things (IoT) einbetten, Cloud-Technologien werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Weiter setze ich einen Fokus darauf, mit Kunden auf einer partnerschaftlichen Basis langfristig zusammenarbeiten zu können, bei der nicht nur der Preis als Vergabekriterium ausschlaggebend ist, sondern der Nutzen und die Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Systems betrachtet werden.

Weg vom reinen Kostendenken also – ist dies Ihr Wunsch an die Branche?

Ja. Ich erhoffe mir, dass vermehrt auch die Qualität und die Nachhaltigkeit der Lösungen im Fokus stehen und nicht nur der reine Preis. Ein weiterer Punkt betrifft die – oft selbst verschuldete – Hektik, die auf dem Bau herrscht. Hier wünsche ich mir, dass die Akteure zuerst denken, dann handeln. Schliesslich sollte ein Bauprojekt ein Miteinander statt ein Gegeneinander sein, so entstehen die besten und nachhaltigsten Lösungen.