Haustech 1/2018

«Die Ansprüche sind gestiegen»

Rudolf Pfander. (Bild zVg)
Simon Eberhard /

Die heute beginnende Swissbau ist die grösste Messe der Schweizer Bauwirtschaft. Haustech unterhielt sich vorab mit dem Messeleiter Rudolf Pfander über die Highlights der bevorstehenden Messe, seine persönlichen Herausforderungen sowie den Wandel im Messewesen.

Haustech: Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld hat kürzlich kommuniziert, künftig nur noch halb so gross zu sein. Ist bei der Swissbau eine ähnliche Entwicklung zu erwarten?

Rudolf Pfander: Das würde ich nicht sagen. Die Baselworld ist eine Weltmesse für Uhren und Schmuck, wo sich mit der Digitalisierung natürlich auch die Vertriebskanäle 
geändert haben. Wir hingegen sind eine nationale Messe zum Thema Bauen und Materialien. Baumaterialien anzuschauen, anzufassen, die Oberflächen zu spüren, das ist auch heute noch wichtig. Natürlich sind durch die digitalen Kanäle gewisse Verlagerungen feststellbar. Die Stände werden kleiner, man will sich fokussieren und konzentrieren, zeigt also vielleicht nicht mehr alle Produkte, sondern nur noch Neuheiten. Wichtig ist dabei auch der Austausch, der eine solche Messe ausmacht.

Sie wandelt sich so also immer mehr zur Begegnungsplattform?

Genau. Wir sind eine Live-Marketing-Plattform, und das versuchen wir als Veranstalter auch vorzuleben. Schon 2010 haben wir in Zusammenarbeit mit den Ausstellern mit Inszenierungen begonnen. Beispielsweise haben wir die Trendwelten Bad und Küche lanciert, 2012 die Veranstaltungs- und Netzwerkplattform Swissbau Focus ins Leben gerufen. So wollen wir für Aussteller wie auch Besucher einen Mehrwert generieren.

Trotzdem verzichten dieses Jahr einige grosse Firmen aus Kostengründen auf einen Swissbau-Auftritt.

Das stimmt. Ich bin mir bewusst, dass eine Messebeteiligung für Aussteller aufwendig ist, nicht nur finanziell, sondern auch bezüglich der Ressourcen. Im Gegenzug versuchen wir ihnen eine Topleistung zu bieten. Ich sehe unsere Rolle als Dienstleister mit dem Ziel, für jeden Aussteller das Maximum für seinen Auftritt rauszuholen. Tatsächlich wird an einer Messe heute nicht mehr verkauft, so hängt sehr viel davon ab, wie ein Aussteller diese fünf Tage für sich am besten nutzt. Hier können wir Beratung und Unterstützung bieten. Am Ende sind wir nur zufrieden, wenn auch der Aussteller zufrieden ist.

Wie positioniert sich die Swissbau im Hinblick auf die Zielgruppe?

Wir positionieren uns klar als Fachmesse mit Publikumsanteil. Gewisse Sektoren der Swissbau haben auch die Privatpersonen als Zielgruppe, weil diese wichtige Entscheidungsträger sind. Insofern müssen wir diesen Spagat zwischen Fach- und Publikumsmesse machen, das wird von einigen Ausstellern auch klar erwartet.

Eine Innovation der Swissbau 2018 ist die Innovation Lab. Was erwartet dort die Besucher?

Diese Sonderschau von rund 2000 Quadratmetern haben wir mit verschiedenen Partnern, allen voran dem Verband Bauen Digital Schweiz, entwickelt. Sie umfasst zwei Teile: Im Ausstellungsteil präsentieren rund 50 Hersteller, Planer und Verbände ihre digitalen Lösungen. Im zweiten Teil, dem «iRoom», können die Besucher in einer rund 20-minütigen Führung in die digitale Erlebniswelt eintauchen. Sie erleben dort, wie in naher Zukunft Gebäude geplant, gebaut, betrieben und genutzt werden. Der digital inszenierte Raum demonstriert, was die Digitalisierung in der Baubranche für Chancen bietet und zeigt interdisziplinär auf, was in den nächsten Jahren realistisch sein könnte.

In welche Richtung wird es gehen?

Das Motto der diesjährigen Swissbau lautet: «Collaboration – alle zusammen oder jeder für sich?». Unsere Antwort darauf: Es geht nur zusammen. Die Baubranche wird sich verändern, es wird einen Paradigmenwechsel geben. Ein Gebäude wird schon mit dem digitalen Zwilling in Betrieb genommen werden, bevor es überhaupt erbaut ist. Deshalb ist es unerlässlich, von Beginn weg zusammen am gleichen Plan zu arbeiten, sich miteinander auszutauschen über die einzelnen Gewerke hinweg.

Bei Swissbau Focus sind insgesamt über 70 Veranstaltungen geplant. Was sind – neben der Digitalisierung – die weiteren Topthemen der diesjährigen Messe?

Da sind unter anderem die Energiestrategie 2050, Raumplanung, der Generationenwechsel und damit verbunden die Aus- und Weiterbildung zu nennen. Wir führen diese Veranstaltungen mit rund 30 Partnern durch, Verbänden, Branchenpartnern, Organisationen, Institutionen und Hochschulen. Dabei übernehmen wir die Rolle des Kurators, das heisst, wir stellen die Plattform zur Verfügung, damit diese Partner ihren einzigartigen Content kreieren können und damit die ganze Bandbreite abdecken, welche die Bauwirtschaft interessiert – vom Planer über den Handwerker bis hin zum Investor und Eigentümer.

Sie selbst sind seit 2006 für die Swissbau verantwortlich. Was hat sich in diesen 12 Jahren aus Ihrer Perspektive verändert?

Die Ansprüche seitens der Aussteller und Besucher sind sicher gestiegen. Gleichzeitig haben auch wir uns weiterentwickelt. Vor 15 bis 20 Jahren waren wir nur Abwickler, heute sind wir auch in die Rolle des Entwicklers geschlüpft. Die Tatsache, dass wir eine Mehr-Branchen-Messe sind, beinhaltet Chancen, aber auch Risiken. Ein Küchenhersteller hat beispielsweise ganz andere Ansprüche und Zielgruppen als ein Heizungshersteller. Dies unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach – doch genau darin sehe ich auch meine Mission: den Ausstellern zu zeigen, dass wir die einzige Messe sind, die einen interdisziplinären Austausch ermöglicht.

In welche Richtung wird sich die Messe in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Es wird sicherlich eine grössere Konzentration stattfinden, die grossen Produktschauen werden abnehmen. Doch ich spüre immer noch, dass die Swissbau vielen Firmen sehr wichtig ist. Dementsprechend werden wir die Messe im engen Austausch mit den Ausstellern weiterentwickeln. Meine Aufgabe sehe ich darin, zu steuern und die Menschen zusammenzubringen, die Interessen zu kumulieren und neue Chancen zu orten. Das ist der Mehrwert, den wir auch künftig den Besuchern und Ausstellern bieten wollen: eine Kontakt-, Austausch- und Netzwerkplattform, wo nicht nur Produktneuheiten präsentiert werden, sondern wo man auch die neuesten Trends live erleben und diskutieren kann.