Haustech 3/2018

«Wir glauben an 
die Elektrifizierung»

Reto Steinmann. (Bild: Feller AG)
Simon Eberhard /

Die Feller AG ist Marktführerin im Schweizer Elektroinstallationsmarkt. Haustech unterhielt sich mit dem COO Reto Steinmann über die Chancen und Herausforderungen, die die Digitalisierung für sein Unternehmen bietet.

Haustech: In der Öffentlichkeit ist die Feller AG vor allem bekannt für ihre Lichtschalter. Der Trend geht aber immer mehr in Richtung Software und vernetzte Lösungen. Wie geht Ihr Unternehmen mit diesem Veränderungsprozess um?

Reto Steinmann: Wir versuchen, uns auf unsere Kunden und die Marktbedürfnisse auszurichten und tätigen dabei die entsprechenden Investitionen. Neben unserem Kernsortiment, den elektromechanischen Produkten, entwickeln wir seit bereits über 20 Jahren auch Elektronik. Und zu jeder Elektronik braucht es Software. Mit vernetzten Lösungen erhält die Software eine wachsende Bedeutung. Wir sind daran, unser Lösungsangebot im Bereich Connected Home, also Haussteuerung, Energiemanagement, Home Entertainment und Sicherheit kontinuierlich auszubauen.

Die Konkurrenz auf dem Markt wächst, vermehrt drängen auch branchenfremde Anbieter in den Smart-Home-Markt. Wie gehen Sie damit um?

Wenn grosse Player wie Google, Apple, Philips, Samsung oder Amazon in den Markt eintreten, können sich die Schweiz und auch wir als Unternehmen nicht verschliessen, sondern wir müssen einen Weg finden, damit umzugehen. Unser Ansatz ist dabei nicht die Abwehr, sondern die Nutzung von solchen Trends.

Inwiefern?

Unternehmen wie Apple oder Amazon bieten riesige globale Plattformen, die letztendlich früher oder später über Smartphone oder Tablets vom Endkonsument genutzt werden. Die Technologie erreicht also den Konsumenten. Doch der ergänzende Teil in der Hausinstallation ist noch nicht gegeben. Da braucht es eine professionelle Installationstechnik. Hier sind wir überzeugt, eine wichtige Rolle spielen zu können.

Können Sie dies genauer erläutern?

Wir kennen die Bedürfnisse des Marktes und der Kunden, die Installationsgewohnheiten sowie die Normen und Standards auf der Hardwareseite. Wir sorgen dafür, dass die Hardware «connected» oder «ready to be connected» ist. Rund 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung beanspruchen einen Fachmann, wenn es um Elektroinstallationen geht. Und das ist richtig so, denn der Umgang mit elektrischen Produkten kann lebensgefährlich sein. Es geht um die Einhaltung von Normen zum Schutz für Mensch und Umwelt. Elektroinstallation muss auch in Zukunft vom Fachmann ausgeführt werden.

Gilt dies auch für Smart-Home-Lösungen?

Ja. Stand-alone-Smart-Home-Lösungen, die mit Plug & Play funktionieren, sind zwar trendig und schön, sind aber nicht ein Teil einer langfristigen und nachhaltigen Gesamtlösung. Daher glauben wir, dass auch in Zukunft die Konsumenten eine professionelle Infrastruktur beanspruchen wollen, denn erst eine ganzheitliche Smart-Home-Installation ermöglicht es langfristig, Energieeffizienz, Kostenersparnisse und Komfort zu vereinigen. Dort sehen wir dann auch sehr grosse Chancen für uns. Mit der sogenannten «Eco Struxure»-Plattform, die wir zusammen mit unserem Mutterhaus Schneider Electric mitentwickelt haben, bieten wir ein zukunftsfähiges Konzept an, intelligente Gebäude von morgen zu gestalten.

Wie sieht dieses Konzept aus?

Eco Struxure ist eine offene, kompatible, IoT-fähige Plattform. Sie beinhaltet drei Ebenen. Die erste Ebene sind «Connected Products». Das heisst: Alle neuen Geräte, die wir auf den Markt bringen und eine elektrische Funktion haben, erhalten eine IP- oder Mac-Adresse, damit sie untereinander kommunizieren können. Die nächste Ebene ist die sogenannte Middleware, der lokale Controller, die alle Geräte überwacht, steuert und sichert. Intern nennen wir dies auch «Edge Control». Auf der dritten Ebene schliesslich werden alle Daten zusammengeführt, analysiert und ausgewertet. Diese Daten bilden dann die Basis für die Entwicklung von neuen Lösungen und Services.

Das Stichwort «Daten sammeln» weckt bei vielen Menschen Bedenken bezüglich Sicherheit und Datenschutz. Wir gewährleisten Sie diese?

Die Cyber-Security ist natürlich ein riesiges Thema. Mit Schneider Electric und Microsoft sind wir ein globales Joint Venture eingegangen, in dem wir entsprechende Plattformen entwickeln, um die Sicherheit zu gewährleisten. Allerdings gibt es derzeit auch noch sehr viele Fragezeichen, insbesondere, was die Gesetze betrifft. Auf europäischer Ebene tritt ab 28. Mai 2018 die Datenschutz-Grundverordnung (GDPR) in Kraft. In der Schweiz wiederum wissen wir noch nicht genau, was im Datenschutzgesetz auf uns zukommt. Der ganz grosse Crash in unserem Bereich ist bislang glücklicherweise ausgeblieben, doch wir widmen diesem Thema in den nächsten Jahren weiter grosse Aufmerksamkeit.

Nicht nur bei der Sicherheit, auch im Energiebereich wird sich mit dem neuen Energiegesetz einiges ändern. Wie wirkt sich das auf Ihr Unternehmen aus?

Die Energiestrategie 2050 ist ein wichtiger Schritt, den die Schweizer Bevölkerung vergangenes Jahr eingeleitet hat. Wir glauben an die Elektrifizierung. Wenn man sich vor Augen führt, dass in der Schweiz nur rund 25 Prozent des gesamten Energiebedarfs mit Elektrizität abgedeckt wird, ergibt sich hier ein riesiges Potenzial und damit auch Bedarf an neuen Lösungen. Im Gebäudebereich ergeben sich auf allen Stufen grosse Herausforderungen für das Energiemanagement. Wir sind überzeugt, dass hier ein riesiger potenzieller Markt besteht, gerade für Planer und Installateure.

In diesem Zusammenhang ist oft vom Fachkräftemangel die Rede. Inwiefern spüren Sie diesen?

Bis heute können wir die meisten offenen Stellen besetzen. Gleichzeitig engagieren wir uns direkt oder auch über Verbände, innerhalb der Lehrlingsausbildung und Nachwuchsförderung. So stellen wir Räumlichkeiten für die Lehrabschlussprüfung oder für die Vorbereitung der  Berufsmeisterschaften Swiss-, Euro- und World Skills zur Verfügung und bieten vielfältige EDUQA-zertifizierte Ausbildungsprogramme für Installateur- und Elektroplaner an – gerade auch für das Zukunftsthema Smart Home. Zudem betreiben wir ein aktives Employer Branding, indem wir uns beispielsweise bei Universitäten und Fachhochschulen positionieren.

Seit 1992 ist Feller ein Tochterunternehmen von Schneider Electric. Wie positionieren Sie sich als Traditionsunternehmen innerhalb dieses Grosskonzerns?

Schneider Electric ist ein weltweit tätiger Konzern für Energiemanagement und Automation und ist als IoT-Pionier bereits weit fortgeschritten in der Digitalisierung. Davon profitiert unser Traditionsunternehmen auf vielfältige Weise, etwa bei der Entwicklung von Software- und Hardware-Plattformen, die ja in allen Ländern gleich funktionieren müssen. Unser Bereich – die Elektroinstallation – ist hingegen stärker national ausgerichtet, auch historisch bedingt.

Wie tragen Sie dieser Tatsache Rechnung?

Indem wir uns auf die lokalen Märkte und Kunden ausrichten und hierzulande mit der bestens verankerten Marke Feller auftreten. Wir kennen die Schweizer Installationsnormen, aber auch Gewohnheiten und Anforderungen unserer Branche. Unsere Produkte sind inkompatibel mit denjenigen aus Deutschland oder dem umliegenden Europa. Wir entwickeln, produzieren und verkaufen daher in der Schweiz. Feller bleibt so ein integriertes, eigenständiges Unternehmen. Auf der anderen Seite nutzen wir eben die globalen Hardware- und Software-Plattformen und adaptieren sie auf die nationalen Bedürfnisse.

Sie persönlich arbeiten bereits seit 17 Jahren in unterschiedlichen Funktionen bei Feller wie auch bei Schneider Electric. Was hat sich seither im Markt verändert?

Zunächst hat sicherlich die Bedeutung des E-Commerce zugenommen. 60 bis 70 Prozent unserer Produkte werden heute elektronisch bestellt, über Grosshändler, mit denen wir zusammenarbeiten. Im internationalen Vergleich ist die Schweiz hier sehr weit: In Frankreich liegt dieser Anteil derzeit bei höchstens 15 Prozent, in Skandinavien bei 45 bis 50 Prozent. Weiter hat in den vergangenen Jahren die Komplexität der Systeme zugenommen. Elektrische Produkte, Bus-Systeme und Smart-Home-Lösungen haben wir bereits vor 20 Jahren angeboten. Jedoch wird heute nicht mehr nur auf die technischen Faktoren geachtet, sondern viel stärker darauf, ob das Produkt für die Konsumenten nachvollziehbar, verständlich und ergonomisch intuitiv ist.

Was hat das für Folgen für Ihr Geschäft?

Letztendlich versuchen wir Lösungen zu finden, die den Markt- und Kundenbedürfnissen entsprechen. Wenn wir von unseren Kunden sprechen, meinen wir damit einerseits Planer und Installateure, andererseits aber auch unsere Partner, die Grosshändler und natürlich die Investoren und Konsumenten, also die Nutzer. Wenn wir als Unternehmen erfolgreich sein wollen, müssen wir dafür sorgen, dass die Planer und Installateure in der Verwendung unserer Produkte erfolgreich sind – indem wir eben Lösungen bieten, die Fachleute dabei unterstützen, den Wandel erfolgreich zu bewältigen.