Wiederbelebter Luxus vergangener Tage

Empfangsbereich und Lobby des neuen Hotels Atlantis. (Photo: Giardino Hotel Group)
Michael Rissi /

Eine «Hotel-Ikone der 70er-Jahre», in der einstmals Grössen wie Muhammad Ali oder Steve McQueen genächtigt haben, erlebt die Wiedergeburt. Die Substanz des Baus aus den späten 60er-Jahren musste dabei erhalten bleiben. Gleichzeitig sollte das neue Hotel Atlantis höchsten Ansprüchen der Gäste aus aller Welt genügen. Eine Aufgabe, die vom international aufgestellten Projektteam viel abverlangte.

Es ist ein spezieller Ort für ein Hotel, diese Lage im Grünen, direkt am Fuss des Üetlibergs und doch nur 15 Tramminuten von Zürichs Stadtzentrum entfernt. Mitten in einem Wohn- gebiet und umgeben von einer Freihaltezone steht das Hotel Atlantis. Seit Dezember 2015 erstrahlt es mit seinen 95 Zimmern und Suiten in neuem Glanz.

Das Atlantis wurde bis 2003 als Hotel geführt. Später stand es mehrere Jahre lang leer, zwischendurch wurde die ehemals noble Herberge als Asylunterkunft genutzt, bevor es kurzzeitig als Unterkunft für Studentinnen und Studenten diente. Die Auflagen für den Neuanfang als luxuriöses «Urban Retreat» waren umfangreich. Denn das Atlantis gilt als «wichtiger Zeuge der Nachkriegsmoderne in Zürich». Der Bau steht deshalb unter Substanz-Schutz; Eingriffe in die Grundstruktur waren kaum möglich. Mit besonderer Sorgfalt hatten die verantwortlichen Generalplaner und Architekten der Monoplan AG bei der Detailplanung von Elementen wie der Fassade, bei Brüstungen oder den Dachaufbauten vorzugehen. Anpassungen mussten zudem mit der Denkmalpflege abgesprochen werden.

Technik und Design

In den vergangenen gut fünfzig Jahren veränderten sich die Gästeansprüche an ein modernes Hotel ebenso wie die Auflagen in den Bereichen Sicherheit oder Energieeffizienz von Gebäuden. Dass die Schweiz zusätzlich anspruchsvoll in der Einhaltung von Vorschriften ist, stellen selbst weitgereiste und erfahrene Hotelplaner fest. Hotels in Dubai oder New York gleichen sich diesbezüglich eher als deren «Schweizer Ausgabe», wo Auflagen meist bis ins Detail ausformuliert sind. Der Detaillierungsgrad, die Regeldichte und nicht zuletzt die Qualitätsansprüche an die Sicherheitsanlagen forderten nochmals ein Quäntchen mehr von allen Beteiligten.

Die Koordination, die Unterbringung und die Anordnung der Technik im vorhandenen Bestand waren denn auch sehr anspruchsvoll, gerade in Bezug auf den Brandschutz. Die Doppeldecken in den Korridoren der Fluchtwege beispielsweise müssen erhöhten Anforderungen genügen. Die Leitungsführung der sicherheitsrelevanten elektrischen Installationen mussten deshalb konsequent in der obersten Lage angeordnet werden, damit im Brandfall der Funktionserhalt der Anlagen und Systeme garantiert ist. Vom Anker bis zum Dübel und zum Kabel musste das System geprüft und als Einheit abgenommen werden. Moderne Spa-Räumlichkeiten für das ausgiebige Verwöhnprogramm finden sich künftig selbstverständlich auch am Fusse des Üetlibergs. Dort stellten insbesondere die Installationen und die Dauerhaftigkeit der Anlagen im Solebad eine Spezialität für die planenden Elektroingenieure dar, hinzu kam eine Vielzahl an strengen Sicherheitsauflagen.

Flexibel bleiben

Die Zimmer im Atlantis sollen höchsten ästhetischen Ansprüchen genügen. Die notwendigen technischen Anforderungen an den Komfort und die Sicherheit ver-langten von den Planern bereits in der Konzeptphase besondere Anstrengungen, damit die Sicherheitstechnik unsichtbar und doch regelkonform installiert ist und die Zimmertechnik bequem und einfach bedient werden kann.
Wer in modernen Hotels der Spitzenklasse residiert, merkt auch schnell, dass so manches wie von Geisterhand gesteuert geschieht. Betritt man das Zimmer, so wird automatisch eine Lichteinstellung gewählt und im TV wird das entsprechende Senderprogramm hochgeladen.

Die potenziellen Gäste von heute kommen aus verschiedensten Ländern rund um den Globus. Ihr kultureller Hintergrund bringt auch unterschiedliche Erwartungen an die Räume, deren Funktionalität oder Sicherheitsstandards mit sich, was die Aufgabenstellung auch für die künftigen Hotelbetreiber anspruchsvoll macht. Zudem ist in der frühen Planung oftmals nicht bekannt, wer das Hotel einst betreiben und in welchem Sternebereich es angesiedelt werden soll. Ohne weitsichtige Planung, ohne Flexibilität und das Denken in Alternativen sind langfristig kluge Planungsentscheide kaum möglich, die grösstmögliche Flexibilität zulassen und auch die Kosten im Blick behalten. Wie weit das geht, zeigt das kleine Beispiel der Fernseher in den Gästezimmern, deren Diagonale für den jeweiligen Sterne-Bereich genau vorgeschrieben sind. Details wie diese müssen durch die Planer berücksichtigt werden, gerade weil der Fernseher, das WLAN-Modul oder die Bedieneinheiten (Lichtschalter, Outlets usw.) später perfekt ins Interieur-Konzept passen müssen. Nicht minder vielfältig und unterschiedlich können die Anforderungen im Bereich AV-Technik in den öffentlichen Bereichen sein; fast alles ist denkbar, aber nicht zwingend sinnvoll.

Der vollständige Artikel ist in der Haustech-Ausgabe 1-2/2016 erschienen.