Von der Piste in die Sonnenstube

Einzig die Solardächer verraten das ambitionierte Energiekonzept der Siedlung. (Photo: Nikolaus Loretan)
Michael Staub /

In Blatten-Belalp hat die Schweizer Reisekasse (Reka) ein Feriendorf gebaut. Dabei wurde die konsequente Nutzung der Sonnenenergie für Strom- und Wärmeproduktion mit einem Erdspeicher verbunden. Was sich im Mittelland bereits bewährt hat, wird so erstmals auf den alpinen Raum übertragen.

Nach einem Tag an frischer Bergluft braucht der Mensch Wärme. Im neuen Reka-Feriendorf Blatten-Belalp stammt diese zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen. Das Wasser für heisse Duschen und warme Heizkörper liefern Wärmepumpen, die an einen Erdspeicher angeschlossen sind. Der Strom für Wärmepumpen, Kochherde und Raclette-Öfeli kommt aus den dachinte­grierten Solarmodulen oder aus dem Trinkwasserkraftwerk Naters. Bis zu 56 000 Logiernächte pro Jahr sind für die neue Siedlung vorgesehen. Mit deren Energiebilanz, die vollständig aus Erneuerbaren besteht, setzt die Reka den Weg zu ihren 2012 verabschiedeten Nachhaltigkeitszielen fort. «Beim Bauen streben wir den SIA-Effizienzpfad Energie an. Bis 2020 wollen wir 70 Prozent der eingesetzten fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energieträger ersetzen und nur noch zertifizierten Ökostrom verwenden», erläutert Roger Seifritz, Direktor der Reka. Bereits vor 2012 habe man in Disentis und Urnäsch je ein Feriendorf auf Minergie-Standard gebaut. Derzeit evaluiert die Reka mögliche Standorte am Bodensee, in der Drei-Seen-Region und am Genfersee.

Das neue Feriendorf umfasst neun Gebäude, die nach Süden orientiert sind. Volumetrie und Materialisierung der Bauten beziehen sich auf die alte Dorfstruktur, die versetzte Anordnung erlaubt grosszügige Ausblicke auf die Bergwelt und macht den natürlichen Terrainverlauf erkennbar. «Bei den sieben Wohngebäuden beziehen wir uns mit der Holzfassade auf die Walliser Bautradition; die beiden Gemeinschaftsgebäude unterstreichen mit ihrer Steinfassade den halböffentlichen Charakter», erläutert Christian Gerold, zuständiger Architekt bei der Albrecht Architekten AG in Brig. Die Vorgabe energieautarker Bauten habe die Architektur weder beeinträchtigt noch markant beeinflusst: «Das einzige optische Merkmal sind die Solarmodule auf den Dächern.»

Sonne im Tank

Blatten liegt auf der Südflanke des Rhonetals und verzeichnet bis zu 300 Sonnentage pro Jahr. Diese beträchtliche Energiemenge wird dank der verbauten Photovoltaik-Solarthermiekollektoren (PVT) gleichzeitig für die Strom- und Wärmeproduktion genutzt. Die thermische Energie wird entweder direkt für die Heizenergie verwertet oder in den Erdwärmespeicher eingebracht. Dieser ist mit insgesamt 31 Erdsonden erschlossen. In einer Tiefe von rund 150 Metern besitzt das Erdreich in Blatten eine konstante Temperatur von etwa 12 Grad. Der Wärmeentzug von zirka 340 000 KWh/a wird mit einer Wärmezuführung von rund 350 000 KWh/a leicht übertroffen. Damit soll das bekannte Risiko einer langfristigen Temperatursenkung und damit Vereisung der Sonden vermieden werden. Das Gesamtsystem wurde mit umfangreichen Simulationen geprüft, diese bescheinigen eine hohe Betriebssicherheit für die nächsten Jahrzehnte. Zudem installierte man ein ausgeklügeltes Energiemonitoringsystem, das Erkenntnisse für ähnliche Energiekonzepte liefert.

Der vollständige Artikel ist in der Haustech-Ausgabe 3/2015 erschienen.