«Uns geht es um die Schnittstellen»

(Photo: Franz Lenz)
Franz Lenz /

Wenn es den Verband GebäudeKlima Schweiz (GKS) nicht geben würde, müsste er dringend gegründet werden, sagt Geschäftsführer Konrad Imbach und erklärt, warum. Zweck und Tätigkeit seien für die Öffentlichkeit eher wenig erkennbar, von den Resultaten profitierten aber alle.

Haustech: Angenommen, es gäbe GebäudeKlima Schweiz nicht, müsste man den Verband heute dringend gründen und wenn ja, warum?

Konrad Imbach: Aus unserer Sicht müsste man GebäudeKlima Schweiz unbedingt gründen, denn es braucht eine Stimme, die die Hersteller und die Industrie vertritt. Vor GKS hat es dies in dieser Form und Breite der Produkte nicht gegeben. GKS ist ja eigentlich eine Weiterentwicklung von Procal. Diese war eine Arbeitsgemeinschaft von Unternehmern, die vorwiegend Produkte für die Energieträger Öl und Gas herstellten und vertrieben. Alle diese Firmen haben sich dem Markt angepasst und weiterentwickelt. Heute treten sie als Systemanbieter auf und führen zusätzlichProdukte der Solartechnik sowie Wärmepumpen, Komfortlüftungsgeräte und Klimageräte im Sortiment. Zu unseren rund 30 Mitgliederfirmen gehören auch die drei grossen Umwälzpumpenhersteller. Einen Verband in dieser Breite gab es vorher nicht.

Wer profitiert von der Arbeit von GebäudeKlima Schweiz und an wen richtet sich die erwähnte«Stimme»?

Unser Zielpublikum sind einerseits die Partnerverbände, sprich Fachverbände, aber auch Behörden und Politiker und nicht zuletzt die Fachmedien. Wir versuchen Verbindungen aufzubauen, um ein gemeinsames Vorgehen zu definieren. Zum Beispiel erarbeiten wir Rahmenbedingungen für unsere Mitglieder gemeinsam mit den entsprechenden Bundesämtern. Eingrosses Anliegen ist auch der fachtechnische Nachwuchs, die qualifizierten Mitarbeiter. Um das geht es uns, wir werben nicht für einzelne Produkte oder Konzepte. Wir sind aber keine Lobbyorganisation, welche die Politiker in der Wandelhalle bearbeitet. Für unsere Ziele braucht es einfach Knochenarbeit. Wir wollen mithelfen, dass Vorschriften, die auf uns zukommen, sinnvoll und für unsere Mitglieder tragbar, das heisst bezahlbar und nicht zuletzt europakompatibelsind. Aus unserer Sicht wurde eine Zeit lang die Kompatibilität mit dem europäischen Markt zu wenig berücksichtigt und das Geschäft mit Europa etwas gefährdet. Wir glauben, das haben wir in den letzten Jahren gut gemacht.

GKS tritt jeweils mit einer gebündelten Verbandsstimme auf, so die eigene Aussage. Wie wird diese Übereinstimmung trotz sehr unterschiedlicher Zusammensetzung der Mitglieder gefunden?

Wir haben verschiedene Gefässe der Zusammenarbeit, um eine Übereinstimmung zu finden. Zum Beispiel die Konferenz der Gebäudetechnikverbände, diese Organisation kennt die nötigen Pfade zu den einzelnen Fachverbänden wie SIA, SWKI, Holzenergie Schweiz, Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz, Schweizerischer Verein für Kältetechnik, Suissetec und Swissolar, um nur einige zu nennen. Mit denen arbeiten wir zusammen. Uns geht es auch darum, dass die möglichen Schnittstellen erkannt und im Systemdenken definiert sind.

Die Schnittstellen müssen aber definiert werden.

Hierzu haben wir haben die nötigen Strukturen geschaffen. Der Vorstand zum Beispiel setzt sich nur aus den Geschäftsführern zusammen, dort werden Grundsatzentscheide gefällt. Die weitere Arbeit erfolgt in fächerübergreifenden Kommissionen, Normenkommissionen, Ausbildungskommissionen, in speziellen Fachgruppen für die einzelnen Themen, die sich mit Technischen Fragestellungen befassen und vieles mehr. In diesen Gruppen arbeiten rund 100 Leute an rund 50 Sitzungen pro Jahr. Zudem haben wir einen runden Tisch geschaffen, um Informationen auszutauschen, auch solche, die aus Brüssel zu erwarten sind und teilweise von den Mutterfirmen einzelner Mitglieder stammen. Wir wollen frühzeitig ein kommendes Thema angehen, um kostspielige schweizerische Insellösungen zu verhindern. Auch indem wir erreichen, dass Prüfverfahren und weitere Vorgaben vereinheitlicht werden.

Diese Meinungseinheit erstaunt. Wird tatsächlich immer ein gemeinsamer Nenner gefunden?

Ja, weil alle ein gemeinsames Ziel haben. Man darf nicht vergessen, dass heute immer mehr Systemanbieter gefragt sind. Alle wissen, Einzelkämpfer zu sein, geht nicht mehr. Und weil ein Systemanbieter eine breite Palette anbieten muss, sind alle interessiert, dass für alle Bereiche gute Rahmenbedingungen herrschen. Alle wollen, dass es dem ganzen Markt gut geht, dazu gehören auch die Spezialisten und Zulieferer wie die Hersteller von Umwälzpumpen, Heizkörpern, Armaturen usw. Wenn das System stimmt, können alle ihre Produkte verkaufen.

Etliche Geräte werden importiert. Gibt es keine Probleme bei der Qualitätsanforderung, oder bestimmen die ausländischen Hersteller, was Qualität ist?

Das ist ein gesetzgeberischer Prozess. Wenn unsinnige Forderungen gestellt werden, halten wir klar dagegen und erklären wenn nötig auch, dass etwas nicht machbar ist, ohne den entsprechenden Markt zu ruinieren. Unsere Schweizer Vertreter sind so gut es geht in den europäischen Gremien vertreten. Wenn etwa in Brüssel ein bestimmtes Pflichtenheft für 2020 entworfen wird, sind wir bei der Entwicklung dabei und können so auch die Schweizer Industrie frühzeitig informieren.

Gibt es ein aktuelles Beispiel?

Die Einführung der Energieetiketten. Wir wussten von europäischen Mutterfirmen, was in Brüssel diskutiert wird und bald einmal allgemeine Marktgültigkeit haben würde. Wir wussten deshalb, dass in Europa Energieetiketten für Komfortlüftungsgeräte geplant waren. Wir haben unsere Mitglieder entsprechend informiert und darauf hingewiesen, dass Energieetiketten in absehbarer Zeit auch für die anderen Gewerke verlangt würden. Die Energieetikette Komfortlüftungwurde eins zu eins übernommen, da haben wir tatkräftig mitgeholfen. GKS hat sein Wissen auch in den Fachzeitschriften veröffentlicht und damit das Bundesamt für Energie zum Handeln gezwungen. Das ist ein wichtiger Teil unserer Aufgaben, dem Schweizer Markt gute Bedingungen zu schaffen, auch im Hinblick auf den europäischen Markt. Es ist bekannt, dass im Anschluss an die Komfortlüftung,an alle Module der Klimatechnik neue energetische Anforderungen gestellt wurden, und heute sind alle Geräte mit Energieetiketten ausgezeichnet.

Auch bei den MuKen konnten wir unsere Anliegen einbringen. Aktuell befassen wir uns mit der Luftreinhalteverordnung. Wir sitzen mit den Vertretern der betroffenen Firmen zusammen und suchen einen Konsens. Dabei wird absolut lösungsbezogen diskutiert. Das Resultat ist ein Positionspapier, das den Verantwortlichen zur Verfügung gestellt wird. Ein weiteres Beispiel: Bei der Energiedebatte bezüglich der Umwälzpumpen wurde eine gute Lösung für die Pumpen gefunden, aber zu wenig beachtet, dass Schnittstellen wie Stromzufuhr usw. angepasst werden mussten. Im Gespräch mit den Pumpenherstellern wurden eine Lösung gefunden und ein Merkblatt erstellt. Installateure und Elektriker erhielten das Merkblatt mit den Logos ihrer Fachverbände wie Suissetec oder VSEI.

Das sind übergeordnete Ziele eines Verbandes, doch die Frage bleibt. Was nützt dies dem Kunden, an wen kann sich dieser wenden?

Unsere übergeordneten Informationen und Empfehlungen gelangen durch die jeweiligen Fachverbände an die einzelnen Unternehmen und Betriebe. Es ist ja unser Ziel, Kundenwünsche, politische Vorschriften, Energieeffizienz und technische Lösungen zusammenzubringen. Die einzelnen Betriebe sind Dienstleister in ihrem Fachgebiet. Sie beraten die Kunden und gehen auf ihre Wünsche ein. Ob Ölfeuerung, Wärmepumpe oder Solartechnik gefragt ist, heute können alle Varianten aus einer Hand angeboten werden, stimmen muss die Energieeffizienz und natürlich ist auch das Budget des Kunden massgeblich. Der einzelne Installateuroder Servicetechniker muss uns also nicht kennen, die Information erhält sein Betrieb vom Fachverband.

Die Kunden sind heute dank Internet informierter als früher. Ist die Beratung schwieriger geworden?

Sicher sind die Kunden besser informiert als früher, wir stellen fest, dass das gute Fachwissen in den Betrieben anerkannt wird. Das bedingt, dass sich die Mitarbeiter laufend weiterbilden. Probleme schafft der grenzenlose Markt. Produkte ohne Qualitätsnachweis sind auch in der Schweiz erhältlich. Sie sind billiger, aber solche Teile oder Module funktionieren meistens nicht lange. Und wenn etwas nicht funktioniert, wird meist die ganze Branche kritisiert und nicht differenziert,woher die fehlerhaften Produkte wirklich stammen. Am schlimmsten ist es, wenn verschiedene nicht qualifizierte Produkte zusammengekauft und im Modulsystem zusammengebaut werden. Aus diesem Grund verlangen wir ja, dass die Systeme mit Energieetiketten ausgezeichnet sind. Wer solche Produkte als System verkauft und installiert, kann und wird dafür auch gerade stehen, wenn wirklich einmal etwas nicht funktioniert.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Verbänden aus, die nicht GKS-Mitglied sind?

Die Industrie hat nicht immer die gleichen Interessen wie andere Verbände, zum Beispiel ein Handwerkerverband. Mit solchen Verbänden streben wir klar eine Zusammenarbeit an, wo sich die Interessen treffen. In solchen Verbänden existieren aber auch technische Fachgruppen für übergreifende Themen. Zum Beispiel Solartechnik. Hier haben die Verbände Swissolar, Suissetec und GKS beschlossen, eine gemeinsame Technische Kommission unter dem Lead von Swissolar zu bilden. Wir wollen uns in den anderen Kommissionen einbringen, um gemeinsame Lösungen zu finden.

Wie könnten die Aufgaben von GKS in 20 Jahren aussehen?

Ähnlich wie jetzt, aber mit veränderten Produkten und Gebieten. Die Anlagen werden im Sinne der Energieeffizienz noch optimierter werden. Ich glaube, der Markt wird sich dahingehend entwickeln, dass sich die Firmen noch mehr diversifizieren und eine grosse Produktpalette führen müssen. Das Systemdenken wird als Norm gelten. Da kann es möglich sein, dass schlussendlich eine gewisse Betriebsgrösse gefordert ist.