«Technology Outlook 2017» – grosse Herausforderungen für viele Branchen und KMU

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Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW hat soeben ihren «Technology Outlook 2017» publiziert. Der Bericht bietet in prägnanter Form einen Überblick aktueller technischer Entwicklungen sowie Prognosen für die Schweiz und die nächsten Jahre. Digitalisierung sowie Vernetzung von physischer und virtueller Welt sind die dominierenden Themen.

Mit dem Internet der Dinge verschmelzen die digitale und die physische Welt. In dieser hybriden Welt haben Schweizer Firmen nahezu aller Branchen Nachholbedarf. Viele KMU tun sich mit der digitalen Beherrschung ihrer Prozesse schwer und bezüglich Fabrikautomatisierung oder Ressourcenplanung liegt die hiesige Industrie hinter dem Ausland zurück. Die Chancen, welche die enormen Fortschritte in den Bereichen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen eröffnen, müssen besser genutzt werden. Auch traditionelle Schweizer Schlüsselbranchen wie Banken, Versicherungen und Tourismus müssen sich auf digitale Geschäftsmodelle einstellen. Um die vielfältigen Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen, ist die Schweizer Volkswirtschaft auf Fachkräfte angewiesen, insbesondere IT-Fachleute. Um die steigende Nachfrage decken zu können, sind zusätzliche Massnahmen nötig, beispielsweise in der Nachwuchsförderung. Wichtig sind auch ein unternehmerfreundliches Umfeld und langfristiges Risikokapital, damit sich Start-ups erfolgreich etablieren können.

Ein besonderes Augenmerk des Berichts gilt der MedTech-Branche, die von KMU geprägt ist. Diese leiden unter der Regulierungsdichte, strengen Marktzulassungsbedingungen, steigendem Preisdruck, Konkurrenz aus Billiglohnländern und einem erschwerten Zugang zu grossen Ausschreibungen. Gleichzeitig versprechen Operationsroboter und weitere Technologien neue Opportunitäten, welche die agilen Schweizer MedTech-KMU nutzen könnten.

Standortvorteile geschickt nutzen

Die Schweiz verfügt im Standortwettbewerb über viele Trümpfe, die es geschickt auszuspielen gilt. Sie weist beispielsweise die höchste Dichte qualifizierter Robotik-Nachwuchskräfte auf und verfügt über eine Vielzahl von kompetitiven Start-ups in diesem Bereich. Auch für etablierte Firmen der MEM-Industrie zeichnen sich grosse Chancen ab. Neue Verfahren wie additive Fertigung oder Prozessanalysetechnik sowie Photonik und Robotik haben grosses Potenzial. Werden die vorhandenen Kompetenzen, z.B. leistungsstarke Pulslaser und optische Messtechnik, geschickt kombiniert, kann die hiesige Industrie ihre Führungsposition auf diesen Gebieten gezielt ausbauen.

Für optimale Rahmenbedingungen sorgen

Die Politik muss für optimale Rahmenbedingungen sorgen, damit die Schweiz international konkurrenzfähig bleibt. Konkret fordern die Autoren höhere Investitionen in die Forschung, weitere Anstrengungen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels sowie Massnahmen für höhere Cybersecurity oder die Zulassung von Drohnen für professionelle Einsätze. Gleichzeitig braucht es einen öffentlichen Diskurs über die Konsequenzen der vierten industriellen Revolution. Die Arbeits- und Lebensbedingungen werden sich radikal verändern, viele Stellen werden der maschinellen Automatisierung zum Opfer fallen. Finanzielle Ausgleichsmodelle und flankierende Massnahmen müssen diskutiert werden.