HT 7/2018

Smartes Lernprogramm für Schweizer BIM-Fachleute

(Foto: zVg)
Mark Baldwin /

In der Schweiz steigt die Nachfrage nach BIM stetig an und gleichzeitig stellen sich neue Herausforderungen. Die internationale Organisation für openBIM-Standards, buildingSMART, hat ein Weiterbildungsprogramm entwickelt, um bestehende und angehende Fachkräfte auf diese Umstände vorzubereiten.

Building Information Modeling (BIM) gilt weltweit als Best-Practice für digitale Arbeitsweisen in der Baubranche. Trotzdem gibt es noch viel Verwirrung und Inkonsistenz bei der Definition von Schlüsselbegriffen, Konzepten und Prozessen. In der Schweiz bestehen bereits einige wichtige Referenzen, an denen sich Verantwortliche orientieren können. Besonders hervorzuheben sind das SIA-Merkblatt 2051, die SIA-Dokumentationen D0270 und D0271 sowie Merkblätter und Anleitungsdokumente von KBOB, Bauen digital Schweiz und anderen Verbänden.

Diese Informationen bilden ein starkes Fundament, auf dem sich die Industrie entwickeln kann. Dennoch gibt es erhebliche Unterschiede in der Kompetenz der Branchenprofis bei der Leitung und Durchführung von BIM-Projekten. Um diese Lücke zu schliessen, braucht die Schweizer Bauindustrie eine durchgängige Methode zur Ausbildung und Evaluierung der Fachkompetenzen im Bereich BIM. Dies birgt eine doppelte Aufgabenstellung: Zunächst muss für die Vermittlung und das richtige Verständnis von Standardbegriffen und Prinzipien gesorgt werden. Danach gilt es sicherzustellen, dass diese in Projekten kompetent angewandt und umgesetzt werden können.

BIM-Ausbildung in der Schweiz

In der Schweiz gibt es mittlerweile ein recht umfangreiches Ausbildungsangebot im Bereich BIM. Dieses reicht von Einführungsseminaren, Kurzkursen und Softwareschulungen bis hin zu einem Weiterbildungsprogramm an Universitäten und Fachhochschulen.

Jedes dieser Angebote hat einen anderen Fokus und richtet sich zum Teil an bestimmte Zielgruppen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass alle Beteiligten die Grundprinzipien einheitlich vermitteln und standardisieren. Das ist die Aufgabe des Professional-Certification-Programms von buildingSMART.

Bei  buildingSMART handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation, die führend in der Entwicklung von openBIM-Standards ist. Dabei sind wir bestrebt, Klarheit über Kosten und Konsens bei der Definition und Anwendung der entsprechenden Prinzipien zu schaffen. Das im September 2017 international gestartete Professional-Certification-Programm wird inzwischen in elf Ländern umgesetzt. Seit Januar 2018 arbeitet ein Schweizer Komitee an der Lokalisierung des Programms in der Schweiz, das im Rahmen des BIM-Kongresses am 8. November 2018 offiziell der Schweizer Bauwirtschaft vorgestellt wird. Richard Petrie, CEO von BuildingSmart International, ist davon überzeugt, dass das Programm einen grossen Einfluss auf die gesamte Branche haben wird: «Es wird ein stabiler Bezugspunkt für Fachleute im Bereich der Gebäudeinformationsmodellierung sein», sagt er. «Darüber hinaus unterstützt es die Arbeitgeber bei der Re-
krutierung von BIM-Fachkräften und schafft Transparenz für Projektentwickler bei der Vermittlung von BIM-kompetenten Beratungs- und Vertragsunternehmen.»

BuildingSMART bietet keine Schulungen an, sondern hat einen Standard für die BIM-Grundausbildung entwickelt. Auf dieser Basis können Kurse entwickelt,  Schulungsanbieter akkreditiert und Teilnehmer bewertet und zertifiziert werden.

Der Wert dieses Programms für die Schweizer Bauwirtschaft ist beträchtlich:

  • Festlegung eines standardisierten (und international anerkannten) Satzes von Definitionen der BIM-Begriffe und -Prozesse.  
  • Festlegung einer Mindestschwelle für BIM-Kenntnisse für Branchenexperten.
  • Bereitstellung von Ressourcen für Ausbildungseinrichtungen und Bewerber.
  • Bereitstellung eines Verzeichnisses der akkreditierten Ausbildungseinrichtungen (zugunsten der Antragsteller).
  • Bereitstellung eines Verzeichnisses qualifizierter Personen (zugunsten der Arbeitgeber).
  • Erstellung von Profilen (Branding) für akkreditierte Organisationen und qualifizierte Personen.

Lernen in zwei Phasen

Die Entwicklung des Programms gliedert sich in zwei Phasen. Die erste Phase nennt sich «Individuelle Qualifizierung» und konzentriert sich auf wissensbasiertes Lernen. Es deckt den Bereich der Kurzkurse ab, die sich auf die Theorie des BIM beschränken. Die individuelle Qualifizierung ist so konzipiert, dass sie eine niedrige Kompetenzschwelle hat, um ein möglichst breites Publikum anzusprechen und ein Minimum an BIM-Kenntnissen zu etablieren. Längerfristig wird die individuelle Qualifizierung durch die zweite Phase «Professional Certification» ersetzt. Sie beinhaltet angewandte Trainings, die in der Regel längerfristige Programme mit mehr als 200 Lernstunden sind und die Teilnehmer durch Mentoring und/oder BIM-Projekterfahrung einbeziehen.

Solche Kurse haben eine höhere Kompetenzgrenze als das wissensbasierte Lernen. Die Teilnehmer müssen in der Regel ein gewisses Mass an BIM-Vorkenntnissen und -Erfahrung nachweisen und sind gefordert, dieses Wissen in einer geführten Projektumgebung anzuwenden. Phase 2 befindet sich noch in der Entwicklung und wird voraussichtlich erst im Jahr 2020 auf den Markt kommen.