Regionale Beispiele für nachhaltiges Bauen

Im Projekt «smart local destination» ist der Einbezug und der Dialog mit allen Anspruchsgruppen ein zentrales Element, um die heute weitestgehend fossile Energieversorgung von Rigi-Kaltbad auf erneuerbare Energien umzustellen. (Foto: Hochschule Luzern)
Urs-Peter Menti* /

Am 26. Januar 2017 luden novatlantis, die Hochschule Luzern und der Kanton Luzern gemeinsam Bauforum ein. Zum vierten Mal stellten stellten Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft im Lakefront Center aktuelle Projekte zu nachhaltigen Entwicklungen im Raum Zentralschweiz vor. Mit Vorträgen, Innovationsausstellung und Netzwerkplattform bot der Anlass die Möglichkeit, regionale Beispiele für nachhaltiges Bauen kennen zu lernen und sich auszutauschen.

Als Plattform für Wissenstransfer und Begegnungen zwischen Forschung, Industrie, Gesellschaft und der öffentlichen Hand fördert das novatlantis Bauforum schon seit 2014 die enge Zusammenarbeit aller Involvierten, um nachhaltige Bauprojekte voranzutreiben. Dass dies wichtiger denn je ist, machte Prof. Dr. Holger Wallbaum der Chalmers University of Technology in seinem Einführungsreferat deutlich. Die Tragfähigkeit des Systems Erde sei in vielen Bereichen bereits ausgereizt, was nach einer intensiven Zusammenarbeit und interdisziplinärem Denken verlange.

Luzern Nord als Beispiel

Wie wichtig das aktive Entwickeln von guten Rahmenbedingungen für nachhaltige Bauprojekte ist, wurde am Beispiel Luzern Nord gezeigt. Stefan Brücker und Ulrich Freyenmuth präsentierten die Vorhaben rund um den Seetalplatz und die Viscosistadt – einem vielversprechenden Gebiet für nachhaltige Verdichtung im Raum Luzern. Durch eine begleitende Energieplanung wurde mit vergleichsweise geringem Aufwand eine Grundlage für die weiteren Akteure geschaffen. Mit den erarbeiteten Instrumenten sind die Voraussetzungen gegeben, um nachhaltige Bauprojekte auf dem Massstab ganzer Quartiere zu planen und zu realisieren.

Tourismusfahrpläne für die Zukunft

Dass das Denken in grösseren Massstäben als dem einzelnen Haus zentral ist, zeigte sich auch bei den vorgestellten Tourismusprojekten auf dem Bürgenstock, der Rigi und dem Hasliberg. Dass dabei ein grosses Potenzial in partizipativen Prozessen liegt, veranschaulichte Alex Willener von der Hochschule Luzern – Technik & Architektur. Im Verlaufe des Projekts «Zukunft Hasliberg» entstand durch geschickte Moderation eine überraschend engagierte Dynamik verschiedener Gruppen aus Einheimischen, Zweitwohnungsbesitzern und Unternehmungen aus der Baubranche. Auch im Projekt «smart local destination» ist der Einbezug und der Dialog mit allen Anspruchsgruppen ein zentrales Element, um die heute weitestgehend fossile Energieversorgung von Rigi-Kaltbad auf erneuerbare Energien umzustellen. Es entstand dabei ein Leitfaden, der den Besitzern von teilweise mehr als 200 Jahre alten Holzbauten helfen soll, eine energetische Sanierung in wirtschaftlich tragbarem Rahmen vorzunehmen.

Siegeszug der Holzbauweise

Die Veränderungen im Holzbau in ganz anderen Massstäben führte Guido Estermann von der Renggli AG ins Feld. Das modulare Bausystem «swisswoodhouse» soll Bauherren mit Fokus auf dem gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes eine schnelle, kostenoptimierte und dennoch individuell anpassbare Lösung bieten. Neben dem Holzbauunternehmen Renggli AG hat auch die auf Entwicklung und Betrieb von Arealen spezialisierte Zug Estates Gruppe Grosses vor mit Holz. So sollen mehrere Hochhäuser in Holz-Hybridbauweise auf dem Suurstoffi-Areal in Rotkreuz entstehen. Die Planung der Gebäude mit BIM und die teilautomatisierte Fertigung im Werk bieten laut Kim Riese nicht zuletzt auch wegen den kurzen Realisierungszeiten einen Mehrwert für Investoren.

Zukunftsweisende Innovationsausstellung

Das Format des Bauforums in Luzern bot neben den Referaten auch Einblicke im Rahmen einer Innovationsausstellung. Dabei waren zum einen Forschungsinstitutionen, wie das Kompetenzzentrum für Integrale Gebäudetechnik (ZIG) und das Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP) der Hochschule Luzern, sowie das Regionalbüro Luzern der Euresearch vertreten. Zum Anderen präsentierten mit Luzern Nord, Kanton Luzern, Credit Suisse, Renggli AG, EVG Zentrum, Picatech Huber AG, energo und Joulia SA Dienstleister der öffentlichen Hand und aus der Privatwirtschaft ihre Nachhaltigkeits-Projekte.

*Urs-Peter Menti, Leiter des Zentrums für Integrale Gebäudetechnik (ZIG) an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur in Horw.