Haustech 7-8/2017

Nachhaltiger Luxus

(Foto: Bürgenstock Hotels AG)
Der Ballsaal unterhalb des neu erbauten Luxushotels kann auch als Konferenzzentrum genutzt werden. (Foto: Bürgenstock Hotels AG)
Letzte Arbeiten: Im August soll das Hotelresort in Betrieb gehen. (Foto: Simon Eberhard)
Im rund 120 Meter langen Waldhotel befindet sich ein «Medical Wellness Center». (Foto: Bürgenstock Hotels AG)
Im Spa-Bereich wird es den Gästen an nichts mangeln.
Die Hotelzimmer bieten einen exklusiven Ausblick. (Foto: Bürgenstock Hotels AG)
Simon Eberhard /

Der spektakuläre neue Hotelkomplex auf dem Bürgenstock bietet fantastische Ausblicke auf den Vierwaldstättersee. Dessen Wasser bildet gleichzeitig das Herzstück des Energiekonzeptes.

Bei solchen Preisen müsste wohl auch ein James Bond erstmal leer schlucken: Bis zu 20'000 Franken pro Nacht kostet nämlich eine Luxussuite im neu erbauten Bürgenstock-Hotel. Etwas günstiger kommt man im neu renovierten Palace Hotel weg, in dem 007 im Jahr 1964 logierte. Während des Drehs der Schweizerszenen in «Goldfinger» residierte hier die Film-Crew um Hauptdarsteller Sean Connery und drehte dabei auch einige Szenen vor Ort.

Heute, über 50 Jahre später, ist man auf dem Bürgenstock nach langer Bauphase in Kürze bereit für neue illustre Gäste. Im August 2017 wird das Hotel nämlich wiedereröffnet. In 30 verschiedenen Gebäuden, die sich auf ein Areal von rund 80 000 Quadrat metern erstrecken, wird es den Gästen dereinst an nichts mangeln. Neben vier Hotels mit über 800 Betten sowie 68 Luxus-Ferienwohnungen umfasst der Komplex unter anderem zwei Tennishallen, eine Eisbahn, ein Kino, einen 10 000 Quadratmeter grossen Spa, einen Ballsaal für 500 Personen, zwei Tennishallen, einen Golfcourt, eine Eisbahn, ein Kino sowie insgesamt zwölf Restaurants und Bars.

Geschichtsträchtiger Ort

«Während eines zweiwöchigen Urlaubs kann man hier also fast jeden Tag an einem anderen Ort essen», sagt Roland Wyrsch mit einem Schmunzeln. Der Verantwortliche für das Projektmanagement der Bürgenstock Resort AG arbeitet an einem geschichtsträchtigen Ort: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde das alte Hotel von Franz-Josef Bucher-Durrer erbaut, dem Besitzer einer Parkettfabrik, der mit dem Hotel den Absatz seines Unternehmens steigern wollte.

Die exklusive Lage über dem Vierwaldstättersee und der bald darauf gebaute spektakuläre Hammetschwand-Lift zogen in den vergangenen hundert Jahren illustre Gäste aus Politik und Showbusiness an: Neben James Bond logierten auch Charlie Chaplin und Sofia Loren im BürgenstockHotel, Audrey Hepburn heiratete gar hier. Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm schliesslich die Katara Hospitality – eine Tochtergesellschaft des Staatsfonds Qatar Investment Authority –, die rund 550 Millionen Franken investiert hat, um aus dem altehrwürdigen Haus einen modernen Hotelkomplex zu machen.

«Das alte Hotel war nur auf den Sommerbetrieb ausgelegt», sagt Roland Wyrsch. «Dementsprechend schlecht war es isoliert.» Das neue Konzept sieht nun einen Ganzjahresbetrieb vor. Der Neubau besteht aus rund 165 000 Kubikmetern lokalem Schrattenkalk-Gestein. An der Fassade wurde statt Beton auf Steinkörbe, sogenannte Gabionen, gesetzt, die einen Lebensraum für Flora und Fauna bieten. In den nahegelegenen Wäldern wurden zudem 4360 Quadratmeter Mischwald aufgeforstet. Durch die Nutzung lokaler Ressourcen wurde auch die Umwelt geschont. «Rund 18 000 LWK-Fahrten können wir dank der Nutzung unseres eigenen Aushubmaterials vermeiden» erklärt Wyrsch nicht ohne Stolz.

500 Meter Höhendifferenz

Nachhaltig ist nicht nur die Bausubstanz: Auch beim Energiekonzept wurde sehr viel Wert auf eine nachhaltige Lösung gelegt. Strom- oder Wärmeerzeugung mittels Photovoltaik kam aus denkmalschützerischen Gründen nicht in Frage. So entschloss man sich nach Prüfung verschiedener Varianten schliesslich dazu, das Seewasser als Energiequelle zu nutzen. Damit wandelt man auf historischen Spuren: Bereits der Erbauer Bucher-Durrer pumpte schon das Wasser vom Vierwaldstättersee zum Bürgenstock hinauf. Damals diente dies der Trinkwasseraufbereitung, heute der Wärmung und Kühlung des Gebäudes. 

Rund 80 Prozent des Wärmebedarfs

Das rund 5 bis 7 Grad kalte Seewasser wird dabei aus 37 Metern Seetiefe mit zwei Hochdruckpumpen über rund 500 Meter Höhendifferenz in das Reservoir auf den Bürgenstock gepumpt – auf dem gleichen Trassee, in dem damals schon Bucher- Durrer das Wasser nach oben brachte, wie Roland Wyrsch anmerkt. «Eine sportliche Übung» nennt er die Neuverlegung der Leitungen über das steile, unwegsame Gebiet. Rund 300 Kubikmeter pro Stunde werden auf diese Weise bis zum Reservoir gepumpt.

Von dort wird das Wasser in die Energiezentrale weitergeleitet, in der die Energien verteilt werden. Mit zwei Wärmepumpen mit einer Leistung von je 650 kW wird das Wasser auf 45 bis 55 Grad erwärmt und via Fernleitung in alle Gebäude des Resorts geführt. Dort wird es einerseits direkt für die Heizung verwendet, andererseits geht es zu den Wärmepumpen der Gebäude, die das Brauchwasser auf 65 Grad erhitzen.

Dieses zweistufige System dient der Energieeffizienz: Würde das Wasser in einer Temperatur von 65 Grad verteilt, wäre der Energieverlust höher und die Leistungszahl (COP) der Wärmepumpen entsprechend tiefer. Die Wärme aus dem Seewasser kann rund 80 Prozent des Wärmebedarfs abdecken, während das Flüssigkeitsgas der Spitzenabdeckung im Winter dient und die Redundanz des Systems bei Ausfällen sicherstellt.

Das Seewasser wird auch zur Kühlung des gesamten Resorts im Sommer sowie zur Eiserzeugung für das Eisfeld im Winter genutzt. Das Kühlwasser wird zu diesem Zweck ebenfalls über Fernleitungen in die Gebäude verteilt. Weiter dient das hinaufgepumpte Seewasser auch der Bewässerung der Bepflanzung und des hoteleigenen Golfplatzes sowie der Wassernachspeisung für die Bädertechnik und Wäscherei. Das Restwasser wird darauf via eine Turbine in den See zurückgeführt. Mit dem dadurch erzeugten elektrischen Strom können rund 50 Prozent der für die Pumpe aufgewendeten Energie wieder zurückgewonnen werden.

Leitsystem für die Sicherheit

Das Vierwaldstättersee-Wasser zirkuliert in einem fast geschlossenen System, nur für die Bewässerung der Grünanlagen wird Wasser entnommen. Ein defekter Schieber, ein gebrochenes Rohr oder Überdruck könnten sich deshalb verheerend auswirken. Aus diesem Grund werden an allen wichtigen Stellen ständig Daten genommen und in einer Gebäudemanagementplattform gesammelt und ausgewertet. «Stimmen die Werte nicht, schaltet das System automatisch ab und meldet dies den Verantwortlichen», erläutert Thomas Guebey, der als Gesamtleiter der Siemens-Projekte auf dem Bürgenstock die Verantwortung für das gesamte Steuerungssystem trägt.

Nicht nur die Heizung und die Kühlung werden mit dem System gesteuert, überwacht und visualisiert. «Lüftungen, Sanitär anlagen, Raumautomation sowie Beleuchtung und Sicherheit des Areals sind ebenfalls integriert», erklärt Guebey. Das System erfasst Störmeldungen der Elektroanlagen, Messdaten aus der Energieversorgung und erteilt übergeordnete Befehle an Storen oder Lichtanlage. Frequenzumrichter tragen zu einem bedarfsabhängigen und ökologischen Betrieb der Gebäudetechnik bei. «Die ersten Erfahrungen mit der Leitzentrale sind sehr gut», resümiert Thomas Guebey. «Seit der Inbetriebnahme im Januar 2016 musste der technische Dienst nur einige ‹Kinderkrankheiten› beheben, seit Februar 2016 läuft alles fehlerfrei.» Die Gebäude werden nun nach und nach angeschlossen.

CO2-Ausstoss verringert

Neben technischen Herausforderungen hatte das Projektteam auch bürokratische Hürden zu überwinden. «Insgesamt mussten wir uns drei Konzessionen erkämpfen», erinnert sich Bürgenstock-Projektleiter Roland Wyrsch. «Eine für die Entnahme des Seewassers, eine für die Entnahme der Wärme oder Kälte und eine, damit wir das Wasser am Schluss wieder durch die Turbine zurück in den See leiten können.»

Aus energetischer Sicht hat sich der Aufwand gelohnt: Im Vergleich zu einer Ölheizung und Kältemaschine kann der Energiebedarf um den Faktor 2,4 erhöht werden, während sich der CO2-Ausstoss um den Faktor 3,6 verringert. Insgesamt vermag die Energie durch das Seewasser bis zu 92 Prozent des Wärme- und Kältebedarf des Resorts abzudecken. Die Anlage zeigt so, dass Luxus nicht zwingend Verschwendung sein muss. Es sei denn, James Bond gastiert dereinst wieder in der Innerschweiz. Der war ja noch nie bekannt dafür, sparsam mit seinen Ressourcen umzugehen.