Mehr Transparenz beim Energieverbrauch

Auch bei der Heizungstechnik soll die Energieetikette eingeführt werden.(Photo: zvg)
Konrad Imbach /

Was bei Leuchtmitteln oder Waschmaschinen schon Standard ist, folgt nun auch bei der Heizungstechnik: die Energieetikette. Innerhalb der EU müssen ab Oktober 2015 neu verkaufte Produkte sowie Anlagekombinationen entsprechend gekennzeichnet sein.

Die Energieetikette ist im Alltag der Schweizer Konsumenten bereits allgegenwärtig. Beim Einkauf von Haushaltsgeräten wie Kaffee- oder Waschmaschinen ist sie ebenso hilfreich wie bei der Auswahl von Lampen oder Fernsehgeräten. Schritt für Schritt hielt die informative Auszeichnung mit der Energieklasse in der Konsumwelt Einzug und sorgt heute für Transparenz in einem Bereich, der für Konsumenten sonst nur schwierig zu durchschauen wäre. Den Anstoss dazu gaben die «Energy-related Products»  (ErP) – Ökodesign-Richtlinien – der Europäischen Union (EU). Dabei ist neben Transparenz auch die Förderung der Energieeffizienz durch Mindestvorgaben das Ziel. Mit den neuesten Verordnungen zu den Richtlinien wird auch der Wärmemarkt miteinbezogen.

Energieetikette auch für Verbundanlagen

Schon seit Ende September 2013 sind die erweiterten ErP-Richtlinien in Kraft mit einer Übergangszeit von zwei Jahren. Danach müssen in Europa, also ab Ende September 2015, auch energieverbrauchsrelevante Produkte der Heizungstechnik mit einer standardisierten Energieetikette versehen sein. Dazu gehören zum Beispiel Heizkessel, Wärmepumpen oder auch Warmwassererzeuger. Anhand eines standardisierten Verfahrens wird die Jahresenergieeffizienz errechnet, die dann als Grundlage zur Einteilung in eine Effizienzklasse dient. Zusätzlich soll die Etikette je nach Produktekategorie beispielsweise auch Auskunft über Betriebsgeräusche, Leistung oder Stromverbrauch geben und die Produkte so innerhalb ihrer Kategorie vergleichbar machen. Eine Besonderheit der Heizungstechnik: Es sind nicht nur Einzelgeräte, die gekennzeichnet werden müssen, sondern auch ganze Anlagen bestehend aus mehreren Komponenten. Werden bei einer Hausrenovation beispielsweise ein Öl-Brennwertkessel mit Regelung, ein Multifunktionsspeicher und Solarkollektoren für das Warmwasser kombiniert, muss die Systemkombination mit einem Verbund- beziehungsweise Package-Label gekennzeichnet sein.

Dieses wird aufgrund der Einzellabels der Komponenten sowie der Gesamtzusammensetzung ermittelt. Im aufgeführten Beispiel verfügen zwei der vier Komponenten bereits einzeln über ein Label (Öl-Brennwertkessel und Multifunktionsspeicher). Die Regelung des Öl-Brennwertkessels sowie die Solarkollektoren werten den Anlagenverbund mit Bonuspunkten zusätzlich auf und führen so zu einer besseren Gesamt-Effizienzklasse. Da das Energielabel vor allem Transparenz für den einzelnen Konsumenten schaffen soll, sind bei der Etiketten-Pflicht nur Produkte bis zu einer Heizleistung von 70 kW eingeschlossen. Bei Geräten mit einer Leistung zwischen 70 und 400 kW, also solche, bei denen oft ein Fachplaner zur Umsetzung beigezogen wird, müssen zwar die gestellten Mindesteffizienzanforde­­rungen erfüllt werden, eine Label-Pflicht jedoch entfällt. Die ErP-Richtlinien dienen aber auch dazu, direkt auf die Energieeffizienz von Produkten im Wärmebereich Einfluss zu nehmen. So sind in einem ersten Schritt noch die Energieklassen A++ bis G zugelassen. Bereits nach vier Jahren verschwinden die untersten Klassen: Ab 2019 werden die Klassen nach unten bis D beschränkt und nach oben um A+++ ergänzt. Gleich wie bei den Glühlampen wird dies auch für einige Produkte im Heizungsbereich das Aus bedeuten. Ein Schritt, der zusätzlichen Antrieb zur Entwicklung energieeffizienter Produkte geben dürfte und entsprechend Sinn macht.

Auswirkungen auch ohne Vorschriften

Was aber bedeuten diese neuen Verordnungen für die Schweiz? Gültigkeit haben sie einzig innerhalb der EU. Während hierzulande die EU-Richtlinien zum Beispiel im Bereich der Leuchtmittel mit etwas Verzögerung übernommen wurden, zeichnet sich dies bei der Heizungstechnik bisher nicht ab. Das ändert aber wohl nichts daran, dass in naher Zukunft – spätestens ab September 2015 – auch in der Schweiz praktisch alle Einzelgeräte analog zur EU mit einer Energieetikette versehen sein werden. Schweizer Hersteller exportieren auch in die EU und Produkte aus der EU werden in der Schweiz verkauft. Der grenzübergreifende Handel bedeutet, dass die meisten Hersteller ihre Produkte allgemein nach den EU-Richtlinien herstellen und kennzeichnen werden. Für den Schweizer Markt wird hier, trotz fehlender Vorschriften, kaum eine Ausnahme gemacht. Auch für Schweizer Planer und Installateure mit Kundenkontakt gilt deshalb, sich bereits heute auf die neue Situation einzustellen, um für die neuen Herausforderungen auch in der Beratung gerüstet zu sein.

Anders sieht es bei den Systemkombinationen aus. Während bei den Einzel­geräten der Hersteller für die Energieetikette und für die Einhaltung der Mindesteffizienzanforderungen zuständig ist, trägt beim Verbund-Label der Planer oder Installateur die Verantwortung für die korrekte Aufbereitung der Angaben. Zwar stellen Hersteller für gängige Kombinationen aus ihren eigenen Produkten ein vorbereitetes Verbund-Label sowie die Unterlagen dazu zur Verfügung. Kombiniert der Spezialist jedoch Produkte verschiedener Hersteller, werden auf die Fachvertreter innerhalb der EU spätestens ab 2015 neue Herausforderungen zukommen. Denn zur Ermittlung des Verbund-Labels müssen sie nun unter Umständen zahlreiche Daten über die eingesetzten Komponenten selber recherchieren und diese für den Kunden wie gefordert zusammenstellen. Schweizer Planer und Installateure sind durch die vorläufige Nicht-Übernahme der neusten EU-Verordnungen nicht dazu verpflichtet. Während die Energieetikette für Einzel­geräte durch den grenzüberschreitenden Handel also wohl auch hierzulande Einzug halten wird, bleiben Verbund-Label aussen vor. Die Erarbeitung des Verbund-Labels bedeutet zwar ein Mehraufwand für den Fachspezialisten, ist gleichzeitig aber auch eine Chance, sich über Beratungskompetenz gegenüber dem Kunden zusätzlich zu profilieren.

Chance trotz Freiwilligkeit

Die Schweizer Wärmebranche packt diese Chance trotz Freiwilligkeit und des stetig steigenden Zeit- und Kostendrucks von sich aus und setzt auf das Verbund-Label. Der Bund könnte hier eine Möglichkeit zur direkten Einflussnahme auf die Energie­effizienz im Wärmebereich nutzen. Zwar bestehen hierzulande durch die Luftreinhalteverordnung und MuKEn bereits teilweise Vorschriften, von Transparenz für den Kunden kann jedoch keine Rede sein. Was Einzelgeräte anbelangt, übernimmt nun die EU die Arbeit für die Schweiz.  Es sind jedoch Systemkombinationen, die ­immer öfter zum Einsatz kommen und mit ihrer Individualität die Lösung der Zukunft sein werden. Hier wäre es durchaus sinnvoll, mit entsprechenden Vorschriften nicht nur zu steuern, sondern dem Konsumenten die Instrumente zur Entscheidung auch selbst in die Hand zu geben.

Aus offiziellen Kreisen heisst es hierzu, dass man die Übernahme der verpflichtenden Energieverbrauchskennzeichnung für Wärmepumpen, Öl- und Gasfeuerungen (inkl. WKK), Holzfeuerungen, Brauchwarmwasserspeicher, Wohnungslüftungsgeräte in der EnV ab 2017 (Ecolabelling für Einzelgeräte) prüft. Die Festlegung der Anforderungen für die Inverkehrbringung und/oder Inbetriebnahme durch den schweizerischen Gesetzgeber wird zurzeit noch untersucht (Ecodesign). Auch soll die Nutzung des Verbund-Labels voraussichtlich freiwillig bleiben und nicht im Bundesgesetz vorgeschrieben werden. Auf www.energieetikette.ch ist eine neue Rubrik für «Haustechnische» Anlagen zum Verbund-Label vorgesehen.