Haustech 3/2017

Kreativität und Fachwissen gefragt

Beim Neubau des Spitals Limmattal bei Schlieren konnte BIM bereits eingesetzt werden. (Foto: Lobsiger Marazzi)
Morris Breunig /

Die Digitalisierung verändert die Bauwirtschaft. Neben BIM erweitern zukünftig industrielle Vorfertigung und modulares Bauen die üblichen Abläufe. Das daraus entstehende Potenzial muss entsprechend genutzt werden, um auch die Energieeffizienz im Gebäudepark zu gewährleisten.

Die zunehmende Digitalisierung soll vor allem in der Bauwirtschaft eine höhere Effizienz im Herstellungsprozess und bei den eingesetzten Materialien bewirken. Mitunter kann man dabei auch von einer Revolution in der Bauwirtschaft sprechen. In Amsterdam entsteht beispielsweise derzeit eine Stahlbrücke vollständig aus dem Stahldrucker (s. Kasten). Der Mensch bleibt jedoch weiterhin ein wichtiger Faktor in diesem Prozess, denn die industriellen Roboter mit der Schweisstechnik werden von Menschenhand bedient. Auch die Baubranche ist also längst in der Digitalisierung angekommen. Entscheidend wird zukünftig sein, wie schnell die Entwicklung fortschreitet. Während die Stahlbrücke in Amsterdam vielmehr zur industriellen Fertigung zählt, wird sich die Bauwirtschaft zukünftig mit Building Information Modeling (BIM) stark verändern.

Effizienterer Planungsablauf

Hinter BIM steckt eine Arbeitsmethode, die eine effizientere Gebäudeplanung erlaubt. Neben dem real gebauten Haus entsteht zusätzlich ein dreidimensionales Gebäudemodell, auf das die verschiedenen Gewerke zugreifen und mit Informationen ausstatten. Aufwendige Planungsprozesse in 2-D werden damit überflüssig. Das Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden wird damit deutlich vereinfacht. Zusätzlich erhalten die Bauherrschaften nach Fertigstellung des Gebäudes ein detailliertes, digitales Gebäudemodell mit nachvollziehbaren Messwerten. Um einen geregelten Arbeitsablauf respektive Datenaustausch zu ermöglichen, braucht es Vorgaben und Standards sowie klare Strukturen. Zukünftig werden deshalb auch Bauprodukte digitalisiert und stehen als standardisierte BIM-Daten zur Verfügung.

BIM-Kongress als Treffpunkt

Im Oktober des vergangenen Jahres fand deshalb zum ersten Mal der BIM-Kongress statt, der sich als jährliche Austauschplattform für digitale Themen der Baubranche etablieren soll. Bei der Veranstaltung wurden die Chancen und Risiken von BIM unter politischen, technischen, wirtschaftlichen und innovativen Aspekten diskutiert. Die Nutzung von BIM befindet sich in der Schweiz noch in der Anfangsphase. Weil die konstruktive Auseinandersetzung bereits frühzeitig vorgenommen wurde, scheint die digitale Baubranche grundsätzlich gut aufgestellt zu sein. So konnte BIM bereits bei einigen Projekten eingesetzt werden wie beispielsweise beim Neubau Spital Limmattal.

Die Implementierung von BIM in den täglichen Projektablauf könnte insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen zur Herausforderung werden. Um im Wettbewerb bestehen zu können und nicht den Anschluss an zukünftige Entwicklungen zu verlieren, werden auch KMU auf zeitnahe Umsetzungen angewiesen sein. Um die Umstellung zu erleichtern oder gar die Berührungsängste mit BIM zu vertreiben, gibt es derzeit ein grosses Angebot an Informations- oder Weiterbildungsmöglichkeiten zu der Thematik. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmungen dürften von diesen Angeboten deutlich profitieren.

Auswirkungen auf die Rollenbilder

Die in allen Bereichen zunehmende Digitalisierung erfordert auch eine gesellschaftliche
Anpassung. Denn neben den angepassten Bauabläufen werden sich die bekannten Rollenbilder wie Architekt, Bauherr oder Unternehmer verändern, um die Wettbewerbsfähigkeit in der Industrie in Zukunft zu gewährleisten. Wie der Effizienzgrad in diesen Prozessen künftig sein wird, ist aktuell jedoch noch nicht abzusehen. Denn auch kulturelle Faktoren beeinflussen das Bauen und im Speziellen die industrielle Fertigung, was sich schliesslich auf die damit verbundenen Kosten auswirken wird. Die Herausforderung wird sein, das besondere Potenzial der Digitalisierung sinnvoll zu nutzen. Dazu sind auch die Kreativität und das Fachwissen der handelnden Personen notwendig.