Jubiläumsanlass mit mehr als 500 Gästen

Mit fast 500 Besuchern war der 10. Haustech-Planertag wiederum ein gelungener Anlass. (Photo: Peter Frommenwiler)
Paolo D'Avino /

Mit der Energiestrategie 2050 kündigte der Bund einen Wechsel in der Energieversorgung an. Welchen Beitrag die Gebäudetechnik zur Energiewende leisten kann, war Leitthema des 10. Haustech Planertag, an dem sich am 24. Februar 2015 im Kongresshaus in Zürich fast 500 Teilnehmende eingefunden haben.

Die Freude war Monika Schläppi, Chefredaktorin des Fachmagazins Haustech und Programmleiterin des Haustech-Planertags anzusehen. «Grossartig», strahlte sie und begrüsste am 24. Februar 2015 im Kongresshaus in Zürich fast 500 Teilnehmende zum Jubiläumsanlass. «Die Branche ist gefordert und steht vor grossen Herausforderungen und sie muss Wege aufzeigen, wie das Gebäude von morgen intelligent und vernetzt funktionieren kann, ohne dass der Komfort darunter leidet», betonte sie zur Eröffnung der Veranstaltung. «Wohin der Weg führen kann, werden verschiedene Fachexperten mit ihren Referaten aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufzeigen. Die Tagung will den Anspruchsgruppen wie Planern, Ingenieuren, Architekten, Bauherren und Installateuren wertvolle Anregungen sowie neue Impulse vermitteln», sagte Monika Schläppi. Das Thema sei aktueller denn je, meinte auch Tagungsleiter Urs Rieder in seiner Einführungsrede. «Mit der Energiestrategie 2050 geht der Bund in seiner Energiepolitik neue Wege.» Doch der Weg dorthin sei noch völlig offen, meinte Rieder, Leiter Abteilung Gebäudetechnik an der Hochschule Luzern, wenn man bedenke, wie schnell sich die Situation ändere. Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass der Ölpreis heute so tief sei. Für Rieder kommen den Gebäuden nach wie vor eine Schlüsselrolle zu, will man die Energiewende voranbringen. Gemäss dem Tagungsleiter werden rund 50 Prozent der Energie in Gebäuden verbraucht. «Der Hebel ist gross», und wolle man die ambitionierten Ziele erreichen, müsse man die Chancen packen und langfristig energetisch umdenken.

Umdenken gefordert

Wie der Wechsel in der Energieversorgung auch die Energiedienstleister tangiert, erläuterte Suzanne Thoma, CEO der BKW, am eigenen Beispiel. «Alte Technologien will man nicht mehr», meinte sie, und das bedeute, dass «die Integration von erneuerbaren Energien gefragt sind, und ein Ausbau des Stromnetzes notwendig ist.» Vollintegrierte Energiedienstleister wie die BKW vereinen diese Fähigkeiten in sich. Dadurch könne man den Kunden Gesamtlösungen anbieten, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten seien. Mit dem neuen Weg werde die Solartechnologie, neben anderen erneuerbaren Energien, forciert. Michael Grätzel, Direktor des Labors für Photonik und Grenzflächen an der ETH Lausanne, ist der Meinung, dassdieSonnenenergie zur tragenden Säule der künftigen Stromversorgung werden könne. Doch einfach sei es nicht, vorhandene Rohstoffe effizient zu nutzen, Sonnenenergie zu sammeln und kostengünstig in elektrischen Strom oder in chemische Energieträger wie Wasserstoff umzuwandeln. Die Herausforderungen seien für Grätzel gross. Inspiriert von der natürlichen Photosynthese grüner Pflanzen entwickelte Grätzel und sein Team Solarzellen, die mit Farbpartikeln im Grössenbereich von 2 bis 100 Nanometern arbeiten und Solarenergie effizient sammeln und in elektrischen Strom beziehungsweise Treibstoff umwandeln können. Die entwickelte Farbstoffsolarzelle (FSZ) und die daraus hervorgegangenen Perowskit-Solarzellen (PSZ) erreichen mittlerweile eine Energieumwandlungseffizienz von über 20 Prozent.

Neue Denkansätze

Man darf auch gespannt sein, ob ein intelligentes Stromnetz, das so genannte Smart Grid, dazu beitragen wird, dass Energieerzeuger und Konsumenten miteinander kommunizieren können. «Die Stromnetze geraten aufgrund der erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne aus der Balance», erklärte Wolfgang Hass, Principal Expert bei Siemens Building Technologies. Verbrauch und Erzeugung seien zu koordinieren und er sei davon überzeugt, dass eine lückenlose Stromversorgung nur zu gewährleisten sei, wenn der Energiekonsum eines Gebäudes zum einen effizienter wird, zum anderen über das intelligente Stromnetz in einem Dialog mit den Energieerzeugern stehe. Pilotanlagen, so der Siemens-Manager, würden die ersten Erkenntnisse liefern. Wie die Politik die Marschroute vorgibt, erläuterte Manfred Greis, Leiter Unternehmenskommunikation der Viessmann Group am Beispiel der Europäischen Union. Diese habe, im Gegensatz eines verbindlichen globalen Kyoto-Nachfolgeabkommens, ihre selbst gesteckten Energie- und Klimaziele im Oktober 2014 noch einmal verschärft. Die politischen Rahmenbedingungen in der EU geben vor, dass bis 2030 der Energieverbrauch um 27 Prozent verringert, der Anteil erneuerbarer Energien auf 27 Prozent gesteigert und der CO2-Ausstoss gegenüber 1990 um mindestens 40 Prozent reduziert werden. Die energiepolitischen Ziele der Schweiz seien mit denen Deutschlands durchaus vergleichbar. Durch den sich bis 2035 hinziehenden Ausstieg aus der Kernkraftnutzung verbleibe etwas mehr Zeit, die «Stromlücke» durch Effizienzmassnahmen sowie den Ausbau der erneuerbaren Energien zu schliessen, meinte der Kommunikationsfachmann.

Fundament soll für Stabilität sorgen

Ähnlich wie in Deutschland ist man auch in der Schweiz daran, die politischen Rahmenbedingungen für die Energiestrategie 2050 zu schaffen. Ein erstes Massnahmepaket für ein neues Energiegesetz und einen geordneten Ausstieg aus der Kernkraft ist vom Nationalrat in Angriff genommen worden,  sagte die Aargauer Ständerätin Pascale Bruderer, Mitglied der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, welche die bundesrätliche Energiestrategie vorberaten hat. Sie betonte am Haustech-Planertag, dass es sich bei der Neuausrichtung um eine Gesamtenergiesichtweise handle und nicht nur um den Ausstieg aus der Atomenergie. Gebäude seien die grössten Energieverbraucher, noch vor dem Verkehr und der Stromerzeugung – «und sind bisher alles andere als energieeffizient». Auch seien viele von den zentralen Wärmeerzeugern in der Schweiz völlig veraltet. Dieser Modernisierungsstau müsse dringend aufgelöst werden – beispielsweise mit neuen Technologien und mit kantonalen Förderprogrammen. Zum Schluss des Jubiläumsanlass plädierte Elmar Mock, Gründer und Managing Partner von Creaholic, in seinem Referat, für mehr kreative Prozesse und für mehr Mut, neue Wege für Unerforschtes zuzulassen. In solchen Prozessen müsse man dann auch das Unmögliche denken und in diesem Sinne wünsche er eine energetische Zukunft, die fantasievoll umgesetzt werde und wo Innovationen ihren festen Platz erhielten.

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