Haustech 8/2018

«Jede Lösung ist individuell»

Barbara Frei zeigt sich im Gespräch mit Haustech überzeugt, dass die Zukunft elektrisch sein wird und dass erneuerbare Energiequellen die fossilen Brennstoffe dank intelligentem Energiemanagement ersetzen können. (Foto: Schneider Electric)
Simon Eberhard /

Seit etwas mehr als einem Jahr ist die Schweizerin Barbara Frei als CEO und Zone President DACH für die deutschsprachige Region von Schneider Electric verantwortlich. Haustech unterhielt sich mit ihr über die Strategie ihres Unternehmens, die Chancen und Risiken der Digitalisierung und darüber, wie smart ihr eigenes Zuhause ist.

Frau Frei, seit Juli 2017 sind Sie CEO der DACH-Region von Schneider Electric. Welche Unterschiede haben Sie festgestellt zwischen dem deutschen und dem Schweizer Markt?

Was die verschiedenen Anspruchsgruppen wie Planer, Generalunternehmer oder Systemintegratoren betrifft, funktionieren beide Märkte ähnlich. Das Marktvolumen in Deutschland ist natürlich aufgrund der Marktgrösse und der höheren Anzahl von Mitbewerbern wesentlich grösser und kompetitiver als in der Schweiz. Die Grösse, der starke Mittelstand und die hohe Innovationskraft machen den deutschen Markt sehr attraktiv. Aber auch der Schweizer Markt birgt ein grosses Potenzial, das es zu heben gilt: Der Bereich Wohngebäude wie auch der Bereich Zweckgebäude wachsen stark und werden gefördert durch die ebenfalls hohe Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft.

Dafür steht auch das Schweizer Traditionsunternehmen Feller AG, das seit 1992 eine Tochtergesellschaft von Schneider Electric ist. Wie positionieren Sie dieses innerhalb der Schneider-Gruppe?

Die Feller AG ist ein ganz wichtiger Teil von Schneider Electric und spielt eine tragende Rolle in unserem Residential-Bereich.  Das Tochterunternehmen ist oft auch ein «Frontrunner», wenn es darum geht, Innovationen auszuprobieren. Derzeit arbeiten wir intensiv an neuen Entwicklungen im Bereich Smart Home und werden da auch zusammen mit dem Know-how von Schneider Electric neue Wege bestreiten. Auch bei mir zu Hause werden gerade die Vorbereitungen dafür getroffen.

Dann wollen Sie auch bei Ihnen zu Hause smart unterwegs sein?

Ja, mein Anspruch ist, das Licht oder auch die Heizung steuern zu können, wenn ich nicht zu Hause bin. Für mich ist die Digitalisierung im Haushalt ein wichtiger Aspekt, weil sie mir auch mehr Lebensqualität gibt. Die grosse Herausforderung wird in Zukunft darin bestehen, dass alle Komponenten wie Licht, Heizung, Haushaltsgeräte miteinander kommunizieren und auf einer Plattform integriert werden können. Aus diesem Grund gehen wir auch Partnerschaften ein, beispielsweise mit Philips Lighting «Friends of Hue», um dies für den Endkunden sicherzustellen. Ich bin überzeugt, dass die Nachfrage nach digitaler Vernetzung auf Nutzerseite vorhanden ist, wenn ein Mehrwert generiert werden kann. Natürlich begünstigen daneben noch weitere Faktoren die Entwicklung zum Smart Home.

Zum Beispiel?

Ein wichtiger Aspekt ist der Investitionsschutz. Es ist ähnlich wie bei Automobilen: Ein Neuwagen ab einer gewissen Preisklasse muss heute ein eingebautes Navigationssystem mitbringen, weil dies heute Standard ist. Im Smart-Home-Bereich bei Neubauten dürfte die Entwicklung in eine ähnliche Richtung gehen. Das heisst, es ist auch eine Entscheidung des Investors, diese Technologien zu verbauen, um so den Wiederverkaufswert für das Haus zu gewährleisten beziehungsweise den Mietwert zu steigern. Auf jeden Fall glauben wir, dass mit Smart Home auch in Zukunft eine Wertsteigerung erreicht werden kann bei Liegenschaften. Und gerade in der Schweiz wird viel gebaut, es wird viele Mietwohnungen geben, und durch unsere Lösungen können wir uns ganz klar differenzieren.

Was erwarten Sie als Anbieter von Systemlösungen von Schweizer Planern, Architekten und Bauherren?

Heute wird noch zu stark auf die Investitionsausgaben (Capex) anstatt auf die Betriebskosten (Opex) geachtet. Doch letztendlich geht es darum, ein Gebäude über 20 oder 30 Jahre energieeffizient und für den Nutzer angenehm zu betreiben. Der Markt muss dafür sensibilisiert werden, nicht nur die Capex-, sondern die gesamten Lifecycle-Kosten zu betrachten. Dies trifft man ja nicht nur im Gebäudebereich an, sondern auch in der Industrie. Die Schweiz ist in dieser Hinsicht gegenüber Deutschland schon recht fortschrittlich, doch es müsste noch mehr geschehen. Auch heute gibts noch viele neue Überbauungen ohne ein gutes Gebäudemanagementsystem. Dies ist in meinen Augen ein Muss für die Zukunft. Und dafür braucht es die Digitalisierung.

Diese betrifft nicht nur die Produkte. Inwiefern beeinflusst die Digitalisierung Ihre eigenen Geschäftsprozesse?

Wenn wir gegenüber unseren Kunden wirklich überzeugend auftreten wollen, müssen wir auch unsere eigenen Prozesse digitalisieren. Im Endeffekt geht es immer darum, den Kunden besser zu kennen, besser zu wissen, was er tun will. Wir stellen derzeit zahlreiche Datenanalysten ein, darunter viele Digital Natives, um aus der Fülle von Daten schneller Schlüsse zu ziehen zugunsten des Kunden. So können wir ihm gegenüber überzeugender auftreten und unsere eigenen digitalen Lösungen platzieren. Wobei es uns nicht einfach um das Sammeln von Daten geht. Wir müssen letztendlich einen Mehrwert für unsere Kunden generieren.

Was verstehen Sie darunter?

Wir sprechen hier von «Smart Data Solutions»: Jede IoT-Lösung ist ganz individuell und massgeschneidert – keine sieht aus wie die andere. Die Ansprüche der Kunden sind völlig heterogen. Wir sammeln daher nur diejenigen Daten, die wirklich aussagekräftig sind und uns dabei helfen, managementgerechte Entscheidungen zu treffen. Aber natürlich muss die Datenmenge hierfür gross genug sein.

In diesem Zusammenhang ist das Thema Datenschutz nicht weit. Seit 25. Mai 2018 sind die neuen Datenschutzrichtlinien der EU in Kraft. Welche Folgen hat das für Ihr Unternehmen gehabt?

Natürlich haben wir unsere internen Prozesse überprüft, damit diese mit den Richtlinien konform sind. Persönlich finde ich es positiv, dass die EU jetzt über eine übergreifende Richtlinie verfügt und nicht jedes Land seine eigene Lösung verfolgt. Heute gibt es gute Tools, die dabei helfen, diese Datenschutz-Richtlinien einzuhalten. Gerade beim Thema Big Data gibt es natürlich immer wieder Diskussionen darüber, welche Daten gesammelt werden und wie stark sie anonymisiert werden. Solche Diskussionen müssen geführt werden, denn sie definieren auch das Geschäftsmodell.

Ein weiterer Megatrend neben der Digitalisierung sind die Umwälzungen im Energiebereich. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz haben in den letzten Jahren erhebliche Umwälzungen im Energiebereich stattgefunden. Wie hat das die Strategie Ihres Unternehmens beeinflusst?

Es hat unsere Strategie nicht wirklich beeinflusst, sondern eher bekräftigt. Wir sind ja nur auf der Nachfrageseite tätig, das heisst, wir produzieren keine Energie, sind aber stark, wenn es darum geht, diese zu verteilen sowie besser und effizienter zu nutzen. Wir glauben, dass die Zukunft elektrisch sein wird und dass erneuerbare Energiequellen die fossilen Brennstoffe im Zusammenhang mit intelligentem Energiemanagement ersetzen werden. Dazu gehören natürlich auch die Einbindung der Elektromobilität, die Frage nach Speichermöglichkeiten – Stichwort: Power-to-x – und die Berücksichtigung des Prosumer-Trends. So gesehen bestätigen uns die Entwicklungen in der Energiepolitik darin, dass wir das Richtige tun.