«Interdisziplinarität ist ein Erfolgsfaktor»

Adrian Altenburger: «Wir versuchen, für unsere Studenten Türen zu öffnen und attraktive Angebote zu entwickeln.» (Photo: Peter Frommenwiler)
Monika Schläppi /

Adrian Altenburger hat vergangenes Jahr aus der Wirtschaft an die Hochschule Luzern – Technik & Architektur gewechselt. Im Gespräch erläutert er die Gründe für seinen Neubeginn und die Schwerpunkte seiner neuen Tätigkeit.

Haustech: Sie waren bis Mitte 2015 in grossen Firmen wie der Elektrowatt Engineering AG (EWE) und Amstein+Walthert AG (A+W) tätig, bevor Sie an die Hochschule Luzern – Technik & Architektur (HSLU) gewechselt haben. Was gab den Ausschlag für diesen Wechsel?
Adrian Altenburger: Ich war gut 25 Jahre im Engineering tätig, sowohl national als auch international. 2013 habe ich ein Sabbatical in Boston verbracht. Ich wurde zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alt, also die richtige Zeit, um über den letzten beruflichen Lebensabschnitt und dessen Herausforderungen nachzu-denken. Natürlich möchte ich nicht behaupten, dass im Engineering keine Herausforderungen mehr vorhanden wären. Ich hätte mir sehr gut vorstellen können, weiterhin bei A+W tätig zu sein. Auf der anderen Seite habe ich schon immer in meinem Leben neue Herausforderungen gesucht. Sei es früher im militärischen Bereich oder in ganz jungen Jahren im Sport.

Es gibt in unserer Branche nicht sehr viele Alternativen, zumal die Firma Amstein+Walthert zur Spitze gehört und ich dort immer interessante Aufgaben, auch in der Führung und Entwicklung inne hatte. Doch nach 25 erfolgreichen Jahren im Engineering war es an der Zeit «Neuland» zu betreten. Deshalb wollte ich für die weiteren Jahre im Berufsleben vor allem inhaltlich nochmals etwas anderes machen. Nach einer vertieften Analyse kam ich zum Schluss, dass die Abteilungs- und Studiengangleitung Gebäudetechnik eine interessante Aufgabe ist. Neben der eigentlichen Dozententätigkeit ist auch die Führung der zahlreichen Lehrbeauftragten sowie der neben- und hauptamtlichen Dozenten anspruchsvoll. Ich bin davon überzeugt, dass ich den jungen Studierenden auch etwas von meiner Erfahrung mitgeben, aber auch die Entwicklung des Studiengangs für die Gebäudetechnikbranche insgesamt sicherstellen kann.

In welche Richtung wird sich die Gebäudetechnik weiterentwickeln?
Unsere Branche sollte mehr das Selbstverständnis einer Industrie im Sinne der Prozessqualität entwickeln  und weniger gewerblich auftreten. Ich hatte immer den Eindruck, dass wir, im Vergleich zu anderen Branchen, etwas im Hintertreffen sind. Das hat vielleicht mit der Bildung zu tun, aber nicht nur. Ich möchte hier einen Beitrag leisten, damit auch die Prozessqualität, neben der Fachkompetenz, weiterentwickelt wird.

Grundsätzlich würde ich sagen, dass wir fachlich mit unserem Curriculum der Lehre sehr fit sind. Es gibt punktuell natürlich immer wieder Anpassungen aufgrund von neuen Entwicklungen. Dabei ist es wichtig, dass auch bei den Prozessen eine Wechselwirkung gelebt wird. Nicht nur zwischen den Dozenten und den wissenschaftlichen Mitarbeitern, sondern auch in der Lehre. Bei den Prozessen, das finde ich ganz wichtig, möchten wir an der Hochschule Luzern auch die Interdisziplinarität verstärken.

Wir sind die einzige Hochschule in der Schweiz, die im Baubereich alle vier Hauptdisziplinen im Hause vereint: Architektur, Innenarchitektur, Gebäudetechnik und Bauingenieurwesen. Im Moment arbeiten wir an den Vorbereitungen für eine interdisziplinäre Bachelor-­Diplomarbeit. Das heisst, die Diplomarbeit wird in interdisziplinären und nicht in fachdisziplinären Teams absolviert. Das ist eine Entwicklung, die, so glaube ich, sehr gut zu unserer Institution passt und auch einen Mehrwert für die Wirtschaft generiert.

Interdisziplinarität war für mich immer ein Erfolgsfaktor in meiner Tätigkeit als Ingenieur in der Planung. Es gibt praktisch keine Projekte und elegante Lösungen, die nicht zwingend zusammen mit anderen Disziplinen entwickelt werden müssen. Es ist deshalb wichtig, dass man die Denkweisen, aber auch die
Prämissen der Planungspartner, besser versteht.

Das vollständige Interview ist in der Haustech-Ausgabe 3/2016 erschienen.