Höhenflug gestoppt

Nach dem Wohnbauboom haben sich jetzt die Auftragseingänge abgeschwächt. (Photo: zvg)
Curt M.Mayer /

In der Bauwirtschaft hat sich einerseits die Auftragslage spürbar zurückgebildet, andererseits waren die Margen in den vergangenen Monaten stark unter Druck. Doch wird nach einem Rückgang der Bauinvestitionen im 2015 für das neue Jahr wieder eine leichte Zunahme des Bauvolumens vorausgesagt.

Bei der bauwirtschaftlichen Lage kann gegenwärtig tendenziell eine leichte Abkühlung konstatiert werden. Nach den Feststellungen von BauenSchweiz-Präsident Hans Killer ist der Rückgang je nach Region unterschiedlich: «Spürbar verschlechtert hat sich die Situation vor allem in den Tourismusregionen, wo sich nun zunehmend die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative bemerkbar macht.» Als bedenklich bezeichnet Killer auch das Preisniveau für Bauleistungen, das sich seit längerem und trotz guter Auftragslage auf dem Abwärtspfad befindet.

Planungssektor auf gutem Weg

In den Schlüsselbereichen Baugewerbe und Projektierungssektor hat sich die Geschäftslage seit Oktober uneinheitlich entwickelt. So verbesserte sich die Situation bei den Projektierungsbüros gemäss der Herbstumfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) leicht und wird als überwiegend gut eingeschätzt. Demgegenüber hat sich die Situation im Baugewerbe spürbar abgekühlt, wobei die Baufirmen tendenziell von der Lageeinschätzung «gut» auf «befriedigend» gewechselt haben. Dies dürfte nach der Feststellung der KOF insbesondere an der Ertragsentwicklung liegen: Die Margen für Bauleistungen standen in den vergangenen Monaten unter Druck. Die Erträge schrumpfen zwar auch bei den Projektierungsbüros, jedoch nicht so verbreitet wie bei den Baufirmen. Die Reichweite der Auftragsbestände ist im Baugewerbe zwar gestiegen, doch geht dies auf Kosten einer niedrigeren Kapazitätsauslastung. Da sich die Baufirmen weiterhin einem hohen Preisdruck ausgesetzt sehen, rechnen sie laut KOF auch für die nahe Zukunft mit sinkenden Erträgen. Dagegen hoffen die Projektierungsbüros, dass sich die negative Ertragsentwicklung zurückbildet.

Abgeschwächte Baudynamik

Die Entwicklung der Bautätigkeit zeigte sich nach der Spitze von 2014 im zu Ende gegangenen Jahr als verhalten. Konjunkturauguren wie KOF und BAK rechnen bei einem Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,9 Prozent im 2015 und 1,4 Prozent im 2016 mit einer Stagnation der Bauinvestitionen im zu Ende gegangenen Jahr, gefolgt von einer Zunahme um 0,7 Prozent im 2016. Im Bauhauptgewerbe dürften die Umsätze als Folge der vor Jahresfrist eingesetzten Konsolidierung 2015 tiefer ausgefallen sein als 2014. Die rückläufige Dynamik schlägt sich auch in sinkenden Arbeitsvorräten nieder, die aber immer noch über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegen. Die Konjunkturauguren erwarten deshalb, dass sich die Baukonjunktur im Verlauf von 2016 stabilisieren wird.

Gemäss dem Bauindex, von Credit Suisse und Schweizerischem Baumeisterverband gemeinsam erhoben, überwindet die Bauwirtschaft nach einem fünf Quartale andauernden Negativtrend ihr Zwischentief. Insgesamt dürfte 2015 für das Bauhauptgewerbe weniger erfolgreich ausfallen als das Vorjahr. Erkennbar ist diese von hohem Niveau ausgehende Abschwächung auch in einem deutlichen Rückgang der Zementlieferungen. Als Folge des anhaltenden Negativzinsumfelds mit den fehlenden Anlagealternativen fliesst Kapital jedoch verstärkt in Bauinvestitionen. Die dadurch ausgelöste Bautätigkeit dürfte sich auf die Umsatzzahlen des Baugewerbes stabilisierend auswirken, sodass sich die Abwärtstendenz nicht weiter fortsetzt, heisst es im Bauindex.

Die Baukonjunktur ist weiterhin durch erhebliche regionale Unterschiede geprägt. Gemäss dem CS-Branchenmonitor ist eine im langjährigen Vergleich noch immer hohe Planungstätigkeit für Hochbauprojekte insbesondere in der Ostschweiz sichtbar. Im Alpenraum hingegen sind die Folgen der Zweitwohnungsinitiative deutlich zu beobachten. Hier wird jedoch eine allmähliche Stabilisierung der Baukonjunktur erwartet, da das verabschiedete Zweitwohnungsgesetz die entsprechende Bautätigkeit zwar beträchtlich erschwert, aber nicht verunmöglicht.

Die rückläufige Dynamik im Bauhauptgewerbe schlägt sich auch in sinkenden Arbeitsvorräten nieder. Jedoch liegen diese noch immer 1,8 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, und ein Einbruch der Umsätze wird daher als unwahrscheinlich angesehen. Zusammen mit der erwarteten leichten Erholung des BIP-Wachstums, dem Ende der Korrektur im Alpenraum und dem zinsbedingt noch immer hohen Anlagedruck dürfte dies laut Bauindex bewirken, dass sich die Baukonjunktur im Verlauf des Jahres 2016 stabilisiert.

Der vollständige Artikel ist in der Haustech-Ausgabe 1-2/2016 erschienen.