Haustech 7/2018

«Günstiger sein als der Totalersatz von Wasserleitungen»

Paolo D'Avino /

Vor rund 33 Jahren hat Werner Näf die Rohrinnensanierung erfunden und ein Verfahren entwickelt, das heute noch Gültigkeit hat. Der kreative Geist ist seit zwei Jahren nicht mehr operativ im Familienunternehmen tätig, doch als Spiritus Rector immer noch aktiv.

Haustech: Herr Näf, Trinkwasser ist Ihr Element. Wie kam es zu dieser Affinität?

Werner Näf: Als Ingenieur habe ich mich seit jeher um wasserführende Leitungen gekümmert, und als Vater von drei Kindern und inzwischen als mehrfacher Grossvater ist mir natürlich sauberes Trinkwasser sowieso ein wichtiges Anliegen. Das Trinkwasser ist bei uns in der Schweiz von hervorragender Qualität, und die gilt es zu bewahren. 

Sie haben die Rohrinnensanierung vor rund 30 Jahren erfunden und ein Verfahren entwickelt, das heute noch Bestand hat. Der Ursprung Ihrer Idee?

Mit der Entwicklung eines Verfahrens zur Innen
sanierung von Trinkwasserleitungen wurde ich damals beauftragt. Seither hat mich die Thematik nicht mehr losgelassen und ich bin ständig am Weiterentwickeln. Die Adaption auf Fussbodenheizungen kam beispielsweise aufgrund eines Nachbarn zustande. Dieser hatte Probleme mit der Beheizung seines Pools und fragte mich an, ob ich einen Lösungsvorschlag hätte. So begann die Entwicklung des HAT-Systems, mit dem wir bereits seit 1999 Bodenheizungen von innen nachhaltig sanieren.

Auf welchem Prinzip baut die von Ihnen entwickelte Innensanierung von Rohren auf?
Die Grundidee entstammte dem schweren Korrosionsschutz.

Was muss eine Rohrsanierung bieten können?

Eine Rohrsanierung muss die Lebensdauer einer Anlage im besten Fall um eine Generation verlängern. Sie soll zudem den Betrieb des Gebäudes kaum stören und natürlich günstiger sein als ein Totalersatz. All das können wir mit unseren Rohrinnensanierungstechnologien gewährleisten.

Wer ist eigentlich für die Trinkwasserleitungen verantwortlich?

Ab der Wasseruhr, also im Gebäude selber, ist der Gebäudebesitzer verantwortlich für die Wasserqualität. Dieser muss gewährleisten können, dass das Trinkwasser den Anforderungen entspricht und somit auch, dass die Installation, die dieses transportieren soll, den Ansprüchen als Lebensmittelverpackung taugt. Insbesondere sind dabei die folgenden Grundlagen wichtig: Das Lebensmittelgesetz (LMG) Art. 14, die Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV Art. 30) sowie die TVO Trinkwasserverordnung 2001 / § 17, Absatz 1 und die Vorgaben der kantonalen Kontrollbehörden.

Wer sollte sich denn für eine Rohrleitungssanierung interessieren?

Im Grunde sollte sich jeder Hausbesitzer mit dem Thema wasserführende Leitungen im Gebäude beschäftigen. Bezüglich Rohrinnensanierung sind aber insbesondere Besitzer von Liegenschaften, die älter als 25 Jahre sind, angesprochen. Vor allem auch dann, wenn Probleme auftauchen. Druckschwankungen, erschwerte Regulierung der Temperatur und insbesondere verfärbtes Wasser sind deutliche Anzeichen dafür, dass sich die Trinkwasserinstallation nicht im optimalen Zustand befindet.  

Sie messen der Analyse von Trinkwasserleitungen grosse Bedeutung zu. Warum?

Die Analyse ist für uns immer auch eine Machbarkeitsstudie. Dank unserer aufwendigen Untersuchungen vor Ort sind wir in der Lage, Aussagen über den Zustand der gesamten Installation abzugeben und können so dann auch entsprechende Massnahmen oder Empfehlungen abgeben. Ohne Analyse ist es uns nicht möglich, eine Sanierung zu offerieren, da jede Installation sehr individuell ist.

Worüber soll denn eine solche Analyse Auskunft geben?

Die Analyse gibt Auskunft über den Zustand der gesamten Installation. So werden im Wasser diverse chemische Parameter untersucht, die Hydraulik der Installation getestet, eine endoskopische Aufnahme der Leitungen gemacht, alle Zapfstellen dokumentiert und schliesslich ein detaillierter Analyse
beschrieb mit individuellen Massnahmen und Empfehlungen ausgearbeitet.

Rohrinnensanierungen mit Epoxidharz kamen irgendwann in Verruf. Was lief da falsch, obwohl dies lange der Erfolg Ihres Unternehmens ausmachte?

Es ist so, dass wir viele Jahre lang problemlos mit einem Sanierungsverfahren auf Epoxidharzbasis gearbeitet haben. Wir hatten viele Lizenznehmer im In- und Ausland und es gab nie Probleme. Als sich dann einige Lizenznehmer selbstständig machten und Kopisten auf den Markt drängten, konnten wir als Erfinderfirma die Qualitätssicherung nicht mehr gewährleisten, was uns dazu bewegte, auf ein neues System respektive ein neues Beschichtungsmaterial, den Zement, zu setzen. 

Sie setzen auf eine Zementbeschichtung – das Anrosan-Verfahren. Wie kam es dazu?

Tatsächlich habe ich bereits zu den Anfängen meiner Selbstständigkeit, Mitte der 1980er-Jahre, begonnen, mit Zementbeschichtungen zu arbeiten. Danach waren wir lange Zeit mit Epoxidharz-Beschichtungen erfolgreich unterwegs. Leider kam es, wie erwähnt, bei anderen Firmen zu falschen Anwendungen, und so wurde schliesslich die ganze Branche in Verruf gebracht. Dies, sowie Tendenzen aus der EU, wonach der Einsatz von Epoxidharzen stark eingeschränkt werden sollte, brachte mich schliesslich vor zwölf Jahren zurück zu meiner anfänglichen Idee und wir arbeiteten fünf  Jahre lang daran, das System einsatzbereit zu machen. 2011 kam Anrosan schliesslich auf den Markt und ist bis heute weltweit einzigartig. Eine Zementbeschichtung ist naheliegend, weil auch öffentliche Zubringerleitungen mittels Zement beschichtet werden können. Dies bereits seit rund 100 Jahren. Die Herausforderung war es, das System auf die kleinen Durchmesser der Hausinstallationen abzustimmen.

Die Naef Group ist heute breit aufgestellt. Wie viel trägt die Sanierung von Trinkwasserleitungen noch zum Umsatz bei?

Die Sanierung von Trinkwasserleitungen ist eine der Hauptdienstleistungen der Naef Group. Klar, dass diese für uns zentral ist. Der Heizungsbereich mit dem HAT-System zur nachhaltigen Innensanierung von Bodenheizungen und mit der Einfrästechnik für die nachträgliche Installation von Bodenheizungen ist alles in allem etwas grösser als der Bereich Trinkwasser.

Sie bieten heute neben der Sanierung und dem Einfräsen von Bodenheizungen mit der Leitungsortung einen neuen Geschäftszweig an: Was muss man sich darunter verstehen?

Die Leitungsortung oder Pipefinder ist vielmehr eine Zusatzdienstleistung im Zusammenhang mit Anrosan denn ein eigentlicher Geschäftszweig. Wir wollen den Liegenschaftsbesitzern eine qualitativ einwandfreie und lebensmitteltaugliche Trinkwasserzufuhr ab dem Gebäudeeingang bieten. Für die Qualität auf den letzten Metern ist, wie eingangs erwähnt, der Hausbesitzer verantwortlich. Mit dem Pipefinder  ist es uns möglich, Blindleitungen, also vom System unsauber getrennte Teilstücke, wie diese oft bei Umbauten entstehen, zu entdecken und zu eliminieren.

Welche Zielgruppe nimmt eine solche Leistung in Anspruch?

Wir erhalten sowohl von Privaten wie auch von institutionellen Kunden Aufträge. Wenn in einem Gebäude bereits ein Umbau der Nasszellen oder der Küche stattgefunden hat, ist es eher wahrscheinlich, dass der Pipefinder zum Einsatz kommt.  

Ihre Trinkwassersanierungen sind weltweit gefragt. Wie stemmt man eine derart grosse Nachfrage?

Wir haben uns bereits vor einigen Jahren aus dem weltweiten Lizenzgeschäft zurückgezogen. Ursprünglich haben wir unsere Systeme auf Franchise-Basis vertrieben. Da aber die Systeme und die Qualitätsansprüche in den verschiedenen Ländern derart unterschiedlich sind, haben wir uns schliesslich entschlossen, mit eigenen Teams und nur in der Schweiz zu arbeiten.

Sie sind ein kreativer Geist. Was für Ideen wollen Sie noch realisieren?

Das Schöne an der Kreativität ist, dass man diese nicht erzwingen kann oder muss. Es kann sein, dass ich am Morgen aufstehe und eine neue Dienstleistung ins Leben rufe. Mir ist es aber nicht wichtig, möglichst viele neue Dienstleistungen auf den Markt zu bringen, sondern unseren Kunden  gute Produkte mit grösstem Nachhaltigkeitsfaktor anbieten zu können. Somit kümmere ich mich auch um die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung unserer bestehenden Dienstleistungen. Ansonsten durfte ich mich vor zwei Jahren grösstenteils aus der operativen Geschäftstätigkeit zurückziehen und diese meinem Sohn Ramon als Geschäftsführer und meinen beiden Töchtern Sarah und Isabelle Näf, die ebenfalls in der Geschäftsleitung sitzen, übergeben. Somit habe ich nun mehr Zeit für meine liebsten Hobbys und meine Frau Anneliese.