«Grüner» Campus für die weltbeste Hotelfachschule

Der neu projektierte Eingangsbereich der Hotelfachschule Lausanne. (Photo: zvg)
Antonio Suárez /

Um die steigende internationale Nachfrage zu decken, baut die Hotelfachschule Lausanne ihren Betrieb aus. Bis 2020 soll die Zahl der Auszubildenden von 2400 auf 3000 erhöht werden. Im Zentrum der Entwicklungsstrategie steht die Nachhaltigkeit. Mit dem Ausbau wird der Campus noch grüner.

Global gesehen beschäftigt die Hotellerie um die 100 Millionen Arbeitnehmer, was rund 3,4 Prozent aller Erwerbstätigen weltweit entspricht. Wichtigste Bildungsinstitution des Sektors in der Schweiz ist die Ecole hôtelière de Lausanne (EHL). Sie ist das Aushängeschild der Schweizer Touristik und gilt heute als renommierteste Hotelfachschule der Welt. Die 1893 vom Berner Hotel-
pionier Jacques Tschumi gegründete Einrichtung steht seit den Siebzigerjahren weit oberhalb des Genfersees im Stadtteil Chalet-à-Gobet. Um die steigende internationale Nachfrage nach Ausbildungsplätzen zu befriedigen, stehen Wachstumspläne an. Künftig soll die EHL 3000 Studierende ausbilden, von denen 1000 in 450 Studios auf dem Campus beherbergt werden sollen. Die Internationalität der Bildungseinrichtung ist eines ihrer Markenzeichen. Deshalb ist es für die Projektleiter entscheidend, wie die Masseneinwanderungsinitiative umgesetzt wird. Denn Ziel der EHL sei es, die Schule als multikulturelle Institution zu erhalten, wie der leitende Direktor des Campus-Entwicklungsprojekts, Rémi Walbaum, betont. An der EHL sind Studierende aus 90 verschiedenen Ländern immatrikuliert, wovon zirka zwei Drittel aus Europa. Denn die Schule versteht sich nicht nur als schweizerische, sondern in erster Linie als europäische Institution.

«Crowd-Architecture»

In einer ersten Ausbauetappe wurden bereits die Kapazitäten der Vorlesungssäle erhöht, um den Alltag für die Lernenden noch angenehmer zu gestalten. Dafür wurden 32.3 Millionen Franken investiert. Der nun anstehende Ausbau wird etappenweise vonstattengehen, Baubeginn ist für Herbst 2016 geplant. Der Abschluss der Arbeiten erfolgt frühestens vier Jahre danach. Der Ausbau kostet zusätzlich 226 Millionen Franken. Im Vordergrund der Entwicklungsstrategie steht die Nachhaltigkeit. Der Campus soll gewissermassen zu einer «grünen Lunge» avancieren und mit dem Label Minergie-P zertifiziert werden. Zudem hat sich die Schule für die Nutzung von Geothermie entschieden. Gleichzeitig wird eine neue Recycling-Station errichtet, die zu Schulungszwecken aktiv von den Lernenden genutzt werden soll. Die Neubauten kommen an den Waldrand zu stehen und sollen sich harmonisch in die natürliche Umgebung einfügen.

Das Ausbauprojekt für den neuen Campus startete 2013. Für die internationale Ideensuche griff man auf das Prinzip des Crowd-Sourcing zurück. Projektleiter Walbaum bezeichnet das ungewöhnliche Verfahren mit dem Neologismus «Crowd-Architecture», da eine Vielzahl von Architektur­studenten aus aller Welt an der Konzipierung des Entwurfs beteiligt war. 385 Studierende von zehn unterschiedlichen Universitäten aus vier Kontinenten nahmen insgesamt am Wettbewerb teil, womit die Zahl der Beteiligten die Erwartungen um ein Vielfaches übertraf. Hundert von ihnen lud man dann auf den Campus ein, wo sie sich während einer Woche ein Bild von den örtlichen Gegebenheiten machen konnten. Das Ziel bestand darin, den neuen Campus so fit wie möglich für die Bedürfnisse künftiger Generationen zu machen. Aus diesem Grund wählte man bewusst den Ansatz «von Studierenden für Studierende».

Anschliessend wurden 36 Projekte in die engere Auswahl aufgenommen. Aus allen auserkorenen Eingaben wurde schliesslich eine Synthese erarbeitet, aus der ein Masterplan entwickelt wurde. Anstatt ein Gewinnerprojekt auszuzeichnen, hat sich die Jury entschieden, vier junge Talente zu selektionieren. Gewonnen haben den Ideenwettbewerb schliesslich Jon Irigoyen von der Universität Navarra (Spanien), Sofia Passos dos Santos von der Universität Porto (Portugal), Reiko Wei von der Rice School of Architecture in Houston (USA) sowie Pauline Jochenbein von der Genfer Fachhochschule für Landschaftsarchitektur HEPIA. Letztere wurde gemeinsam mit Irigoyen und Passos dos Santos bei der EHL angestellt, die seither das Projekt vor Ort anführen. Unterstützung erhalten sie von einem lokalen Expertenteam aus Profi-Architekten, -Ingenieuren und HLK-Fachleuten. Diese sekundieren allerdings nur die Jungarchitekten, und nicht etwa umgekehrt, wie Projektleiter Rémi Walbaum betont.

Der vollständige Artikel ist in der Haustech-Ausgabe 1-2/2016 erschienen.