Energetische Sanierungen und Radon

Radonmessgerät: Radonmonitor. (Photo: zvg)
D. Bionda, G. Settembrini, C. Ruckstuhl, P. Bucher, H. Manz /

Energetische Sanierungen bewirken in der Regel, je nach baulichem Eingriff, eine Erhöhung der Luftdichtigkeit der Gebäudehülle. Ob und unter welchen Bedingungen dies auch zu einer höheren Radonkonzentration im Gebäude führen kann, wird im Rahmen einer Studie der Hochschule Luzern untersucht.

Die energetische Sanierung des Baubestands ist eine der Hauptmassnahmen für die Reduktion des Energieverbrauchs im Schweizer Gebäude­park und für die Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050 des Bundesrates. Deshalb werden von den Kantonen und vom Bund Fördergelder dafür zur Verfügung gestellt. Gemäss aktuellen Schätzungen sind in der Schweiz zirka 1.5 Millionen Gebäude energetisch sanierungsbedürftig. In den nächsten Jahren bzw. Jahrzehnten ist deshalb mit einer grossen Anzahl energetischer Sanierungen von alten Bauten zu rechnen.

Energieeffizientes Bauen erfordert nebst einer thermisch hochgedämmten Gebäudehülle auch eine hohe Luftdichtigkeit und kontrollierte Luftwechselraten. Bei einem zeitgemässen Baustandard sind in Neubauten meist nur sehr geringe Konzentrationen von Radon zu erwarten. Im Rahmen einer früheren Untersuchung an 15 Niedrigenergieneubauten wurde in der Tat gezeigt, dass in modernen Bauten mit erwiesener dichter Gebäudehülle und einer kontrollierten mechanischen Lüftung nur sehr tiefe Radonkonzentrationen in den Wohnräumen vorkommen. Eingriffe an bestehenden Bauten können aber technische und bauphysikalische Schwierigkeiten bereiten, die bei Neubauten in der Regel nicht vorhanden sind. So werden bei typischen energetischen Sanierungen üblicherweise oberirdische Bauteile verändert. Bauteile gegen das Erdreich wie die Bodenplatte und die Aussenwände im ­Untergeschoss werden hingegen eher ­selten nachgedämmt. Falls solche Bauteile Infiltrationsstellen aufweisen (Risse, undichte Fugen und Mauerdurchführungen usw.), kann Radon, je nach Konzentration in der Bodenluft und Durchlässigkeit des Untergrundes, weiterhin ins Gebäude eindringen. Bei sanierten Bauten werden zudem Lüftungsanlagen seltener als in modernen Niedrigenergiebauten eingebaut. Ist die Gebäudehülle infolge der energe­tischen Sanierung luftdichter als vorher, kann dies aufgrund der resultierenden geringeren Luftwechselrate zu einer Erhöhung der Radonkonzentration in den Innenräumen führen.

Eine energetische Sanierung kann deshalb durchaus der richtige Zeitpunkt sein, um das Gebäude auf eine potenzielle Radonbelastung zu prüfen und gegebenenfalls notwendige bauliche Massnahmen zur Radonsanierung zu treffen. So empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Durchführung einer Radonmessung vor jeder energetischen Gebäudesanierung. Falls nötig können dann die Radonsanierung und die energetische Sanierung parallel durchgeführt und nach Beendigung der Arbeiten eine Kontrollmessung vorgenommen werden.

Revision der Strahlungsverordnung

Das Thema Radonbelastung in Gebäuden ist derzeit, im Hinblick auf die geplanten Anpassungen der gesetzlichen Vorgaben, von besonderem Interesse. Aktuell liegen die Grenz- und Richtwerte für die Radonbelastung in Wohn- und Aufenthaltsräumen in der Schweiz bei 1000 Bq/m3 bzw. 400 Bq/m3 (Art. 110 der Strahlenschutzverordnung). Verschiedene epidemiologische Studien weisen jedoch darauf hin, dass die von Radon ausgehende Gefährdung im Falle einer langfristigen Exposition bereits bei deutlich geringeren Werten als 1000 Bq/m3 berücksichtigt werden muss. In Anbetracht dieser Erkenntnisse und um die Strategie im Zusammenhang mit der Radonproblematik in der Schweiz neu auszurichten, wurde vom Bundesrat der nationale Radonaktionsplan 2012 – 2020 ins Leben gerufen.

Mit der geplanten Revision der Strahlenschutzverordnung, die ab 2017 in Kraft treten soll und voraussichtlich einen tieferen Referenzwert von 300 Bq/m3 vorschreiben wird, soll eine Anpassung an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) stattfinden. Der Radonschutz bei Bauten ist ebenfalls fester Bestandteil der neuen SIA 180 Norm, gültig seit dem 1. Juli 2014, und muss somit bei der Planung von Neu- und Umbauten gemäss heutigem Stand der Technik berücksichtigt werden.

Der vollständige Artikel ist in der Haustech-Ausgabe 05/2015 erschienen.