Die Schweiz zieht nach, teilweise

(Photo: Europäische Kommission)
Thomas Bürgisser /

Per 1. August 2016 werden neu auch hierzulande Wärmeerzeuger mit einer Energieetikette gekennzeichnet. Knapp ein Jahr nach der EU führt nun also auch die Schweiz die neue Regelung ein. Ausgerechnet Anlagekombinationen bleiben aber weiterhin aussen vor.

Bereits seit Oktober 2015 ist die Energieetikette für Wärmeerzeuger in der Europäischen Union obligatorisch. Nun, fast ein Jahr später, zieht auch die Schweiz nach. Per 1. August wird die Energieetikette für Wärmeerzeuger auch hierzulande obligatorisch, voraussichtlich mit einer Übergangsfrist von einem Jahr, wobei diese noch nicht definitiv festgelegt ist. Von dieser Änderung betroffen sind zum Beispiel Heizkessel, Wärmepumpen oder auch Warmwassererzeuger. Da das Energielabel vor allem Transparenz für den einzelnen Konsumenten schaffen soll, sind bei der Etikettenpflicht jedoch nur Wärmeerzeuger bis 70 kW sowie Warmwassererzeuger bis 500 Liter und 70 kW eingeschlossen.

Effizienz, Betriebsgeräusche & Co.

Was aber zeigt die neue Energieetikette? Damit auch wirklich ein Vergleich möglich ist, werden die einzelnen Produkte in Kategorien eingeteilt. Die Kategorie – zum Beispiel Wärmeerzeuger zur Raumheizung, Warmwasserbereiter,  Kombinationsgeräte sowie Warmwasserspeicher – wird auf der Energieetikette mit einem Symbol angegeben. Auf den Energieetiketten der jeweiligen Kategorie ist die Energieeffizienzklasse eines Produkts ersichtlich. Diese Einteilung geschieht auf der Grundlage der Jahresenergieeffizienz eines Gerätes, welche mit standardisiertem Verfahren errechnet wird. Hier sind vorerst noch die Energieklassen A++ bis G zugelassen. Schritt für Schritt werden die untersten Klassen jedoch verschwinden und somit «Energiefresser» nicht mehr erlaubt sein. Dies dürfte zusätzlichen Antrieb zur Entwicklung energieeffizienter Produkte geben und macht entsprechend Sinn. Nebst der Effizienzklasse soll die Etiketteje nach Produktekategorie beispielsweise auch Auskunft über Betriebsgeräusche innerhalb oder auch ausserhalb desGebäudes, Leistung oder Stromverbrauch geben, bei Wärmepumpen aufgeteilt nach einzelnen Klimazonen innerhalb Europas.

Weiterhin kein Verbundlabel

Die Schweiz übernimmt jedoch nicht ganz alle Vorschriften der EU. Der Bund könne keine Vorgaben an Verbundanlagen definieren, teilt das Bundesamt für Energie mit. Dies liege in der Kompetenz der Kantone. Aussen vor bleibt deshalb weiterhin das Verbundlabel. Ausgerechnet. Mit diesem müssen ebenfalls seit dem 1. Oktober 2015 in der EU  Heizungstechnik-Anlagen bestehend aus mehreren Komponenten gekennzeichnet werden, beispielsweise wennbei einer Hausrenovation ein Öl-Brennwertkessel mit Regelung, ein Multifunktionsspeicher und Solarkollektoren für das Warmwasser kombiniert zum Einsatz kommen. Die Effizienzklasse wird dabei aufgrund der Einzellabels der Komponenten sowie der Gesamtzusammensetzung ermittelt.

Im aufgezeigten Beispiel verfügen zwei der vier Komponenten bereits einzeln über ein Label (Öl-Brennwertkessel und Multifunktionsspeicher). Die Regelung des Öl-Brennwertkessels sowie die Solarkollektoren werten den Anlagenverbund mit Bonuspunkten zusätzlich auf und führen so zu einer besseren Gesamt-Effizienzklasse. Im Gegensatz zum Einzellabel wären für das Verbundlabel nicht die Hersteller verantwortlich, sondern die Planer und Installateure direkt beim Kunden vor Ort, welche die Anlagen konzipieren, kombinieren und in Betrieb nehmen.

Auswirkungen auf die Schweiz

Dass die Schweiz nun die Energieetikette für Einzelgeräte offiziell übernimmt, sei sehr begrüssenswert und ein Schritt in die richtige Richtung, beurteilt Konrad Imbach die Situation. Er ist Geschäftsführer von GebäudeKlima Schweiz, der  bedeutendsten Schweizer Hersteller- und Lieferantenvereinigung der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Das vorläufige Weglassen des Verbundlabels jedoch sei schade: «Gerade dieses wäre für die Schweiz eine Chance, energieeffiziente Lösungen weiter zu fördern.» Dies vor allem im Bereich der Brennwerttechnik, die man nicht aussenvor lassen dürfe. Im Renovationsbereich erfreue sich diese auch weiterhin grosser Beliebtheit. Dass sich auch bei derBrennwerttechnik zum Beispiel in Kombination mit Solar durchaus gute, energieeffiziente Lösungen realisieren liessen,würde ein Verbundlabel verbildlichen. «Aber auch darüber hinaus kommen Systemkombinationen immer häufiger zum Einsatz und sind mit ihrer Individualität die Lösung der Zukunft. Und genau für diese wäre das Verbundlabel ideal», erklärt Imbach.

Für die Schweizer Heizungstechnik-Branche ist deshalb klar: Das Einzellabel ist gut und recht, die Schweiz hinkt ohnedas Verbundlabel aber weiterhin der EU und der Marktentwicklung hinterher.