Die grosse Welle der Digitalisierung

v.l.n.r.: Michel Lambelet (Hoval AG, Geschäftsführer Verkauf & Service), Regula Späni (Moderatorin), Fabio Doriguzzi (Mobil in Time AG, Mitinhaber und Geschäftsführer), Patrik Lanter (NeoVac Gruppe, Mitinhaber und CEO), Peter Wick (MeteoNews AG, CEO/Inhaber), Stefan Fässler (Hoval AG, Regionalleiter Zürich/Zentralschweiz), Klaus Lenkner (Neuberger Gebäudeautomation GmbH, Geschäftsführer), Marcel Ginter (Mobil in Time AG, Mitinhaber und Geschäftsführer) (Foto: Frank Müller)
Podium mit den Veranstaltern. (Foto: Frank Müller)
Peter Wick (Foto: Frank Müller)
Roger De Weck (Foto: Frank Müller)
Ursula Trunz /

Die nächste industrielle Revolution rollt an. Mit voller Wucht. Und mit vielen Unsicherheiten. Aber auch mit grossen Chancen: Das HLK Portal 2017 hat die Farben und Schattierungen der Digitalisierung ausgeleuchtet, sie trifft Anbieter genauso wie Planer und Installateure.

Die HLK-Branche, mechanisch und physikalisch ausgereift, sieht sich gerade am Anfang: Die Digitalisierungswelle wälzt sich direkt auf sie zu. Neues Know-how ist gefragt, und gleichzeitig sollten «Anlagen so einfach wie möglich zu bedienen sein», so Marcel Ginter, Mitinhaber und Geschäftsführer der Mobil in Time AG. «Unsere Branche steht im Wind», sagt Hans-Peter Vögtli, Geschäftsführer Finanzen & Dienste der Hoval AG. Er denkt vor allem auch an das Marktvolumen, das seit drei Jahren schrumpft. Gleichzeitig hat Hoval eigens für die Digitalisierung eine Stelle geschaffen. Die NeoVac-Gruppe ihrerseits steht in Poleposition: Der Wärme- und Wasserverbrauch jeder zehnten Wohnung in der Schweiz wird bereits digital mit ihren Geräten gemessen und abgerechnet. «Im Bereich Smart Metering liegt aber noch viel Potential drin», weiss Patrik Lanter, CEO und Mitinhaber der NeoVac-Gruppe.

Mobil in Time, Weishaupt, Hoval und NeoVac haben gemeinsam zum HLK Portal 2017 geladen: «Trotz Digitalisierung muss alles ein Gesicht haben», findet Weishaupt-Geschäftsführer Richard Osterwalder am Rand des Spitzenanlasses. Energie 360° und Wilo haben das HLK Portal 2017 als Hauptsponsoren unterstützt. Als Co-Sponsoren firmieren der VSG, Arbonia, die Gima Kamin- und Abgastechnik AG, AERIAL GmbH, NAU Solar Systemtechnik und das Startup iCondit.

Der Mensch als Effizienzkiller

200‘000 Wärmepumpen sind in der Schweiz in Betrieb, und jedes Jahr kommen weitere 20‘000 dazu. Doch funktionieren sie auch effizient? Wenn nicht, steigt unweigerlich der Stromverbrauch. Patrik Lanter verweist in seinem Referat auf eine Studie des Schweizerischen Verbands für Wärme- und Wasserkostenabrechnung, wonach die Effizienz-Sollwerte durchschnittlich um 34% überschritten werden. Das Bundesamt für Energie seinerseits hat ermittelt, dass 60 bis 80% der Mehrfamilienhäuser und 40 bis 50% der Einfamilienhäuser die Planwerte nicht einhalten.

«Der Mensch mit seinem Nutzungsver-halten wird zum Effizienzkiller», warnt Patrik Lanter. Doch wird der Verbrauch mehrmals statt einmal pro Jahr abgelesen, eröffnet sich gemäss Rheinisch-Westfälischer Technischer Hochschule Aachen ein Sparpotenzial von immerhin 7 bis 12%. Patrik Lanter: «Man kann sich nur verbessern, wenn man weiss, wo man steht.» Die App myNeoVac macht genau das möglich: Sie lässt Ist-/Soll-Vergleiche zu, liefert Benchmarks zur Einordnung des eigenen Verbrauchs und hilft, die eigene Nutzung zu überdenken und die Einstellungen der Wärmepumpe zu optimieren. Patrik Lanter abschliessend: „Mit solchen Möglichkeiten können sich die Installateure bei den Kunden profilieren.“

Vier Megatrends integrieren

Stefan Fässler, Regionalleiter Zürich/Zentralschweiz von Hoval, macht vier digitale Megatrends aus: Das Internet der Dinge, Big Data, Cloud Computing und Social Media. «Wir integrieren diese Trends in unsere strategischen Betrachtungen. Sie isoliert zu behandeln wäre ineffizient.» Die Digitalisierung führt aus seiner Sicht dazu, dass nicht mehr nur Produkte, sondern das Gesamtpaket von Produkten, Dienstleistungen und Beratungen das Rennen machen wird. Es sind nicht mehr nur Produktmerkmale, sondern Ergebnisse als Verkaufsargumente, die ziehen werden, und somit verändert sich das Augenmerk von der Hardware zur Software. Stefan Fässler verweist dabei auf die neue Systemregelung Hoval TopTronic E: Sie bezieht die Wetterprognose aus dem Internet mit ein. Scheint am Nachmittag die Sonne in die Wohnung, drosselt die TopT-ronic E die Heizung rechtzeitig. Kommen die Bewohner früher oder später als gewohnt nach Hause, bedienen sie die TopTronic E per App. Das spart Energie und Geld und schont die Umwelt.

Stichwort Dienstleistung: Stefan Müller, der das Marketing und das Produktmanagement der Hoval-Gruppe verantwortet, nennt das Beratungs-Tool des System Calculators. Dieser nimmt die relevanten Daten etwa für ein geplantes Heizsystem auf. Hoval-Fachleute analysieren sie und leiten daraus die ökonomisch und ökologisch bestmögliche Systemlösung ab. Damit die Abnehmer von Fernwärme die Energie noch besser nutzen können, gibt es die Software TopTronic supervisor. Stefan Müller: «Software- und internetbasierte Lösungen wie diese schaffen Mehrwerte für den Endkunden.»

Wicks Vision

Gut, dass die Heizung heute bereits ans Internet angebunden werden kann. Der visionäre Peter Wick, CEO von MeteoNews und am HLK Portal gern gesehen und gern gehört, geht noch einen Schritt weiter: «Ich will jedes Haus auseinander nehmen und parametrisieren.» Die Wettermodelle sind heute derart hoch aufgelöst, dass sich das Wetter punktgenau vorhersagen lässt. Diese Punkte könnten in noch höherer Auflösung die einzelnen, mit Sensoren ausgerüsteten Zimmer eines Hauses sein. Südlich ausgerichtete oder windgeschützte Zimmer brauchen weniger Heizwärme. Die Steuerung würde automatisch auf die Prognose aus dem Internet für dieses eine Zimmer reagieren. «Wenn wir nicht grün denken», warnt Peter Wick, «schlittern wir in eine Katastrophe.»

Mobil mit Holzpellets heizen

Was Peter Wick fordert, kann Mobil in Time bereits bieten: eine «grüne» Lösung. Die mobile Holzpellets-Heizung Pellfix, die Mobil in Time seit 2015 anbietet, ist 2016 von Grund auf überarbeitet worden. Marcel Ginter präsentiert ein Bild vom World Economic Forum 2017 in Davos, wo Pellfix das Registrationszelt beheizt hat. Der Füllstand des Pellets-Behälters lässt sich – Stichwort Digitalisierung – per App abfragen, das erspart Fahrkilometer. Neu ist auch die mobile Elektroheizung MCU, die sich geradewegs für das Austrocknen von Neubauten anbietet: «Die Temperaturen lassen sich für einzelne Tage ganz einfach im Voraus programmieren und auch fernabfragen», erklärt Marcel Ginter. «Ist der Unterlagsboden dann trocken, kann man die Daten via USB Port auslesen.» Mobil in Time hat seinen Anlagenpark 2016 auf mehr als 720 Mietgeräte ausgebaut.

Digitales im Luxushotel

Die Digitalisierung ruft reihum nach Kompetenzen – welche die 100-prozentige Weishaupt-Tochter Neuberger schon hat. Das Unternehmen mit seinen rund 500 Mitarbeitenden führt sämtliche Steuerungen und Regelungen in der digitalen Gebäudeautomation zusammen – sei es etwa über Modbus, KNX oder eine direkte Verbindung. Die Integration reicht weit über die HLK-Anlagen hinaus. Klaus Lenkner – er leitet die Geschäfte von Neuberger – nennt neben Beschattung und Beleuchtung zum Beispiel den Brandschutz, die Medientechnik mit Audio und Video und, für Pharma-Unternehmen und Spitäler besonders wichtig, das Reinraum-Monitoring. «Dazu braucht es Know-how auf der ganzen Linie: von der Entwicklung über die Projektierung und Produktion bis zur Inbetriebnahme und zum Service.» Bedienung via Internet und Einbezug der Wetter-prognose für ein optimales Energiemanagement: bei Neuberger selbstverständlich. Das 5-Sterne-Deluxe-Hotel Chedi in Andermatt: eine von Klaus Lenkners Lieblingsreferenzen: Wer eincheckt, bekommt ein intuitiv bedienbares Tablet, über das sich Beleuchtung, Klima, Musik, Fernsehen und Sonnenstoren steuern lassen. «Aber», beschwichtigt Klaus Lenkner, «es gibt in den Zimmern und Suiten auch Lichtschalter.»

Dieser Umbruch ist massiv

«In der stolzen Demut des Journalisten» tritt SRG-Generaldirektor Roger de Weck am HLK Portal 2017 vors Publikum. Der Umbruch sei massiv, sagt er, sowohl in der HLK- als auch in der Medienbranche. Guten Journalismus zu betreiben, zugleich mit Blick auf die sozialen Medien Dialogfähigkeit zu entwickeln und das alles in einer Zeit, da die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer werde, das komme einer kleinen Revolution gleich. «Der Journalismus und sein Geschäftsmodell sind auch durch die Abwanderung der Werbung gewaltig unter Druck geraten. Wir stehen an einem ähnlichen Punkt wie Sie: Wir stehen in der Pflicht, noch mehr Mehrwert zu schaffen.» Um die Mittel dafür zu erlangen und um nicht nur um die Werbegeld-Brosamen zu kämpfen, welche globale Grössen wie Google übrig lassen, betreibt die SRG mit Ringier und Swisscom die Vermarktungsfirma Admeira. Und um in der internationalen Konkurrenz zu bestehen, braucht die SRG die Gebührengelder. «Wir arbeiten, gerade auch im Vergleich zu ande-ren, hocheffizient. Wir verbinden Kontinuität mit Agilität.»

Tom Lüthi, die Glücksfee

Bei aller Digitalisierung: Etwas Handfestes muss sein. Motorradrennfahrer und NeoVac-Botschafter Tom Lüthi zieht zum Schluss die Gewinner des Wettbewerbs, der traditionsgemäss zum HLK Portal gehört: Dimitrios Ioannidis, Gebäudetechniker bei Google Schweiz und Gewinner des 1. Preises, wird ihn am GP in Barcelona besuchen. Die Teilnehmer des HLK Portals 2017 haben anschliessend viel zu besprechen. Für Kontakt- und Netzwerkpflege ist der Anlass die erste Adresse, die sich bei erfahrenen Branchenvertretern längst eingeprägt hat. Sie haben sich auch schon das nächste HLK Portal notiert: Es wird voraussichtlich Ende Januar 2019 stattfinden.