«Die Energiestrategie ist breit abgestützt»

Peter Bieri: «Allein durch den Einsatz von Bestgeräten lassen sich bis 30 Prozent Energie einsparen.» (Photo: Peter Frommenweiler)
Monika Schläppi + Oskar E. Aeberli /

Seit Januar berät die zuständige ständerätliche Kommission über das erste Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050. Peter Bieri, Ständerat des Kantons Zug (CVP) und Präsident der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS), erläutert seine Ansicht aus den beiden Funktionen.

Haustech: Wie beurteilen Sie als Ständerat und Präsident der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) die Energiestrategie 2050?
Peter Bieri: Die FWS hat bereits an den im Januar 2007 erschienenen «Energieperspektiven 2035» aktiv mitgearbeitet. Basierend auf diesen Erfahrungen können wir zu Recht behaupten, dass die Energiestrategie 2050 eine Weiterentwicklung darstellt, breit abgestützt und fundiert ist. Es greift zu kurz, ja es ist geradezu falsch, sie als unüberlegten Schnellschuss nach den Ereignissen in Fukushima darzustellen.

Die Energiestrategie 2050 ist sehr komplex und behandelt sehr viele Themen gleichzeitig.
Jedes politische Thema, das einschneidende Folgen für die Gesellschaft mit sich bringt, löst bei den Interessengruppen unterschiedliche Befindlichkeiten aus. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Diskussion der Energiestrategie 2050 einen wichtigen und wertvollen Prozess in der Politik und Wirtschaft ausgelöst hat. Es ist gelungen, ein breites Interesse für das Thema Energie und Umwelt zu wecken. Die Diskussion muss vertieft weitergeführt werden.

Haben Bundesrat und Parlament nach dem Unfall von Fukushima zu Recht den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen?
Beim Ausstieg aus der Kernenergie gilt es, das effektive Risiko dieser Energieform, die Auslandabhängigkeit und die Kostenseite zu beurteilen. Der Unfall in Fukushima hat den Begriff «Restrisiko» erneut in die Diskussion eingebracht. Fest steht aber auch, dass sich die Gesellschaft weiterhin mit der Kernenergie befassen muss, zumal es auch unbestrittene Anwendungen in der Medizin und in der Wirtschaft gibt. Hier ist auch in Zukunft Know-how gefragt.

Und wie steht es mit dem Know-how in Bezug auf die Stilllegung der Atomkraftwerke?  
Bei der Ausserbetriebsetzung und beim Rückbau der bestehenden Atomkraftwerke ist Know-how erforderlich. Dieses Thema wird uns noch über Generationen begleiten. Für mich als Politiker steht primär die langfristige Sicherheit für Mensch und Umwelt an oberster Stelle. Mit Bundesrat und Nationalrat teile ich die Meinung, dass die Kernkraftwerke noch so lange betrieben werden sollen, wie ihre Sicherheit gewährleistet ist.
 
Sehen Sie heute als langjähriger Politiker bereits Defizite bezüglich des anvisierten Atomausstiegs und der Zielerreichung der Energiestrategie?
Es wird eine grosse Herausforderung der nahen Zukunft sein, die wegfallende Stromproduktion der Kernkraftwerke, das sind 37 Prozent, durch erneuerbare Energien zu kompensieren. In Anbetracht der CO2-Problematik wäre es unsinnig, den Wegfall durch Strom aus Kohlekraftwerken zu ersetzen, wie dies in Deutschland der Fall ist. Leider gibt es heute noch zu wenig Energie aus erneuerbaren Quellen. Die Herausforderung ist nur zu bewältigen, wenn es neben der Forschung zur Speicherung des produzierten Stromes auch gelingt, die Menschen in Zukunft zu einer effizienteren Nutzung aller Energiequellen zu motivieren.

Müssen mit der Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050 nicht zugleich auch der Endenergieverbrauch und der CO2-Ausstoss drastisch gesenkt werden?
Beides sind relevante Ziele der Energiestrategie 2050. Einerseits gilt es, längerfristig den Energieverbrauch auf den einer künftigen 2000-Watt-Gesellschaft zu senken. Andererseits muss aus Umweltschutzgründen auch der CO2-Ausstoss deutlich reduziert werden.

Das vollständige Interview ist in der Haustech-Ausgabe 1-2/2015 erschienen.