«Die Energieforschung braucht Anreize»

Walter Steinmann: «Die Herausforderung ist, Forschungsresultate in den Markt zu bringen.» (Photo: Peter Frommenwiler)
Oskar E. Aeberli /

Die Realisierung der Energiestrategie 2050 bedeutet eine enorme Herausforderung für Politik und Wirtschaft. Aber auch im Bereich der Forschung sind grosse Anstrengungen erfor­derlich. Walter Steinmann, Direktor Bundesamt für Energie, erläutert die Vorstellungen seines Amtes.

Haustech: Ist die Schweiz bezüglich der Energiestrategie 2050 auf Kurs?
Walter Steinmann: Die Energiestrategie 2050 ist ein Projekt mit verschiedenen Teilpaketen, die wir alle parallel vorantreiben. Das Paket Forschung ist bereits in Umsetzung, sieben SCCER (Swiss Competence Center for Energy Research) sind im Aufbau. Die neuen gesetzlichen Grundlagen aus der Parlamentarischen Initiative 12.400 sind seit Januar 2014 in Kraft, sodass wir bereits erste Erfahrungen mit den Investitionsbeiträgen für kleine Photovoltaikanlagen sowie den Eigenverbrauchsregelungen machen konnten. Das grosse Teilpaket zur grundlegenden Revision hat im Dezember beim Nationalrat gute Mehrheiten gefunden und geht nun in die UREK des Ständerates.

Was ist für das BFE zurzeit die grösste Herausforderung?
Wir müssen eine Vielzahl von Themen und Projekten parallel bearbeiten und vorantreiben: Von der Energiestrategie 2050 über das EU-Stromabkommen, den Ausbau des Leitungsnetzes, die Vorbereitung der Stilllegung Mühleberg bis hin zur Wahl der Tiefenlagerstandorte für radioaktive Abfälle. Dabei erweist es sich als zentrale Herausforderung, die Abhängigkeiten und Querbezüge permanent zu sehen und das ganze Paket entsprechend vernetzt voranzubringen. Zusätzlich müssen wir immer wieder unsere Prozesse überprüfen, um schlank und flexibel zu bleiben: Nur so können wir alle Themen mit der nötigen Tiefe vorantreiben.

In welchen Bereichen der Energiewirtschaft stellen Sie zurzeit noch Defizite fest?
In den meisten Bereichen der Energiewirtschaft sind umfassende Change-Prozesse im Gang, da gibt es mutige Pioniere und konservative Bewahrer, welche noch immer der guten alten Zeit nachtrauern. Eine zentrale Herausforderung, welche wir noch nicht umfassend auf dem Radar haben, ist der Umgang mit Big Data sowie damit zusammenhängend der Eintritt von Firmen der Informatik- und Telekombranche in die Energiewelt. Die Konvergenz der Netze sowie das Zusammenwachsen der Energiesysteme Wärme, Gas und Strom sind Themen, die von der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Regierung noch intensiv untersucht werden müssen.  

Wo sind in den nächsten Jahren noch vielver­sprechende Fortschritte in der Grundlagen- und der angewandten Forschung zu erwarten?
Da gibt es viele Forschungsgebiete, die teils heute schon vielversprechende Resultate liefern. Dazu gehören sicher die Energiespeicherung, die weitere Verbesserung der Technologien für die erneuerbare Energieproduktion oder auch die sogenannten «smarten» Technologien, die für die optimale  Vernetzung und Steuerung der Energieflüsse und des Energieverbrauchs sorgen werden.

In welchen Bereichen wird das BFE die Forschung und die Unterstützung von P+D-Projekten ausbauen bzw. reduzieren?
Die Forschung im Energiebereich verhält sich glücklicherweise fast von sich aus marktgetrieben. Die spannenden Forschungsgebiete sind nämlich gleichzeitig auch diejenigen, für die der Markt Lösungen sucht. Das widerspiegelt sich auch im Energieforschungs-konzept des Bundes, das als Planungsinstrument für Schwerpunkte der Forschungsförderung dient. Das Konzept definiert für die Periode 2013 bis 2016 folgende Schwerpunkte: Wohnen und Arbeiten der Zukunft, Mobilität der Zukunft, Energiesysteme der Zukunft und Prozesse der Zukunft. Die Forscher können ihre Schlüsselthemen aufgrund dieser stark systemorientierten Schwerpunkte «Top-down» herleiten. Die P+D-Projekte orientieren sich dabei laufend an den Erkenntnissen aus der Forschung und der Nachfrage im Markt.


Das vollständige Interview ist in der Haustech-Ausgabe 3/2015 erschienen.