Haustech 5/2017

«Die beiden Unternehmen ergänzen sich zu 90 Prozent»

Arnold Marty, CEO Tobler Haustechnik AG. (Foto: Peter Frommenwiler)
Simon Eberhard /

Vergangenen Februar haben die Traditionsunternehmen Tobler Haustechnik AG und Walter Meier AG den Zusammenschluss bekannt gegeben. Es entsteht der grösste Haustechnik-Konzern der Schweiz. Haustech wollte von Tobler-CEO Arnold Marty wissen, was dies für die Kunden und Lieferanten bedeutet und wie er sich persönlich auf seine neue Aufgabe vorbereitet.

Herr Marty, was hat Tobler Haustechnik dazu bewogen, die Fusion mit Walter Meier einzugehen?

Wir waren schon seit einer Weile in Kontakt mit Mitbewerbern, Herstellern und Lieferanten, mit dem Ziel, mögliche Wachstumschancen zu erschliessen. Von unserer Seite liegt der Hauptgrund für die Fusion darin, dass wir für unsere Kunden und auch für unsere Mitarbeitenden einen Mehrwert schaffen wollen. Die beiden Unternehmen ergänzen sich sehr gut: Wir sind bekannt für unsere Handelskompetenz auf verschiedenen Kanälen wie den Tobler-Marchés und den E-Shops. Walter Meier schliesslich bringt die System- und Lösungskompetenz mit. Wir haben zudem festgestellt, dass es beim Produktportfolio und den Kunden nur sehr wenige Überschneidungen gibt. Zu rund 90 Prozent ergänzen sich die beiden Unternehmen.

Wie wird sich das für Ihre Kunden auswirken?

Wir hoffen, dass wir ein breiteres Portfolio anbieten können, also mehr Kompetenz auf Lösungs- und Systemseite. Weiter wollen wir durch unsere neue Position unseren Kunden auch bessere Preise anbieten können und uns noch besser gegenüber ausländischen Konkurrenten positionieren.

Und wie sieht es mit den Lieferanten aus?

Wir sehen uns als «Haus der Marken» und sind ein starker Partner für Hersteller von Markenartikeln und Produzenten. Dies wollen wir auch in Zukunft bleiben – vielleicht noch stärker als in der Vergangenheit, da wir einen breiteren Auftritt sicherstellen können. Selbstverständlich versuchen wir daneben auch, unsere Eigenmarke zu pflegen und weiter auszubauen. In der neuen Grösse haben wir den Anspruch, noch stärker und früher auf die Entwicklung dieser Produkte Einfluss zu nehmen, um uns am Markt zu differenzieren. Hersteller, die uns das ermöglichen, werden auch in Zukunft einen starken Partner an ihrer Seite haben. Das ist uns sehr wichtig, denn wir manifestieren uns als Grosshändler natürlich grösstenteils über diese Marken. Und dem wollen wir auch in Zukunft Rechnung tragen.

In der gemeinsamen Medienmitteilung schreiben Sie von einem Abbau von 100 bis 120 Stellen. Welche Bereiche wird das betreffen?

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig zu beantworten, da wir noch ganz am Anfang des Organisations-Designprozesses stehen. Wir gehen davon aus, dass das Ganze relativ schmerzlos über die Bühne gehen wird, also durch natürliche Fluktuationen. Wir können aber nicht ausschliessen, dass der eine oder andere Mitarbeitende von einem Stellenabbau betroffen sein wird. Wenn immer dies der Fall sein sollte, werden wir uns dafür einsetzen, eine individuelle und sozialverträgliche Lösung zu finden.  

Bei der Fusion zweier Traditionsunternehmen treffen auch zwei unterschiedliche Firmenkulturen aufeinander. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

Tobler und Walter Meier sind in der Tat zwei Traditionsunternehmen mit einer einzigartigen Position im Schweizer Markt und einer starken Firmenkultur. Allerdings haben wir im Verlaufe unserer Diskussionen auch festgestellt, dass unsere Kulturen gar nicht so unterschiedlich sind. Uns verbindet sehr viel, und wir teilen klassische Schweizer Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Kundennähe und den Anspruch, hohe Qualität zu liefern. Natürlich muss nun aus diesen zwei starken Kulturen eine neue gemeinsame Kultur entstehen. Diesen Prozess werden wir in den nächsten Jahren durch Integrationsarbeit mit den Teams auf allen Stufen gezielt führen.

Welches sind die Werte, die Tobler dabei einbringen kann?

Zum einen sind das sicher Werte wie unser hoher Qualitätsanspruch. Das zeigt sich beispielsweise in unserer Logistikleistung und der Liefertreue, für die uns die Kunden sehr schätzen. Zum anderen ist das unsere Kundennähe, sei es durch unsere Verkaufsberater, sei es durch unsere Marchés: Wir beschäftigen dort über 100 Mitarbeitende und sind in jeder Schweizer Region vertreten, vom Jura bis zum Engadin, vom Tessin bis in die Nordschweiz, auch in Randregionen und ländlichen Gebieten. Diese Stärke wollen wir pflegen und weiter ausbauen. In der Kombination dieser zwei Firmen wird uns das noch besser gelingen, denn wir werden mehr Ressourcen haben, was uns ermöglicht, näher auf die Kunden einzugehen. Der neue Markenauftritt und der neue Name sollen diese Werte repräsentieren.

Dieser soll an der Swissbau 2018 bekanntgegeben werden. Können Sie schon sagen, in welche Richtung es gehen wird?

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich leider noch nicht sehr konkret werden, da wir das Projekt erst kürzlich zusammen mit unseren Agenturen gestartet haben. Ich kann vielleicht so viel sagen, dass wir den Brand-Launch unabhängig von der Swissbau durchführen werden. Im Moment gehe ich davon aus, dass wir den neuen Brand im November dieses Jahres lancieren werden. Im Zentrum steht dabei, dass wir damit die neuen gemeinsamen Werte und die neue Kompetenz des Unternehmens repräsentieren, damit auch die Mitarbeitenden von beiden Seiten dahinterstehen und ebenso stolz auftreten können, wie sie das jetzt tun – sei es bei Tobler oder Walter Meier.

Sie werden das neue Unternehmen zusammen mit dem jetzigen Walter Meier-CEO Martin Kaufmann leiten. Wie bereiten Sie sich persönlich auf diese neue Herausforderung vor?

Martin Kaufmann und ich kennen uns schon seit einigen Jahren aus dem Vorstand von GebäudeKlima Schweiz. Was ich an ihm sehr schätze, ist, dass er viele Grundwerte vertritt, die auch mir wichtig sind: Ehrlichkeit, Respekt und eine offene Kommunikation. So glaube ich nicht, dass ich mich speziell darauf vorbereiten muss, sondern freue mich auf die herausfordernde Aufgabe, die wir miteinander vor uns haben.
 
Die Fusion mit Walter Meier fällt just in das Jahr, in dem Ihr Unternehmen das 60-jährige Jubiläum feiert. Im Juni ist ein Jubiläumsanlass geplant. Was erwartet die Teilnehmer?

Ich denke, dieser Zusammenschluss bietet uns auch hier grosse Chancen. Denn zusammen können Tobler und Walter Meier eine noch viel attraktivere Plattform schaffen, als es uns dies alleine möglich gewesen wäre. Wir arbeiten im Moment an einem Konzept für einen fulminanten Startschuss für die Zukunft gemeinsam mit unseren Kunden, Lieferanten und Mitarbeitenden.

Durch den Zusammenschluss der beiden Unternehmen entsteht der grösste Haustechnik-Konzern der Schweiz. Erwarten Sie in der Branche in den kommenden Monaten oder Jahren weitere Zusammenschlüsse?

In der Baubranche und der Bau-Nebenbranche hat sich in den letzten Jahren viel verändert, und der Wechsel ist sehr rasant vonstattengegangen. Der Euro-Wechselkurs und verschiedene weitere Faktoren haben einen enormen Druck auf die Industrie ausgelöst. Ich gehe davon aus, dass unsere Kunden, Mitbewerber und Lieferanten dem gleichen Druck ausgesetzt sind und mit diesen veränderten Marktbedingungen zurechtkommen müssen. Wie sie dem entgegen- treten wollen, muss ich den Mitbewerbern  selbst überlassen.

Wie hat sich denn die Branche in den letzten Jahren verändert?

Sie ist innovativer und agiler geworden. Weil der Markt sich rasant verändert hat, haben sich die Branche und die Marktteilnehmer auch in diese Richtung entwickeln müssen. Und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass sich unsere Branche etwas schwertut damit, vernetzt zu denken. Wie ich feststelle, wird in vielen Bereichen immer noch in Insellösungen gedacht, was eine möglichst hohe Energie- oder Kosteneffizienz verhindert. Ich würde mir wünschen, dass man hier vermehrt auf Standards setzt, um die Systeme durchgängiger zu machen. Da die Systeme sehr komplex sind und es sehr viel verschiedene Interessengruppen gibt, gehe ich jedoch davon aus, dass dies noch Jahre dauern wird, bis man sich auf Standards einigen kann, die diese Durchgängigkeit auch ermöglichen.

Was muss sich in Ihren Augen ändern, damit dies erreicht werden kann?

Die Diskussionen sind voll im Gange, sei das auf Verbandsstufe, sei das über die verschiedenen Gewerke hinweg. Die Veränderung ist bereits im Gange. Was es braucht, ist etwas Zeit. Aber das Bestreben ist bereits da, und alle Marktteilnehmer sehen, wohin die Reise gehen soll. Um neue Standards setzen zu können, bedarf es einer gewissen Distanz zu den Technologien, die man selbst vertritt – zum Wohl des grösseren Ganzen. Dieselben Diskussionen, wie sie momentan in unserer Industrie stattfinden, haben ja auch in anderen Industrien stattgefunden und eine gewisse Zeit gebraucht. Das schwierigere Marktumfeld wird diese Diskussionen sicherlich vorantreiben und beschleunigen.

Ein wichtiger Faktor dabei ist die Digitalisierung. Wie tragen Sie dieser in Ihrem Unternehmen Rechnung?

Bei Tobler haben wir schon sehr früh, vor ungefähr sieben oder acht Jahren, damit begonnen, in diesem Bereich zu investieren. Ein Beispiel ist unser E-Shop. Er ist sehr akzeptiert in der Industrie, wir wickeln heute bereits ein Drittel unserer Bestellungen online ab. Dieser Anteil nimmt jährlich zwischen drei und fünf Prozent zu, das heisst also, dass wir in wenigen Jahren bereits über 40 Prozent des Gesamtvolumens digital abwickeln können. Aber das ist nur eine Ausprägung der Digitalisierung. Die Kunden verlangen ja viel mehr als nur die digitale Bestellerfassung und -abwicklung. Sie verlangen auch die digitale Anbindung ihrer Systeme an unsere Systeme oder digitale Abrechnungen pro Baustelle oder pro Kostenträger, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie stellen Sie die Qualität Ihrer digitalen Daten sicher?

Wir haben uns in den vergangenen zwei Jahren intensiv mit der Datenintegrität befasst. Letztes Jahr haben wir ein sogenanntes Product Information Management System (PIM) eingeführt: eine Datenbank, die alle Master-Daten unserer über 60'000 Artikel beinhaltet. Sie speist die verschiedenen Ausgabekanäle wie den E-Shop, das Internet, das Intranet oder mobile Geräte, aber auch alle analogen Systeme wie die Produktion von Preisbüchern oder Prospektmaterial. Für ein Unternehmen ist es sehr wichtig, diese Datenintegrität für die Kunden sicherzustellen. Gleichzeitig ist es für uns effizienter, als verschiedene Datenbanken zu pflegen. Hier haben wir sehr viel investiert in den vergangenen Jahren auf Handelsseite. Auf Systemseite geht eine andere Revolution vonstatten.

Können Sie das genauer erläutern?

Die Systeme werden immer mehr IP-basierend angehängt und installiert. In Zukunft wird man nur noch im Ausnahmefall vor Ort gehen, um ein System in Betrieb zu nehmen, zu warten oder den Zustand abzurufen, sondern tut dies via «Remote» von einem beliebigen Ort der Erde. Das heisst: In Zukunft managt man vielmehr die Systeme als ein einzelnes Gerät. Wir haben hier schon einiges investiert. Mit einem Tool wie «SmartGuard» sind wir bereits heute in der Lage, bei entsprechend ausgerüsteten Systemen den Zustand abzufragen und zu verbessern und dem Endkunden nicht nur Daten zu liefern, sondern auch einen effizienteren Unterhalt des Systems zu garantieren. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass diese Dinge den Alltag unserer Industrie verändern. Wir als Unternehmen tun gut daran, in diese Richtung zu investieren, um den Endkunden und Gewerken die nötigen Werkzeuge in die Hand zu geben.

Sehen Sie auch Gefahren oder Risiken der Digitalisierung?

Selbstverständlich. Überall, wo digitale Informationen und Daten ausgetauscht werden, sind entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um sicherzustellen, dass die Daten geschützt sind und nur von Personen mit entsprechender Berechtigung abgerufen werden können. Doch auch hier bin ich überzeugt, dass wir Mittel und Wege finden, um dies auch in Zukunft zu gewährleisten. Unsere Industrie ist ja nicht so global vernetzt wie beispielsweise Banken, IT oder Telekom. So sehe ich auch das Risiko leicht geringer.