Haustech 11/2017

«Der Kommunikationsbedarf ist riesig»

Martin Kaufmann (l.), Arnold Marty. (Foto: Nicolas Zonvi)
Simon Eberhard /

Die beiden Gebäudetechnik-Konzerne Tobler und Walter Meier schliessen sich zusammen, heute Freitag wird der neue Name bekanntgegeben. Haustech unterhielt sich vorab mit den beiden CEOs Martin Kaufmann und Arnold Marty über die Marktsituation und die künftige Unternehmensstrategie.

Ein halbes Jahr ist es nun her, seit Sie die Fusion Ihrer beiden Unternehmen bekanntgegeben haben. Was hat sich seither getan?

Martin Kaufmann: Sehr vieles. Zunächst haben wir mit der Genehmigung durch die Wettbewerbskommission die juristischen Schritte vollzogen und die Kapitalerhöhung durchgeführt. In der Zwischenzeit haben wir aber auch viel an der Ausrichtung unserer neuen Firma gearbeitet: Wofür soll diese stehen, was sind unsere Ambitionen, was ist unser Versprechen gegenüber allen Stakeholdern wie Kunden, Lieferanten und Mitarbeitende. Wir haben die Ist-Prozesse der beiden Unternehmen aufgenommen und daraus die Soll-Prozesse und die Aufbauorganisation der neuen Firma definiert.

Wie waren die Feedbacks vonseiten der Kunden und Lieferanten?

Arnold Marty: Vonseiten der Kunden und Lieferanten haben wir durchwegs positives Feedback gekriegt. Auf der strategischen Ebene verstehen sie die Beweggründe der Fusion. Auf der operativen Seite sind die Kunden gespannt, wer sie künftig betreuen wird und wie diese Betreuung aussehen wird. Wir haben in den letzten Monaten ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet, dass wir die neue Grösse zum Vorteil der Kunden nutzen und ihnen den Mehrwert der neuen Firma plausibel machen.

Wie erleben Sie die aktuelle Stimmung in dem Unternehmen?

Martin Kaufmann: Natürlich löst Veränderung immer eine gewisse Unsicherheit bei den Mitarbeitenden aus, und diese habe ich auch hier teilweise gespürt. Doch was ganz wichtig ist: Wir haben in beiden Firmen eine sogenannte Kulturanalyse durchführen lassen und darauf aufbauend die neue Sollkultur definiert. Dabei ist herausgekommen, dass über 80 Prozent unserer Mitarbeitenden die Fusion nicht nur verstehen, sondern diese auch befürworten. Wir haben eine sehr gute Ausgangslage und kürzlich ist die Aufbauorganisation auch intern kommuniziert worden. Ich denke, dass sich die Unsicherheit bis zum Start am 1. Januar allmählich legen wird.

In der Mitteilung vom vergangenen Februar wurde ein Abbau von ungefähr 120 Stellen kommuniziert, der grösstenteils über die natürliche Fluktuation erfolgen solle. 
Wie ist der aktuelle Stand diesbezüglich?

Martin Kaufmann: Wir haben kürzlich die erste Etappe realisiert. Dabei haben wir 35 Stellen abgebaut, wobei wir sechs Kündigungen aussprechen mussten. Die restlichen 29 Stellen sind über die natürliche Fluktuation abgebaut worden. Wir gehen davon aus, dass wir auch den restlichen Stellenabbau während der nächsten Jahre zum grössten Teil über natürliche Fluktuation realisieren können.

Das wirtschaftliche Umfeld ist derzeit 
angespannt. Wie wappnen Sie sich gegen den wachsenden Druck aus dem Ausland?

Arnold Marty: Einer der Hauptgründe der Fusion besteht ja darin, dass wir mit der neuen Grösse auch mehr Verhandlungsspielraum haben, um uns gegen das Ausland besser zu positionieren. Wir spüren hier schon erste Verbesserungen, im Einkaufsvolumen, aber auch bei den Einkaufspreisen, die wir auch dem Markt weitergeben wollen. Dadurch, dass sich die Lage in den letzten Wochen durch den steigenden Eurokurs etwas entspannt hat, hat der Druck aus dem Ausland leicht nachgelassen. Wenn sich der Euro weiter auf 1.15 bis 1.16 Franken stabilisiert, bin ich überzeugt, dass wir für die Zukunft sehr gut gewappnet sind und den Werkplatz Schweiz durch diese Fusion massiv stärken können.

Wie sieht Ihre künftige Standortstrategie aus?

Martin Kaufmann: Wir haben uns klar entschieden, regional verankert zu bleiben. Wir werden den Vertrieb weiter gezielt auf die Bedürfnisse unserer Kunden ausrichten und einige Marchés und Profishops fusionieren. Statt der heute 58 Standorte werden wir künftig noch 50 Marchés betreiben. Zudem werden wir einige Servicestützpunkte zusammenlegen, sodass wir künftig noch 35 haben werden.

Und wo wird künftig der Hauptsitz sein?

Martin Kaufmann: Der steuerliche Hauptsitz wird – wie jetzt schon bei Walter Meier – Nebikon sein, der administrative Hauptsitz Schwerzenbach. Den heutigen Tobler-Standort Urdorf werden wir zunächst bestehen lassen. Mit diesen beiden Hubs auf beiden Seiten des Gubrists werden wir die Teams so zusammenführen, dass wir einerseits die Synergien wie geplant realisieren können, andererseits aber auch weniger Fluktuationen haben. Die Vision ist, dass wir ab 2020 die beiden Standorte zu einem einzelnen Hauptsitz zusammenführen. In Bezug auf die Logistik werden wir ebenfalls zunächst mit den beiden Zentren Däniken und Nebikon weiterfahren. Auch hier soll dereinst ein einziger Logistikstandort bestehen. Da sind wir aber noch daran, bauliche 
Details zu klären.

Ein grosses Thema ist derzeit auch die Digitalisierung. Inwiefern spielt diese in Ihren strategischen Überlegungen eine Rolle?

Arnold Marty: Sie ist eine der grossen Ambitionen unseres Unternehmens. Wir unterscheiden drei Standbeine. Im Bereich der Systemlandschaft setzen wir auf Remote-Anwendungen wie SmartGuard und  die Fernwartungslösung für Wärmepumpen. Ein zweites Standbein ist der E-Shop, über den wir auf der Handelsseite schon heute rund ein Drittel unserer Umsätze machen. Hier werden wir unsere Dienstleistungen weiter ausbauen wie beispielsweise das Belegarchiv, die Nachverfolgung der Kundenlieferungen, die Möglichkeit von Sammelrechnungen oder Abrechnungen pro Baustelle, um nur einige Beispiele zu nennen. Drittes Standbein ist die Harmonisierung der Datenbasis. Hier haben wir in den letzten Jahren viel in Product-Information-Management-Systeme investiert, über die wir sämtliche analogen und digitalen Kanäle speisen können. Wir werden in Zukunft weiter in die Digitalisierung investieren, weil wir glauben, dass diese uns auch in der Haustechnik massiv und nachhaltig beeinflussen wird.

Am 24. November werden Sie Ihren neuen Brand und damit auch den neuen Namen offiziell kommunizieren. In welche Richtung wird es gehen?

Arnold Marty: Ein Markenname steht ja immer auch ein wenig für eine Kultur. Beide Firmen kommen aus sehr starken Kulturen und teilen Werte wie Bodenständigkeit oder die Verankerung im lokalen Markt. Gleichzeitig spielen auch der Teamgedanke und der Anspruch, den Haustechnik-Markt in Zukunft prägen zu wollen, eine wichtige Rolle. Diese Grundwerte soll die neue Marke widerspiegeln und verankern. Wir beide wissen sehr genau, wo wir herkommen und werden versuchen, die Werte, die wir mit unseren beiden Firmen in den letzten Jahren geschaffen haben, in die neue Marke zu transportieren.

Martin Kaufmann: Das ist sehr wichtig. Wir haben nicht nur einen Namen gesucht, sondern uns zuerst gefragt, wofür die Firma steht, was unsere Kultur ist. Erst darauf aufbauend haben wir dann den Namen gesucht. Im Moment sind wir weit fortgeschritten 
in diesem Prozess. Das CD/CI-Manual steht zu 
80 Prozent, und wir sind stolz, unseren neuen Brand am 24. November der gesamten Branche zu präsentieren.

Dies findet im Rahmen eines grossen Anlasses statt. Was erwartet die Teilnehmer?

Arnold Marty: Zunächst präsentieren wir mit über 70 Herstellern die grösste Haustechnik-Messe, die dieses Jahr in der Schweiz stattfindet. Hier erwarten wir rund 6000 Planer, Installateure und andere Kunden und Partner. Das zweite Highlight des Abends wird die Enthüllung der neuen Unternehmensmarke sein. Zu guter Letzt werden wir schliesslich in eine Party überleiten, um unseren Kunden, Lieferanten und Partnern zu danken. Man darf eine grosse Party erwarten mit Prominenz aus Politik und Wirtschaft und vielen Acts aus dem Schweizer Showbusiness.

Im Januar 2018 findet die Swissbau statt. 
Was darf man von Ihrem dortigen Auftritt erwarten?

Arnold Marty: An der Swissbau 2018 werden wir unseren Brand einer noch breiteren Öffentlichkeit vorstellen und ebenfalls die Gelegenheit bekommen, diesen in einer 3D-Dimensionalität erlebbar zu machen. Wir werden uns auf dieser Plattform als Team präsentieren, die neue Firma und natürlich auch die letzten Innovationen präsentieren. Nicht zuletzt wollen wir auch eine Plattform bieten, die Gespräche mit allen Stakeholdern weiter zu vertiefen.

Martin Kaufmann: Diese beiden Anlässe sind auch für unser neues gemeinsames Team sehr wichtig. Ich bin überzeugt, dass uns die beiden Events auch gegen innen helfen werden, den neuen Brand erlebbar zu machen. Für viele Mitarbeitende hat der Zusammenschluss bisher vor allem auf Papier stattgefunden, und an den Events werden sie das erste Mal auch richtig spüren, wofür wir stehen. Das werden also zwei sehr wichtige Meilensteine für unser neues Unternehmen.

Wo sehen Sie für sich persönlich die grösste Herausforderung in den nächsten Monaten?

Arnold Marty: Die grösste Herausforderung besteht sicherlich darin, das Team zusammenzuschweissen und Präsenz zu markieren. Das stellt hohe Anforderungen an uns alle und auch an mich persönlich, denn der Kommunikationsbedarf ist riesig. Ich versuche mich jeden Tag fit zu machen für diese Herausforderung, freue mich aber auch sehr, denn 
es ist wohl das spannendste Projekt, dass man als 
Führungskraft überhaupt umsetzen kann. Es erfüllt mich mit Stolz, einem so grossen Team vorstehen zu dürfen, das, so glaube ich, in dieser Industrie einzigartig positioniert ist.

Martin Kaufmann: Diese beiden Firmen zu einer zusammenzuführen, ist sehr anspruchsvoll. Die kurzfristig grösste Herausforderung wird darin bestehen, unsere bisherige Marktleistung mindestens gleich gut zu halten. Dabei werden auch Fehler passieren, diese müssen wir schnell lösen, damit unsere Kunden davon möglichst wenig spüren. Mittelfristig besteht die grösste Herausforderung darin, die Strategie sauber zu schärfen und nicht alles gleichzeitig zu machen, sondern eins nach dem anderen, und das dafür konsequent.

Arnold Marty: Natürlich müssen wir dabei auch 
auf Kundenseite das Vertrauen gewinnen. Unsere neue Firma wird künftig in der Haustechnik sämtliche Produkte vom Keller bis auf das Dach anbieten können. Diesen Mehrwert, den wir für unsere Kunden generieren, gilt es plausibel zu vermitteln, damit sie dies auch als Chance sehen und uns das Vertrauen schenken.

Martin Kaufmann: Der Schlüssel dazu sind natürlich unsere Mitarbeitenden – nicht nur die Verkäufer, sondern jeder einzelne von ihnen, der als Vertreter dieses Unternehmens auftritt. Eine weitere grosse Herausforderung für uns als Führungsteam wird deshalb auch darin bestehen, unsere Mitarbeitenden zu begeistern und auf diese spannende Reise mitzunehmen.