Haustech 6/2017

Daten für vernetztes Wohnen

(Bild: Istockphoto)
Yves Ballinari /

Sensoren liefern Daten aus immer mehr Lebensbereichen. Im Gebäudebau kommen sie bisher vorwiegend in Grossprojekten zur Anwendung, aber bald könnte sich das ändern. Unternehmen wie Decentlab arbeiten seit Jahren an massentauglichen Lösungen. Mittlerweile steht das Empa-Spinoff vor der Lancierung auf dem Markt.

Mit Netzwerken wie LoRaWAN hält das Internet of Things, oder kurz IoT, auch in Gebäuden Einzug. Das Dübendorfer Unternehmen Decen tlab benutzt LoRaWAN bisher allerdings vor allem im Aussenbereich, um Daten mit einem eigenen System aus Sensoren zu erheben und auszuwerten – etwa die CO2-Konzentration in der Luft oder das Wasserpotenzial im Erdreich. Das System misst an beliebig vielen Punkten und ist in der Lage, in freiem Feld über rund zehn Kilometer Entfernung zu kommunizieren. Die Geräte mit den Sensoren haben eine Laufzeit von fünf bis zehn Jahren, widerstehen UV-Licht und sind vor Wasser geschützt. Die Technologie hat sich schon in Flüssen bewährt, aber auch zur Füllstandmessung in Abwassersystemen oder in Tanks.

Decentlab forscht seit 2008 an einem Messsystem, mit dem sich Daten erheben und in intelligente Netzwerke einbinden lassen. Welche Rolle hochleistungsfähige Sensoren in einem vernetzten Haus spielen können, sollen künftige Projekte mit Forschungsinstituten aufzeigen – etwa am Beispiel von Bürogebäuden. Wie im Aussenbereich prüfen die Geräte dabei den Ausstoss an CO2. Sensoren in jedem Raum liefern auf diese Weise Daten über die jeweilige Luftqualität. Sie können damit dazu beitragen, das Klima zu verbessern. In Zusammenarbeit mit der Empa massen die Geräte von Decentlab zudem die Performance von Gebäudeisolationen.

«Zurzeit sind wir ein Zulieferer für Forschungsanstalten und Firmen in den Bereichen Level Metering und Gebäudephysik», sagt Managing Director Reinhard Bischoff. «Wir stellen unsere Geräte zur Verfügung und profitieren von den Erkenntnissen über die Projekte.» Die nächsten Schritte von Decentlab sollen nun aber dem Gang auf den Markt gelten. «Seit einem halben Jahr sind wir daran, unser Produkt zu formen», erzählt Bischoff, «und jetzt suchen wir Partner.»

Die Einbindung wird einfacher

Grosses Potenzial für die LoRaWAN-Sensoren sieht Bischoff in Wohnhäusern. Bisher war die Integration solcher Netzwerke für Privatpersonen nicht erschwinglich. Auch bei den Sensoren in den Geräten von Decentlab handelt es sich um handelsübliche Produkte, die allerdings für Privatpersonen zu teuer sind. Doch die Technik wird immer günstiger und leistungsfähiger, wie Bischoff bestätigt. Ausserdem setzen sich die gemeinsamen Standards allmählich durch. Das Swisscom Low Power Network, kurz LPN, wurde letztes Jahr flächendeckend in der Schweiz ausgerollt und basiert auf LoRaWAN-Technik. In den Niederlanden steht seit dem letztem Sommer ebenfalls ein IoT-Netzwerk bereit.

Zur selben Zeit führte auch das grösste südkoreanische Telekom-Unternehmen SK Telecom landesweit Low-Power Wide-Area Networks basierend auf LoRaWAN ein. Insgesamt bestanden gemäss LoRa Alliance per Februar 2017 flächendeckende Netze in 31 Ländern. Weitere werden ihrem Beispiel in den nächsten Jahren folgen, ist Bischoff überzeugt. Ausschlaggebend dafür, dass sich die Lösung auf dem Markt durchsetzt, seien die Kosten. «Früher war die Einbindung von Sensoren in die Infrastruktur sehr teuer. Neue IoT-Standards sind aber weitaus günstiger zu integrieren als vorherige Lösungen, die noch auf Mobilfunkfrequenzen basierten.» Durch den Fortschritt in der Entwicklung ist die Einbindung in die Gebäude also bereits einfacher geworden. Und die nähere Zukunft dürfte weitere Fortschritte bringen.

Im Hausbereich werde IoT zunächst Strom- und Wasserzähler vernetzen, glaubt Bischoff. Die Suche nach Partnern richtet sich bei Decentlab deshalb auch auf Unternehmen, die in anderen Bereichen der Haustechnik tätig sind. Darüber hinaus mahnt er zur Geduld. «Wir befinden uns immer noch in der Phase des ersten Hypes», sagt er. «Viele Konzerne schreiben sich Internet of Things auf die Fahne, doch im Moment experimentieren alle noch», sagt er. «In welchen Bereichen die systematische Erhebung von Daten durch Sensoren wirklich sinnvoll ist, muss sich noch zeigen.»