Haustech 12/2017

Brücken bauen und verstärken

Beat Vonlanthen (Foto: zVg)
Simon Eberhard /

Wärmepumpen sind ein Schlüsselelement im Hinblick auf die Umsetzung der Energiestrategie 2050. Und doch harzt es oftmals bei den Rahmenbedingungen. Haustech unterhielt sich mit Beat Vonlanthen, CVP-Ständerat und neuer Präsident der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz.

Herr Vonlanthen, haben Sie selbst eine Wärmepumpe bei sich zu Hause installiert?

Die Wärmepumpentechnik interessiert mich seit einiger Zeit. Ich bin fasziniert, wie man mit einem kleinen Energieeinsatz eine grosse Wirkung, nämlich ein warmes Haus oder warmes Wasser, erzielen kann. Zurzeit bin ich noch nicht stolzer Besitzer einer Wärmepumpe. Ich bin aber daran, mein System zu verbessern und beginne bei meinem Schwimmbad mit der Erneuerung. Dort werde ich im nächsten Frühling eine Wärmepumpe einrichten. So kann ich Erfahrungen sammeln und weitere Massnahmen rechtzeitig planen.

Seit dem Frühling dieses Jahres sind Sie neuer Präsident der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS). Was hat Sie dazu bewogen, dieses Amt zu übernehmen?

Nachdem sich mein Vorgänger und Parteikollege Peter Bieri dazu entschieden hat, sich nicht für die Wiederwahl in den Ständerat zur Verfügung zu stellen, hat er auch für sein Amt als Präsident der FWS einen Nachfolger gesucht. In diesem Zusammenhang hat er mich angefragt, ob ich bereit wäre, seine Nachfolge im FWS-Präsidium zu übernehmen. Dieses Angebot habe ich natürlich mit Freude angenommen. Denn als Freiburger Staatsrat war ich auch Energieminister und zudem während fünf Jahren auch Präsident der EnDK (Konferenz der kantonalen Energiedirektorinnen und -direktoren). Die Wärmepumpe ist ein Schlüsselelement im Wandel des Wärmemarkts und für die Realisierung der Energiestrategie 2050, für deren Annahme ich mich mit Überzeugung während Monaten eingesetzt habe.

Was sind Ihre Ziele als FWS-Präsident?

Die FWS hat in seiner 24-jährigen erfolgreichen Geschichte zur Qualitätssicherung im Wärmepumpenbereich sowie in der Ausbildung einen wichtigen Beitrag leisten können. Sie ist zudem auch bei Behörden und Politik gut vernetzt. Eines der wichtigsten Ziele besteht darin, diese erfolgreiche Position zu erhalten und weiterzuentwickeln. Im Fokus steht dabei die Aufgabe, für günstige Rahmenbedingungen zu sorgen. Das heisst namentlich: keine unnötigen Einschränkungen.

Können Sie hier ein Beispiel nennen?

Im Bereich der Luft/Wasser-Wärmepumpen beispielsweise sind übertriebene Anforderungen an Schall nicht sinnvoll. Wärmepumpen werden heute ausserordentlich leise betrieben. Spezielle Schalldämpfungsvorschriften sind daher übertriebene Schikanen. Ein anderes Beispiel: Aktuell wird nicht nur über Bohrbewilligungen für Erdwärmesonden diskutiert, sondern auch über Baubewilligungen. Das sind ebenfalls übertriebene Anforderungen, die keinen Mehrwert bringen.

Neue Rahmenbedingungen bringt auch das neue Energiegesetz, das im Mai dieses Jahres vom Schweizer Stimmvolk angenommen worden ist. Inwiefern beeinflusst dies die Positionierung und die Arbeit der FWS?

Die Energiestrategie 2050 ist ja das Resultat einer mehrjährigen Vorarbeit. Wir haben uns aktiv an der Ausarbeitung beteiligt. Die Bestimmungen entsprechen unseren Vorstellungen und unsere Strategie ist daher ganz auf dieser Linie. Das neue Energiegesetz wird am 1. Januar 2018 in Kraft gesetzt und wir wollen zielgerichtet unseren Beitrag leisten, damit die ehrgeizigen Ziele umgesetzt werden können. Als Verband wollen wir uns so organisieren, dass wir dynamisch und zukunftsgerichtet unsere Rolle spielen können.

In diesem Zusammenhang haben Sie angekündigt, die Strategie der FWS zu überprüfen und zu fokussieren.

Ja, wir haben unsere Vision und Strategie konkretisiert und auf die zukünftigen Herausforderungen ausgerichtet. Mithilfe eines externen Beraters haben wir eine vertiefte Analyse durchgeführt und unsere Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren eruiert. Die neue Strategie werden wir nach einer Vernehmlassung bei allen Mitgliedern in der Vorstandssitzung vom kommenden Januar beschliessen und dann an unserer Generalversammlung im April offiziell verabschieden sowie der Öffentlichkeit vorstellen.

In welche Richtung wird es gehen?

Die übergeordneten Ziele sind Energieeffizienz und Reduktion der CO2-Emissionen. Mit ehrgeizigen Zielen wollen wir unsere Branche vorwärtsbringen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für die Umsetzung der Energiestrategie leisten. Die hohe Qualität und das bekannte Know-how unseres Wirtschaftsbereichs sind die Garanten dafür.

In der Schweiz sind derzeit rund 250 000 Wärmepumpen in Betrieb. Die vom Bund definierten Ziele sehen vor, diese Zahl bis 2020 auf 400 000 zu erhöhen. Was muss geschehen, damit dieses Ziel verwirklicht werden kann?

Die Zahl von 400 000 Wärmepumpen wurde verschiedentlich genannt, so zum Beispiel durch den ehemaligen Direktor der Bundesamts für Energie Walter Steinmann, nachzulesen im BFE-Dokument «Wärmepumpen – häufig gestellte Fragen» vom Februar 2010. Dieses Ziel deckt sich mit unserer Strategie. Wir haben bereits heute bei Neubauten einen Abdeckungsgrad von über 90 Prozent. Beim Heizungs- und Boilerersatz bedarf es zusätzlicher Anstrengungen. Der Anlagenbesitzer muss motiviert und überzeugt werden können, die Sanierung seiner Anlagen vorausschauend an die Hand zu nehmen. Die Sanierungsrate in der Schweiz ist immer noch tief, lediglich zwischen 0,8 und 1 Prozent. Es geht also darum, diese Sanierungsrate zu erhöhen. Gleichzeitig müssen wir den Endverbrauchern die Wärmepumpentechnologie noch bekannter machen und sie auf das Thema sensibilisieren. Das bedeutet auch, sie dazu zu motivieren, die Anlagenbewirtschaftung zu planen. Einen Systemwechsel vom Ölkessel zu einer Wärmepumpe kann man nicht einfach kurz vor Weihnachten machen.

In diesem Zusammenhang hat die FWS finanzielle Anreize geschaffen, damit Hausbesitzer einen solchen Wechsel vornehmen.

Ja, die FWS hat eine Lösung entwickelt zum effizienten Umgang mit der Primärenergie. Der Systemansatz mit Wärmepumpen wurde in das «Harmonisierte Förderprogramm der Kantone» aufgenommen. Aus diesem Programm haben aktuell 19 Kantone ein Förderprogramm lanciert. In diesen Kantonen erhalten Hausbesitzer 4000 bis 6000 Franken für einen solchen Umbau. In den Kantonen, die kein solches Förderprogramm kennen, ist die Stiftung Myclimate eingesprungen, die den Hausbesitzern wenigstens noch 1000 Franken an den Umbau zahlt.

Und doch haben sich die Rahmenbedingungen für Wärmepumpen verschlechtert, wie im Jahresbericht 2016 der FWS zu lesen war. Was sind die Ursachen dafür?

Wenn wir von Rahmenbedingungen sprechen, meinen wir Gesetze, Verordnungen und den nachfolgenden Vollzug. Obwohl die Wärmepumpentechnologie schon mindestens 80 Jahre alt ist, sind die Zahlen an verkauften und in Betrieb gesetzten Wärmepumpen erst heute energieversorgungs- und gesetzesrelevant. Dabei stellen sich Fragen zum Beispiel bei der Aufstellung von Wärmepumpen im Aussenbereich: Stört die Wärmepumpe die Gestaltung der Umgebung, wirft sie Schatten, erzeugt sie wo möglich störende Geräusche oder wie sieht es aus im verdichteten Wohnbau? Um hier Sicherheit zu bekommen, braucht es Spielregeln wie Gesetze und Verordnungen. Jedes neue Gesetz will gelesen und verstanden werden, gleiches gilt für Verordnungen. Wo wir uns speziell einbringen müssen, ist bei der Interpretation der Gesetze und Verordnungen für den Vollzug. Beim Vollzug stellen wir fest, dass das Pendel hin und wieder übermässig ausschlägt. Wir sind bemüht, den Haus- und Anlagebesitzern und auch den vollziehenden Behörden Sicherheit zu geben und sie zu unterstützen.

Sie engagieren sich als Ständerat auch auf nationaler politischer Ebene. Wie bringen Sie die Anliegen der Wärmebranche in die Politik ein?

Nach dem angenommenen Energiegesetz und den Verordnungen, die damit im Zusammenhang stehen, steht als nächste grosse Vorlage im Zusammenhang mit Wärmepumpen das CO2-Gesetz an. Den Absenkpfad gesetzlich zu verankern, begünstigt sinnvollerweise den Wärmepumpenmarkt. Der Bundesrat wird das Gesetz voraussichtlich noch vor Ende Jahr dem Parlament zur Beratung weiterleiten. Als Mitglied der zuständigen Kommission (Urek) werde ich mich in die Diskussion einbringen und damit den sinnvollen Einbau von Wärmepumpen unterstützen.

Vor Ihrem Mandat als Ständerat waren Sie über zwölf Jahre als Staatsrat des Kantons Freiburg tätig. Wie hilft Ihnen Ihre politische Exekutiverfahrung dabei, sich auf nationaler Ebene einzusetzen?

Ich habe bereits als Exekutivpolitiker mit Vertretern der nationalen Politik zusammengearbeitet, denn zwischen den Kantonen und dem Bund besteht ein ständiger Austausch. Gerade im Energiebereich haben neben dem Bund die Kantone wichtige Aufgaben zu erledigen. Als Ständerat bin ich beim Bund auch Vertreter der Interessen der Stände, der Kantone. Gerade im Gebäudebereich ist es wichtig, diese Brückenbauerfunktion gut zu spielen.

Stichwort Brücken bauen: Verstehen Sie sich als Vertreter eines zweisprachigen Kantons auch als Brückenbauer zwischen Deutschschweiz und Romandie?

Die FWS hat in ihrer 24-jährigen Geschichte immer in allen Landesteilen gewirkt. Als Vertreter eines zweisprachigen Kantons weiss ich, wie wichtig diese Klammerfunktion in Verbänden ist. Ich will diese Sensibilität als Brückenbauer zwischen Deutschschweiz, Romandie und italienischsprachiger Schweiz auch als Präsident von FWS stets in den Vordergrund stellen.