30 Jahre aktiv für Firma und Branche

Richard Osterwalder: «Vorerst stehe ich dem Unternehmen als Verwaltungsrat zur Verfügung, um mit meinen Erfahrungen die weitere erfolgreiche Entwicklung von Weishaupt zu gewährleisten und natürlich meinen Nachfolger zu unterstützen.» (Foto: Jürg Wellstein)
Richard Osterwalder: «Die vergangenen 30 Jahre sind bis heute geprägt vom Auf- und Ausbau unserer Marktposition. Diese konstante Marktbearbeitung im Dienste unserer Kunden schuf Vertrauen und trug viel zum Erfolg bei.» (Foto: Jürg Wellstein)
Weishaupt an der Wallisellenstrasse 333 in Zürich war damals ein kleines Unternehmen mit drei Mitarbeitern. (Foto: Weishaupt)
1999 wurde in Geroldswil im Zürcher Limmattal das neue Kompetenz- und Schulungscenter eröffnet. (Foto: Weishaupt)
1998 wurde die bahnbrechende Entwicklung der Verbrennungstechnik «multiflam» auf den Markt gebracht. (Foto: Weishaupt)
Franz Lenz /

1989 begann Richard Osterwalders Engagement als Geschäftsführer der Weishaupt AG. Er entwickelte die Schweizer Tochtergesellschaft der deutschen Max Weishaupt GmbH zu einem der Grossen im Schweizer Markt der Brenner- und Wärmeerzeuger-Anbieter. Nun wird er die Leitung der Weishaupt AG einem Nachfolger übergeben. Nachfolgend erinnert sich Richard Osterwalder an aktive 30 Jahre.

Herr Osterwalder, Weishaupt bekannte sich zur Schweiz.

Die Max Weishaupt GmbH aus dem süddeutschen Schwendi gründete 1977 in der Schweiz ihre Tochtergesellschaft und 1987 im sankt-gallischen Sennwald die Pyropac AG, die Produktionsstätte für ihre Heizsysteme. Damit bekannte sich Weishaupt klar zum Standort Schweiz. Als ich Anfang 1989 als Geschäftsführer zur Weishaupt AG kam, sah ich meine Entscheidung für Weishaupt als Investition in die Zukunft, für das Unternehmen, das bis dahin noch keinen Marktplatz in der Schweiz hatte, und für mich. Diese 30 Jahre sind bis heute geprägt vom Auf- und Ausbau unserer Marktposition. Diese konstante Marktbearbeitung im Dienste unserer Kunden schuf Vertrauen und trug viel zum Erfolg bei. Gleichzeitig, ab Anfang 1989, startete Weishaupt mit der Schweizer Heizkessel-Produktion im neuen Werk Sennwald und deren europaweitem Vertrieb. Als Erstes mit unserem Weishaupt Thermo Unit – der erste Heizkessel aus einem Guss mit vertikalem Verbrennungssystem.

War Weishaupt schon immer das Ziel?

Davor war ich beim Heizungs-Grosshändler Tobler in Urdorf als Filialleiter tätig und wollte mich nach einigen Weiterbildungen weiterentwickeln und Gelerntes anwenden. Weishaupt steht für Qualität und Zuverlässigkeit, das entsprach mir sehr, damit wechselte ich zu Weishaupt, damals an der Wallisellenstrasse in Zürich, einem kleinen Unternehmen mit drei Mitarbeitern. Mit der rasanten Entwicklung wurde der Standort schnell zu klein, bereits nach einem Jahr habe ich das Unternehmen in das Gewerbegebiet Urdorf verlegt.

Das war aber noch ein kleines Team, der Erfolg nicht garantiert.

In Urdorf waren wir bereits rund zehn Mitarbeiter, inzwischen sind schweizweit rund 250 Personen für Weishaupt tätig, davon rund 80 Mitarbeitende im Weishaupt Kompetenz- und Schulungscenter in Geroldswil, nebst unserem Werk in Sennwald SG und unserer Werksvertretung HSB, die vor meiner Zeit für Weishaupt bereits erfolgreich in der Westschweiz tätig war. Aber nicht nur die Mitarbeiterzahl ist gewachsen, heute sind wir Systemanbieter von Heizsystemen, Wärmepumpen, Solaranlagen und Brennern. Stolz bin ich, dass wir mit Einführung unserer Ver- brennungstechnik «multiflam» für Gross- brenner vor 20 Jahren Marktführer in diesem Bereich sind. Selbstsprechend: Bei meinem Start am 1. Februar 1989 umfasste unsere Preisliste mit Brennern zehn Seiten, heute hat unsere Preisliste einen Umfang von rund 800 Seiten.

Begann in Urdorf der rasante Aufstieg?

Das kann man so sagen, in Urdorf entwickelten sich der Verkauf und der Kundendienst rasant. Der Produktionsstandort Schweiz in Sennwald SG und die sprichwörtliche Weishaupt-Qualität stiessen auf grosse Anerkennung im Markt. Natürlich auch mit viel Überzeugungsarbeit. Auch damals herrschte ein Verdrängungswettbewerb und Weishaupt war wenig bekannt, speziell bei den Endkunden noch unbekannt.

1999 wurde in Geroldswil im Zürcher Limmattal das neue Kompetenz- und Schulungscenter eröffnet. Eine neue Ära begann.

Nach nur zehn Jahren intensiver Marktbearbeitung war dies ein wesentlicher Schritt in die weitere Entwicklung des Unternehmens. Mit dem Standort an der Autobahn Zürich–Bern mit über 100  000 Fahrzeugen, die täglich an unserem markanten Glasgebäude vom bekannten Architekten Theo Hotz vorbeifahren, konnten wir unseren Bekanntheitsgrad schlagartig erhöhen. Das unterstützte unseren Geschäftserfolg und damit auch die Entwicklung unserer Mitarbeiterzahl. Heute sind in Geroldswil rund 80 Personen beschäftigt, davon rund 40 Kundendiensttechniker und zehn Verkäufer. In Sennwald sind es rund 100 Angestellte, bei der Werksvertretung HSB in der Westschweiz sind es ebenfalls rund 80 Mitarbeiter mit einer ähnlichen Aufteilung wie bei uns. Eine gute Entwicklung, der Personalbestand wuchs mit wachsendem Marktanteil.

Herr Osterwalder, seit 30 Jahren sind Sie Geschäftsführer von Weishaupt Schweiz. In diesen 30 Jahren fand in der Branche ein rasanter Wandel statt.

In der Wärmeerzeugung, generell in der Haustechnik, fand ein grosser technischer Wandel statt wie noch nie in den Jahrzehnten zuvor. Die Feuerungstechnik von heute ist nicht mehr vergleichbar mit der Technik der 1980er- und 1990er-Jahre. Ich denke an die Brennwerttechnik für Gas und Öl, geprägt durch die 1992 eingeführte Luftreinhalte-Verordnung (LRV) mit deutlich verschärften Emissionsvorschriften (Halbierung der Werte am Ende der 80er-Jahre mit der Züri-Norm), aber auch an die abgestimmte System- und Regeltechnik, die zu einem beachtlichen Effizienz-Sparpotenzial beitragen hilft. Und natürlich auch an die alternativen Wärmeerzeuger wie Wärmepumpen oder die Solarthermie. Wie schon erwähnt, umfasst die Liste unserer Produkte rund 800 Seiten. Als Beispiele: 1989 erfolgte der Einstieg in den Heizkesselbau mit der Weishaupt Thermo Unit WTU, 1998 wurde die bahnbrechende Entwicklung der Verbrennungstechnik «multiflam» auf den Markt gebracht und 2001 wurde das erste Gas-Brennwertgerät (WTC-GW) lanciert, bis hin zum heutigen Vollsortiment. Alles Entwicklungen aus unserem eigenen, 1962 gegründeten Forschungs- und Entwicklungsinstitut mit heute über 100 Ingenieuren.

Mit dem Weishaupt Ingenieur-Fachzirkel (WIF) trafen Sie auf ein grosses Bedürfnis.

2001 startete ich den ersten Weishaupt Ingenieur-Fachzirkel (WIF), damals in unserem Gebäude in Geroldswil mit rund 30 Teilnehmenden. Diese Wissens- und Netzwerkplattform hat sich zu einem wichtigen und beliebten Anlass der HLK-Branche entwickelt. Diskutiert wurden jeweils aktuelle Themen, oft waren wir der Entwicklung ein wenig voraus. Seit ein paar Jahren begrüssen wir über 400 Teilnehmer in der Umweltarena Spreitenbach. Das spannende Thema des diesjährigen WIF vom 10. April lautet: Energiestrategie 2050 – Stand heute.

Sie waren aber nicht nur Geschäftsführer der Weishaupt AG, Sie haben sich auch in der Branche stark engagiert.

Ich war Mitglied im Verband Schweizerischer Ölbrennerhersteller (VSO), aus diesem entwickelte sich Procal, der Lieferantenverband für Heizungsmaterialien, aufgrund der schnellen technischen Entwicklungen ein wichtiges Gremium. Die meisten Mitglieder wurden zu Gesamtanbietern von allen Wärmeerzeugern in der Gebäudetechnik, was zur Gründung von Gebäudeklima Schweiz (GKS), dem Hersteller- und Lieferanten-Verband der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, im Mai 2010 führte. Als Vorstandsmitglied bereits im Procal war ich an der Gründung massgebend beteiligt.
Parallel dazu leite ich die Fachgruppe Brennwerttechnik. Es war mir immer ein Anliegen, zu agieren, statt zu reagieren. Deshalb gründete ich auch den «Roundtable», den runden Tisch der Gebäudetechnikbranche, an dem bis heute nahezu 100 Branchenvertreter themenübergreifende wichtige Vorschriften und Normen diskutieren. Am «Tisch» diskutieren namhafte Teilnehmer aller Verbände der HLK-Branche der Schweiz. Wichtig natürlich, dass auch die massgebenden Verfasser von Vorschriften wie zum Beispiel das Bundesamt für Energie (BFE) teilnehmen. So können wir uns als Verband GKS im Vorfeld direkt einbringen.

Parallel dazu befasste ich mich mit den Normen. Aus der EU strömen täglich unzählige Normen in die Schweiz. Die Schweizerische Normenvereinigung (SNV) kanalisiert die für uns bedeutenden. Es ist mir wichtig, frühzeitig darauf hinzuweisen, welchen Stellenwert einzelne Vorschriften für unsere Entwicklungen und Zukunft haben. Das waren demnach auch häufige Themen am Roundtable. Auch an einigen WIF waren diese Themen im Mittelpunkt.

Ausserhalb der Branche betätigte ich mich zehn Jahre als OK-Präsident vom Wirtschaftspodium Limmattal mit jeweils rund 800 Teilnehmern, darunter auch immer rund 80 bis 100 Kunden von Weishaupt. Meine Tätigkeit seit 15 Jahren als Mitglied des Beirats der Fachzeitschrift HK-Gebäudetechnik vom AZ Fachverlag zusammen mit anderen Branchenvertretern gibt mir zusätzliche Einsichten in die Marktsituationen und Herausforderungen, auch in der Kommunikation.

Das waren 30 sehr aktive und fordernde Jahre. Was folgt nun?

Vorerst stehe ich dem Unternehmen als Verwaltungsrat zur Verfügung, um mit meinen Erfahrungen die weitere erfolgreiche Entwicklung von Weishaupt zu gewährleisten und natürlich meinen Nachfolger zu unterstützen.

Die verbleibende Zeit soll primär ein Leben ohne Terminkalender sein. Ich will mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden geniessen können. Dabei freue ich mich besonders, meine Enkel zu erleben, mit mehr Zeit als früher für meine beiden Töchter. Damals war mein Leben von vielen Ideen für alle oben erwähnten Unternehmungen geprägt.


Hinweis: Dieses Interview erschien zuerst in HK Gebäudetechnik, Ausgabe 1/2019.