HT 6-7/2019

Gut gedämmt durchs Jahr

(Foto: Flumroc AG)
Rudolf Bolliger /

Eine solide Dämmung sorgt in kalten Jahreszeiten für behaglichen Wohnkomfort. Dämmmaterialien können aber auch einen Beitrag zum sommerlichen Wärmeschutz leisten.

Gute Dämmstoffe bestehen aus nachhaltigen Materialien, die sich energieeffizient herstellen lassen. Je nach Handelsform, Belastbarkeit, Brandschutzverhalten, Wärmeleitfähigkeit und anderen Eigenschaften eignen sie sich für unterschiedliche Anwendungen. Sie unterscheiden sich zudem in ihrer Herstellung. Ist ökologisches Bauen gefordert, sind, wo immer möglich, nachwachsende Dämmstoffe vorzusehen. Wie unterschiedlich die Dämmfähigkeit von Baustoffen sein kann, zeigt ein Vergleich: 
Um die gleiche Dämmwirkung von 13 cm Styropor zu erreichen, ist eine Betonwand von rund 75 cm erforderlich.

Sommerlicher Wärmeschutz

Gut gedämmte Gebäude bieten nicht nur ein behagliches Raumklima im Winter, sie sind auch vor einer Überhitzung im Sommer besser geschützt. Über den sommerlichen Wärmeschutz entscheidet die Zeit zwischen dem Auftreten der höchsten Temperatur auf der Aussenoberfläche bis zum Zeitpunkt des Temperaturmaximums auf der Innenseite. Man spricht bei dieser Zeit von der Phasenverschiebung. Das Durchwandern der Temperatur durch das Bauteil braucht Zeit. Je länger es dauert, umso besser ist der Schutz vor Überhitzung auf der Innenseite. Dies richtet sich nach der Höhe der Wärmespeicherzahl und diese wiederum hängt zusammen mit der Dichte (genau genommen mit der sogenannten Rohdichte) des Materials. Die Wärmespeicherzahl in J/(m3K) als Fähigkeit, Wärmeenergie zu speichern, ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Dämmwert respektive Wärmedurchgangskoeffizienten.

Häufig eingesetzte Dämmstoffe

Steinwolle, Zellulosefasern und geschäumte synthetische Dämmstoffe sind die meistgebrauchten auf dem Bau. Sie weisen alle sehr gute Kennzahlen auf. Schafwolle gilt beispielsweise als gute Alternative zu synthetischen oder mineralischen Dämmstoffen. Sie bietet auch guten Schall- und Hitzeschutz.
Bei den synthetischen Produkten handelt es sich meist um Kunststoffschäume. EPS steht für expandiertes, XPS für extrudiertes Polystyrol, PUR ist die Abkürzung für Polyurethan. XPS hat eine höhere Druckfestigkeit und das bessere Wärmedämmvermögen als EPS. Die Anwendungsgebiete für geschäumte Dämmstoffe sind vielfältig und reichen von der Dach- und Fassadendämmung bis hin zur Trittschalldämmung.

Dämmende Ziegelsteine

Meist werden dämmende Schichten auf die fertig gebauten Aussenwände aufgebracht. Mehr und mehr kommen aber auch Ziegelsteine zum Einsatz, die bereits selbst dämmende Eigenschaften aufweisen. Forschende der Empa haben in Dämmziegeln den Dämmstoff Perlit durch Aerogel ersetzt, einem hochporösen Festkörper, der sehr hohe wärmedämmende Eigenschaften aufweist. Die Ziegelsteine nennen sich «Aerobrick». Ein Vergleich zeigt, dass die aerogelgefüllten Ziegelsteine bei gleicher Struktur und Dicke um rund einen Drittel besser dämmen als Ziegelsteine mit Perlit. Zurzeit wird allerdings noch niemand ein Haus aus Aerobricks bauen – dazu ist das Füllmaterial momentan noch zu teuer. Ein Quadratmeter Mauerwerk würde rund 500 Franken Zusatzkosten verursachen.

Vakuumdämmung

Vakuumdämmplatten bestehen aus einem druckfesten und sehr porösen Kernmaterial (beispielsweise pyrogene Kieselsäure), das in einer Vakuumkammer in eine 
hoch gasdichte Folie eingeschweisst wird. Vakuumisolationspaneele (VIP) bieten die wirksamste Wärmedämmung. Der Lambdawert von Vakuumdämmplatten liegt bei nur 0,007 W/(mK).

Vor allem dort, wo «normale» Dämmstoffe zu stark auftragen, punkten Vakuumdämmelemente. Hier können sie dank ihrer geringen Bauhöhe Dämmprobleme lösen. Das gilt für Flachdach- und Terrassendämmungen sowie bei Sanierungen, bei denen aus denkmalschützerischen Gründen innen gedämmt werden muss.

«Wir gehen jeweils von einem Faktor 1:5 aus, das heisst 10 mm VIP entspricht zirka 50 mm herkömmlichem Dämmstoff», sagt Erich Bauer-Ebenhöch von der Variotec GmbH & Co. KG. «Im Neubau kommt Vakuumdämmung weniger zum Einsatz, da in der Planung ja bereits mit der notwendigen Dämmstoffstärke geplant werden kann», so Bauer-Ebenhöch weiter.

Kennzahlen

Die Kenngrössen  (Lambda) und U zeigen, ob sich ein Material als Dämmstoff eignet. Die Wärmeleitzahl  ist ein baustoffspezifische Grösse, das heisst, sie ist ein Mass für die Fähigkeit des Materials, Wärme zu leiten. Dies ist unabhängig 
von der Dicke oder der Einbausituation. Ihre Einheit ist W/(mK). Je niedriger die Wärmeleitfähigkeit des Materials, desto besser ist die Dämmwirkung. Dämmstoffe sind Materialien, deren Wärmeleitzahl  unter 0,1 W/(mK) liegt.

Demgegenüber gibt der U-Wert als Wärmedurchgangskoeffizient Auskunft über den Wärmetransport eines Bauteils. Dieser ist abhängig von den Wärmeleitzahlen verwendeter Baustoffschichten sowie deren Dicke. Der U-Wert in W/(m2K) beschreibt, wie schnell die Wärme transportiert wird. Mit Hilfe ihrer U-Werte lässt sich die Dämmwirkung von Bauteilen direkt vergleichen. Ein hoher U-Wert bedeutet einen starken Wärmestrom und somit hohe Wärmeverluste. Je niedriger der U-Wert, desto besser ist die Wärmedämmung.

Wärmeverluste vermeiden

Bei ungenügender Dämmung können rund 50 Prozent der Wärme eines Gebäudes durch die Wände, das Dach und den Boden verloren gehen. Deshalb ist eine gute Wärmedämmung die wirksamste Massnahme. Ein energieeffizientes Gebäude hat durchgehend 20 Zentimeter Dämmstärke oder mehr. Es hat auch beispielsweise keine Balkone in Form auskragender Deckenplatten. Auch Fensterlaibungen oder Heizkörpernischen sind knifflige Stellen, an denen sich gern Kältebrücken bilden. Entweicht hier viel Wärme, wird die Innenseite der Wände kalt und es können sich Kondenswasser und Schimmel bilden.

Im Vergleich zu Gebäuden aus den 1970er-Jahren sind heutige Häuser im Schnitt vier- bis fünfmal besser. Schlecht gedämmte Immobilien verlieren bei frostigen Temperaturen bis zu 50 W/m2. Bei gut gedämmten sind es nur noch 
etwa 8 bis 10 W/m2.

Knackpunkt Elektroinstallation

Dass Teile der Elektroinstallation die Gebäudehülle durchdringen, ist meist nicht zu vermeiden. Abhilfe schaffen spezielle Installationsdosen (beispielsweise der Firma Agro AG), die einen luftdichten Anschluss von Leitungen und Elektroinstallationsrohren ermöglichen. Diese werden in der Regel für Häuser in Massivbauweise eingesetzt, bei denen das Mauerwerk aus Hohlkammersteinen besteht. Werden die Kammern für das Setzen einer Elektrodose angebohrt, kann es zum unerwünschten Luftaustausch mit dem Wohnraum kommen. Bei Gebäuden in Leichtbauweise stellt eine Dampfbremse die Luftdichtheit sicher. Wird diese von der Elektroinstallation durchstossen, können luftdichte Hohlwanddosen mögliche Energieverluste und bauphysikalische Probleme minimieren.

Für behagliches Wohnen

Nur Fachleute sollten mit Dämmarbeiten beauftragt werden, da fehlerhafte Ausführungen zu Bauschäden führen können. Oft herrscht auch die Meinung vor, dass Wände «atmen» sollen, also Feuchtigkeit aus dem Innenraum nach draussen transportieren. Tatsächlich findet das aber kaum statt. Überschüssige Feuchte muss zu etwa 95 Prozent durch Lüften über Fenster oder Lüftungsanlagen reduziert werden. Richtig angewendet, verhindern Dämmstoffe Feuchtigkeitsschäden an Bauteilen und es wird auch eine ausgeglichene Wärmeverteilung in den Räumen erreicht.