Haustech 5/2019

«Die Branche ist gefordert»

Martin Kaufmann. (Foto: Nicolas Zonvi)
Simon Eberhard /

Als CEO von Meier Tobler AG blickt Martin Kaufmann auf zwei anspruchsvolle Jahre zurück. Haustech unterhielt sich mit ihm über die Herausforderungen bei der Fusion zweier Grossunternehmen, die politischen Rahmenbedingungen und die Zukunft der Baubranche.

Herr Kaufmann, der Zusammenschluss von Walter Meier und Tobler war bereits die zweite Fusion, die Sie als Geschäftsleiter begleitet haben. Welche war die anspruchsvollere?

Bei der Fusion von Axair, Oertli und Vescal im Jahr 2007 haben wir drei in unterschiedlichen Bereichen tätige Unternehmen zusammengeführt und ein Markendach darüber gebaut. Hier hingegen können wir zwei Unternehmen mit sich überschneidenden Portfolios organisatorisch zusammenlegen. Ein zweiter signifikanter Unterschied ist im Marktumfeld zu suchen: Zum Zeitpunkt der ersten Fusion waren die Marktbedingungen noch sehr gut, in den vergangenen zwei Jahren etwas schwieriger. So gesehen war diese Fusion sicherlich die anspruchsvollere. Wobei sie aber auch viel professioneller abgelaufen ist als jene vor zwölf Jahren.

Trotzdem ist nicht immer alles nach Kurs gelaufen. Wenn Sie nochmals neu beginnen könnten, was würden Sie anders machen?

Zunächst möchte ich festhalten, dass ich heute noch genauso überzeugt bin wie vor zwei Jahren, dass der Zusammenschluss strategisch der richtige Weg ist für beide Firmen. Dass wir zusammen stärker sind, ist aus meiner Sicht unbestritten. Einige Details würde ich aus heutiger Sicht sicher anders angehen. So haben wir einerseits wohl die Erwartungshaltung seitens unserer Stakeholder ein wenig unterschätzt. Als wir die Fusion bekanntgegeben haben, ist eine grosse Euphorie aufgekommen, die wir nicht aktiv gedämpft haben. Im Nachhinein gesehen hat uns dies in eine schwierige Situation gebracht, weil wir diese Erwartungen nicht immer erfüllen konnten. Andererseits hat auch die Zusammenführung der IT mehr Zeit in Anspruch genommen, als wir das geplant hatten.

Doch nun konnte dieses Projekt abgeschlossen werden?

Ja, wir sind im April dieses Jahres mit der neuen integrierten IT-Plattform live gegangen. Wir hatten die üblichen Anlaufschwierigkeiten, die sich in einem Projekt dieser Grössenordnung ergeben, konnten aber vom ersten Tag an ausliefern und fakturieren. Jetzt geht es darum, die «Kinderkrankheiten» auszumerzen. Aber wir sind live, das war ein ganz wichtiger Schritt, ich bin überzeugt, dass wir unsere Prozesse nun sehr schnell verbessern können.

Zwei wegweisende Entscheide seit der Fusion waren der Verkauf der Keramikland AG 
sowie der Verkauf der beiden Logistikzentren in Däniken und Nebikon. Was hat zu diesen Entscheiden geführt?

Keramikland als Boutique für Sanitärprodukte vor der Wand im Highend-Bereich hat strategisch nicht mehr zu uns gepasst, da wir sehr stark auf das Installationsgewerbe ausgerichtet sind. Erfreulicherweise konnten wir zwei der vier Standorte verkaufen, so dass wir nur zwei Standorte geordnet haben schlies-
sen müssen. Mit Ausnahme einer Person haben übrigens alle Mitarbeitenden nahtlos eine neue Anstellung gefunden, was mich sehr freut. Im Fall der Logistikzentren macht es mehr Sinn, die Logistik auf einen Standort zu konzentrieren. Hierfür reichte jedoch weder in Däniken noch in Nebikon der verfügbare Platz aus. So haben wir uns entschlossen, die beiden Zentren zu verkaufen und ein neues zu bauen. Wir sind derzeit am Evaluieren von Grundstücken und hoffen, noch in diesem Jahr einen Entscheid treffen zu können.

Wie spüren Sie die Stimmung bei den Mitarbeitenden während dieses Transformationsprozesses?

Sehr wichtig ist die Tatsache, dass von Beginn weg nie über die Sinnhaftigkeit des Zusammenschlusses diskutiert worden ist. Das hat uns viel Rückenwind gegeben. Die Mitarbeitenden sind wie ich überzeugt, dass es der richtige Schritt ist. Den Umständen entsprechend würde ich die momentane Stimmung deshalb als gut bezeichnen. Natürlich hat es in den vergangenen zwei Jahren auch einige Abgänge gegeben, was normal ist angesichts der grossen Veränderungen. Und natürlich besteht eine gewisse Müdigkeit vor allem in Schlüsselpositionen. Die entsprechenden Verantwortlichen haben sehr viel neben dem eigentlichen Tagesgeschäft leisten müssen, um mitzuhelfen, eine komplett neue Firma aufzubauen. Das war und ist anspruchsvoll.

Auch in den Managementpositionen hat es einige Wechsel gegeben. Kürzlich konnten Sie die vakante Position des Verkaufsleiters neu besetzen. Was versprechen Sie sich von den neuen Kollegen?

Patrik Forster, unser neuer Verkaufs- und Marketingleiter, besetzt eine Schlüsselposition. Er muss mit seiner Fach- und Managementkompetenz etwas bewegen können. Er trägt den Rucksack aus der Vergangenheit nicht mit, was sicher ein Vorteil ist. Auch die Position des Serviceleiters konnte besetzt werden, er wird im Herbst bei uns starten. Ich freue mich, ab dann mit einem schlagkräftigen Managementteam auftreten zu können, bestehend aus erfahrenen Führungskräften, die die Branche kennen, und neuen Kräften, die frischen Wind und eine neue Perspektive in das Unternehmen bringen.

Einen frischen Wind soll auch ihre neu lancierte Hausmesse «Expo Plus» bringen. Was sind die Ziele dieser Plattform?

Während des letzten Jahres waren wir aufgrund des Transformationsprozesses stark mit uns selbst beschäftigt. So mussten wir viel Zeit für unsere internen Prozesse aufwenden, Zeit, die uns dann für die Kunden gefehlt hat. Mit der Expo Plus versuchen wir, dieses Manko wieder zu korrigieren. Wir wollen damit wieder näher zum Kunden rücken und ihm zeigen, was wir leisten können. Neben der Hausmesse möchten wir mit Fachvorträgen auch Know-how weitergeben. Diese Fachvorträge sind in den ersten vier Durchführungen im Frühjahr sehr gut angekommen. Die Kunden haben es geschätzt, dass unser Event neben der Ausstellung auch Fachthemen präsentiert, die den Installateur, den Planer oder den Generalunternehmer interessieren.

Dann werden Sie in Zukunft vermehrt auf solche Hausmessen setzen und weniger auf 
die grossen Fachmessen wie die Swissbau?

Ja, das Ziel ist sicherlich, eine gewisse Regelmässigkeit zu etablieren und den Anlässen in der Branche einen Stellenwert als Informationsplattform zu verleihen. Was die Swissbau betrifft, so haben wir uns entschieden, 2020 nicht teilzunehmen. Das heisst jetzt nicht, dass wir uns völlig dagegen verschliessen, wir werden die Teilnahme 2022 sicherlich wieder prüfen. Unser Unternehmen wie auch die Messelandschaft sind derzeit in einem Umbruch. Wir werden zu gegebener Zeit nochmals eine Analyse vornehmen, wie wir weiterfahren.

Ein Umbruch findet derzeit auch im politischen Umfeld statt. Was bedeutet dies für Ihr Unternehmen?

Wir haben in der Schweiz ein föderalistisches System, das ich grundsätzlich sehr begrüsse. Allerdings bringt dieses für uns auch einige Herausforderungen mit sich, gerade im Hinblick auf die MuKEn 2014. Die Hausbesitzer sind diesbezüglich zu wenig gut informiert. Es ist unsere Aufgabe, die Aufklärungsarbeit zu verbessern, damit der Hausbesitzer aufgrund von Ökonomie, Ökologie und Gesetzgebung kompetent entscheiden kann, welche Lösung für ihn die richtige ist. Da sind wir als Branche stark gefordert.

Haben Sie in diesem Zusammenhang auch Wünsche an die Politik?

Wichtig ist es, dass die Politik klar Stellung nimmt, in welche Richtung es geht und entsprechend Anreize setzt. Es besteht sicher Verbesserungspotenzial. Da gibt es beispielsweise ein Gesetz, das es einem Immobilienbetreiber zwar erlaubt, die Heizkosten in einem Mieterhaus auf den Mieter abzuwälzen, Investitionen hingegen nicht. Das widerspricht den energiepolitischen Zielen, da so jeglicher Anreiz für den Immobilienbesitzer fehlt, in die energetische Optimierung seines Gebäudes zu investieren. Hier sollte die Politik ansetzen und Rahmenbedingungen festlegen, die es uns als Branche ermöglichen, die dringend nötige Sanierungswelle anzustossen. Das ist in meinen Augen zielführender als Vorschriften oder die Unterstützung einzelner Energieträger.

Zurück zu Meier Tobler. Sie haben zwei anspruchsvolle Jahre hinter sich. Welches sind für Sie in den kommenden Monaten die grössten Herausforderungen?

Kurzfristig besteht die grösste Herausforderung sicherlich darin, wieder Ruhe in das Unternehmen zu bringen und in den Bereichen, wo noch Fusionsnachwehen bestehen, möglichst schnell wieder auf das Dienstleistungsniveau zu kommen, auf dem wir uns vor der Fusion in beiden Unternehmen befanden. Danach wird die grosse Herausforderung darin bestehen, die Kraft im Markt zu entwickeln, die unser Unternehmen eigentlich hat, und unsere Stärken auszuspielen: die starke Handelsplattform mit den Marchés, das grosse Sortiment, die ausgeprägte Logistik- und Servicekompetenz. Das ist dann sozusagen die Kür.

Welche persönlichen Ziele setzen Sie sich dabei?

Dass die Fusion in drei bis vier Jahren als Erfolgsgeschichte beurteilt wird, und zwar von allen Stakeholdern: angefangen bei den Mitarbeitenden, die stolz sind, für das Unternehmen zu arbeiten; über die Kunden und Lieferanten, die wissen, dass sie einen guten Partner haben; und natürlich auch die Aktionäre, denen wir beweisen wollen, dass die Fusion sinnvoll ist. Ein zweites Ziel besteht darin, für die Herausforderungen im wirtschaftlichen Umfeld gerüstet zu sein: für die Energiewende wie auch für den Zeitpunkt, in dem der Bauboom abflacht.

Sie feiern dieses Jahr ihr 20-jähriges Firmenjubiläum. Wie sehen die nächsten 20 Jahre in der Branche aus?

Als ich 1999 in der Branche begonnen habe, hat es niemanden wirklich interessiert, was im Keller steht. Energie war kein grosses Thema. Seit einigen Jahren ist es ein Megathema. Daneben gibt es den anderen Megatrend der Digitalisierung. Ich bin überzeugt, dass sich auch in unserer Branche sehr viel verändern wird, da bereits heute ganz neue Möglichkeiten vorhanden sind. Ich glaube, dass sich die Branche in den zehn Jahren mehr verändern wird, als sie sich in den letzten 20 Jahren verändert hat.